Unser Sommer war nicht so hart, wie sie es vorausgesagt hatten – zum Glück. Ich hatte als Vorbereitung meine fünf Kühe auf die «Alp» geschickt und dann kam alles anders.

Das Gras hat vom Regen profitiert

In der Gegend wird immer mehr Agrarland in kleine, ein bis zwei Hektaren grosse Lifestyle-Parzellen zerstückelt. In einer Ecke wird dann ein schönes Haus gebaut. Die Leute, die diese Grundstücke kaufen, arbeiten meistens in der Stadt. Die Bewirtschaftung des Landes ist daher Nebensache. Manche haben gar keine eigenen Tiere. So fand ich für meine Kühe ein feines Paradies von knietiefem Gras, manchmal etwas zäh zum Kauen, aber wen stört das schon.

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Um die Weihnachtszeit (bei uns ist Weihnachten im Sommer) sind kurz mal 80 mm Regen gefallen. Dies hat uns einen guten Wachstumsschub beschert und wir profitieren heute noch davon. Es hat danach praktisch nicht mehr geregnet. Unsere Lehmböden trocknen zum Glück nicht so schnell aus, besonders, wenn das Gras genug lang ist. Weil die Kühe auf der «Alp» waren, hatten die Schafe und Lämmer alles für sich.

Wer mag sich noch an das Bild mit dem verlorenen Lamm von meinem letzten Beitrag erinnern? Genau dieses Lamm ist nach wie vor «verloren». Obwohl inzwischen gewachsen, hat es Mühe, im hohen Gras die eigenen Freunde wiederzufinden.

Eine verdiente Erholungsphase

Die Sommerferien habe ich sehr genossen. Ich habe viel Zeit mit meiner Tochter verbracht. Wir besuchten Freunde und waren viel im Wasser. Dann waren wir auch im «Busch», um unsere Buschhütte weiter auszubauen. Mountainbiken stand auch auf dem Programm, inklusive einer langen Fahrt von West nach Ost, fast quer über die neuseeländische Nordinsel.

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Meine automatische Bewässerung nimmt auch langsam Form an. So kann ich den Garten und den Obstgarten etwas länger ohne mein Zutun alleine lassen. Die Ernte jedoch nimmt mir noch niemand ab. Aber das ist ja eine schöne Arbeit: Man erntet die Früchte seiner Arbeit – im wahrsten Sinne des Wortes.

Viele frische Früchte ernten

Im Garten hatte ich dieses Jahr nicht so viel Glück. Ich denke, es war im Frühling zu lange zu kalt und danach schnell zu heiss und zu trocken. Es gab trotzdem von jedem Gemüse etwas: Zucchetti, Tomaten, Auberginen, Zuckermais, Peperoni, früher auch Blumenkohl, Chabis und Randen. Lauch, Fenchel, Stangensellerie, Krautstiel und Salate lasse ich versamen, damit es im nächsten Jahr überall ausschiesst.

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Im Obstgarten ist das Bild ebenfalls durchzogen. Dem Pfirsichbaum geht es nicht so gut. Er hatte dieses Jahr keine einzige Frucht. Vielleicht wird er langsam etwas alt. Dafür trug meine frühe Pflaume dieses Jahr zum ersten Mal reichlich Früchte. Der Quittenbaum wurde auch etwas in Mitleidenschaft gezogen. Wahrscheinlich ist er von einem Pilz befallen. Hilft da eine Dosis Kupferspray?

Dafür lieben die Bananen und Feigen den warmen Sommer. Ein verlässlicher Garant jedes Jahr ist mein Luise-Pflaumenbaum! Jahr für Jahr produziert er faustgrosse Pflaumen bis zum Abwinken. Ich stehe jeden Tag ich in der Küche und koche ein: Pflaumensirup, Pflaumenmus und Pflaumensauce – feurig, mit Ingwer, Knoblauch und etwas Chili!

Natürlich friere ich viel ein für Pflaumenwähen, bis die Gefriertruhe zum Bersten voll ist! Ich brauche unbedingt mehr Mäuler, um die wieder leer zu essen. Doch die kommen schon bald.

Besuch von daheim steht ins Haus

Meine Familie steigt in zwei Tagen in den Flieger und kommt uns besuchen. Ich freue mich riesig! Es ist doch schon sechs Jahre her seit meinem letzten Besuch in der Schweiz. Ganz speziell freuen wir uns, meinen Vater und Jelshas Grossvater willkommen zu heissen.

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Bis es jedoch so weit ist, muss ich noch unser Haus auf Vordermann bringen: Spinnweben und Staub aufsaugen, das Gästezimmer herrichten und die Leintücher glattstreichen. Obwohl bei mir eher die inneren Werte als das Äussere zählen, bin ich gerade mittendrin, das Haus aussen zu waschen und die Zedern-Verkleidung neu einzuölen. Nicht etwas, was ich jedes Jahr mache, aber es ist auch so etwas, das bereits überfällig war.

Tierischer Nachwuchs

Im «Stall», wie man so schön sagt, geht es diesen Herbst auch rund. Einen Stall habe ja nicht, denn die Tiere sind das ganze Jahr draussen. Vier der fünf Kühe haben innerhalb von acht Tagen gekalbert, der Stier muss einen feinen Riecher gehabt haben.

Nur eine Kuh ist eine Nachzüglerin, aber die holt dann schnell auf. Ihre Kälber sind immer gross. Sie ist eine gute Milch-Fleisch-Kreuzung und gibt gut Milch, ihr Kalb wird daher zügig wachsen.

Bei den Schafen ist gerade dickes «Sommerfressen» angesagt. Sie liegen in der Sonne, kratzen sich den Bauch und geniessen die Ruhe. Die Kleinen sind ja inzwischen selbstständig und bis der Bock wieder kommt, vergehen noch ein paar Tage.

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Zur Person

Beni Aeschbach (50) wanderte 2009 nach Neuseeland aus. Nach verschiedenen Zwischenstationen, unter anderem auf Milchfarmen, erwarb er 2012 ein Stück bares Land. In einer Ecke wurden ein Wohnhaus, eine Scheune, ein Gemüse- und ein Obstgarten errichtet. Auf den 26 ha Land hält er 70 Schafe und 6 Mutter-kühe. Da der Hof zu wenig einbringt, arbeitet Aeschbach auswärts als selbstständiger Baumeister von An- und Ausbauten.