Geschafft. Obwohl es für die beiden Agrar-Initiativen lange Zeit sehr gut aussah, hat das Stimmvolk am Sonntag entschieden: zu extrem, zu einseitig, zu einschneidend. Das Schweizerische Konsumentenforum (kf) und seine rührige Präsidentin (also: ich) wurden nicht müde, die Nachteile der Initiativen immer wieder zu betonen. Nicht, ohne auch das Ziel, das ein gutes ist, aus den Augen zu lassen: weniger Pestizide zu verwenden.

Beleidigungen nach Fernsehauftritten

In den intensiven und ermüdenden Wochen vor der Abstimmung habe ich vieles erlebt und bin viel herumgereist, um mir – was ich sehr gerne mache – ein Bild vor Ort zu machen. Im Stall, auf dem Acker erfahre ich viel mehr als während eines Telefonats. Denn eine Devise unseres kf ist: «Information ist der beste Schutz!»

Die zwei Auftritte in der «Arena» und im «Club» des Schweizer Fernsehens zu den Initiativen haben mir einige wohlwollende, aber vor allem beleidigende, drohende Mails aus der untersten Schublade beschert. Das ist nur im ersten Moment schlimm, denn jeder, der sich (politisch) exponiert, weiss: das gehört zum Spiel.

Beängstigender Abstimmungskampf

So beängstigend wie dieses Mal habe ich es allerdings noch nie erlebt. Man kann anderer Meinung sein, man kann sogar explizit anderer Meinung sein; in unserer bald zweihundertjährigen Demokratie hatten und haben wir alle drei Monate Gewinner und Verlierer und alle drei Monate eine Verfassungsänderung. Die Mehrheit entscheidet. Damit sind wir bis heute gut gefahren. Das ist unser Erfolgsrezept. Doch scheinen dies viele vergessen zu haben.

Du bist dagegen? Weiche, Satan! Du bist dafür? Ab in die Hölle mit dir! Hüben und drüben wurde mit drastischen Mitteln gekämpft: Plakate heruntergerissen oder verschmiert, Exponenten sogar den Tod auf den Hals gewünscht und bedroht, Kommentarspalten in den Social Medias aufs Unflätigste gefüllt.

Hut ab vor Franziska Herren

Vor der besagten «Arena»-Aufzeichnung habe ich der Initiantin der Trinkwasserinitiative gratuliert. Was sie zustande brachte, finde ich nämlich grossartig. Ein Problem orten. Eine Initiative ein- und damit erreichen, dass die Schweiz während Wochen kaum über etwas anderes heftig diskutiert. Und zu guter Letzt erreicht, dass dieses Wochenende uns eine der höchsten Stimmbeteiligungen bescherte: über 60 Prozent sind an die Urnen geströmt – sinnbildlich gesprochen, denn heutzutags wird ja gerne der Postweg benutzt.

Nun denn. Ich habe ihr gratuliert – und das hat sie komplett verunsichert! Dass eine Gegnerin so munter auf sie losstürmte und sie lobte, nein, das hätte sie vermutlich nicht erwartet. Entsprechend war auch ihre Reaktion: verhalten und verunsichert. Wie weit sind wir gekommen, dass ehrliche Komplimente nicht mehr verstanden werden? Diese Überlegung ist gleich eine weitere Kolumne wert!

Transparenz im Hinblick auf künftige Agrar-Initiativen

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung. Bereits stehen die nächsten Initiativen zu Ernährung und Umwelt an. Sie tun also gut daran, den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten Rechnung zu tragen. Biodiversität fördern, weniger Pflanzenschutz getreu der Maxime: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich.» Aber vor allem: Transparent zeigen, was Sie machen.

Die Konsumenten – längst nicht alle, das wissen wir – sind interessiert. Wollen erfahren, wie die Produkte, die sie kaufen, produziert werden. Gerade im Mittelland, wo die Belastung der Böden schon, sagen wir einmal: problematisch ist, braucht es jetzt Anstrengungen oder aber klare und sichtbare Strategien, um glaubwürdig zu sein. Denn das hat der Sonntag auch gezeigt: Wir vertrauen unseren Bauern! Setzen Sie dies jetzt nicht aufs Spiel.

Zur Autorin

Babette Sigg Frank ist Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums kf. Die CVP-Politikerin und Präsidentin der CVP-Frauen Schweiz schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.