Der vielseitige Biobetrieb von Familie Donat steht auf gesunden Füssen und ist parat für die nächste Generation. Dafür hat Vater Ruedi sein Leben lang gearbeitet. Die Betriebsübergabe ist Anfang nächstes Jahr geplant. «Aber wenn die Pflanzenschutz-Initiativen am 13. Juni angenommen würden, müssten wir über die Bücher», erklärte Sohn Dominik. Vor einigen Jahren hat die Familie einen Aufzuchtstall für Junghennen gebaut, «das müssten wir aufgeben, weil wir das Futter nicht selber produzieren können», erklärte der junge Meisterlandwirt an der Medienkonferenz des Bauernverbands Aargau (BVA) vor einer Woche auf dem Bollhof in Wohlen.

Wenig Medieninteresse

Gut vorbereitete Referenten aus der Obst-, Gemüse- und Weinbranche, die Gastgeberfamilie und die Landfrauenpräsidentin brachten griffige Argumente gegen die Initiativen und hinterlegten sie mit konkreten Beispielen. «Alles perfekt», so das Fazit von BVA-Geschäftsführer Ralf Bucher – «mit einer Ausnahme: die Präsenz der nicht-bäuerlichen Medien». Davon waren nämlich nur gerade zwei anwesend, trotz wiederholtem Nachfragen durch den BVA. «Negativschlagzeilen lassen sich besser verkaufen als fundierte Hintergrundinfos», kommentierte Ralf Bucher.

Teil der Lösung sein

«​Die Aargauer Bauern wollen Teil der Lösung sein», diese Botschaft von Christoph Hagenbuch an der Medienkonferenz schaffte es in den Titel der Lokalpresse. Einprägsam war auch ein Vergleich des neuen BVA-Präsidenten an seinem ersten offiziellen Einsatz: Die Forderungen der beiden Initiativen seien so ähnlich, «als würden in unserem Gesundheitssystem bis in acht Jahren nur noch homöopathische Behandlungen finanziert.» Der BVA-Präsident verwies auf die bereits gemachten und weiter laufenden Anstrengungen zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln.

«Im Aargau stehen 15 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel», gab Christoph Hagenbuch weiter zu bedenken.

Viele schlafen noch

Hagenbuch zeigte sich trotzdem vorsichtig-optimistisch: Je näher die Abstimmung komme, desto breitere Kreise ausserhalb der Landwirtschaft würden sich Gedanken über die Konsequenzen machen. «Einige schlafen noch. Jetzt müsste ein Ruck durch die nachgelagerte Branche gehen.»

Der Einsatz der Referentinnen und Referenten geht nach der Medienkonferenz weiter. Sie berichteten übereinstimmend von einem sehr fordernden Abstimmungskampf. «Ich habe bisher kaum je so viele faktenfremde Aussagen in einem Abstimmungskampf erlebt», sagte Hagenbuch. Selbst das Komitee der Trinkwasser-Initiative sei am Rudern und relativiere vor der Abstimmung seinen eigenen Initiativtext. «Wenn man argumentiert, dass die Umsetzung dann schon recht sein werde, dann wissen wir ja nicht, worüber wir abstimmen und können es gleich lassen.»