Im Mittelland steigen die Temperaturen seit Tagen über 30 Grad, was für Mutterkühe und ihre Kälber einen erheblichen Hitzestress darstellt. Die thermoneutrale Zone liegt beim Rind zwischen 0 und 15 Grad, beim Kalb zwischen 5 und 20 Grad. Sobald die Temperatur diese Werte überschreitet, reduzieren Kühe und Kälber ihre Futteraufnahme. Bei den Kühen führt das zu einer geringeren Milchleistung, bei den Kälbern zu niedrigeren Tageszunahmen. In der Folge werden am Ende der Sommerfütterung Beef mit geringerem Schlachtgewicht und schlechterer Taxierung geschlachtet.

Nacht nutzen und Fütterung anpassen

Eine wirksame Möglichkeit, diesen Stress zu reduzieren, ist die Umstellung auf die bewährte Nachtweide während der Sommermonate. In den kühleren Abend- und Morgenstunden können die Tiere die maximale Menge an Weidegras aufnehmen, wodurch trotz längerer Stallzeit die Fütterungskosten niedrig bleiben. 

In der Mutterkuhhaltung machen die Futterkosten 30 % bis 60 % der gesamten Produktionskosten aus und stellen mit Abstand den grössten Kostenblock im Betrieb dar. Um den maximalen Anteil an günstigem Weidefutter zu nutzen, muss die Zufütterung im Stall begrenzt werden. Die Zufütterung sollte so gestaltet sein, dass die Nährstoffe des Weidegrases für Kuh und Kalb optimal ergänzt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer ausgewogenen Energie- und Proteinversorgung, um Verdauungsverluste gering zu halten.

Gleichzeitig sollte das Weidefutter von hoher Qualität sein und sowohl rasenbildende als auch trockenheitstolerante Pflanzenarten wie Wiesenrispe und englisches Raigras enthalten. Im Zuge der Sommertrockenheit ist darauf zu achten, dass auf den Weiden eine Restfuttermenge von 6–8 cm stehen gelassen wird, damit die Futterpflanzen ihre Reserven behalten. Auf diese Weise können die Weiden längere Trockenperioden besser überstehen. 

Lüften und regelmässig misten

Bei den hohen Temperaturen steigt der Insektendruck. Eine gute Luftumwälzung im Stall mit geeigneten Lüftungssystemen ist wichtig. Dies jedoch ohne Zugluft zu erzeugen. 

Gleichzeitig reduziert die Lüftung den Fliegendruck auf die Tiere. Es ist zu empfehlen, die Tiefstrohflächen im Kälberstall und in der Abkalbebox regelmässig zu misten und in den Sommermonaten keine grosse Mistmatratze im Stall zu haben. Viel Mist produziert viel Wärme, was bei den Tieren zusätzlichen Hitzestress auslöst – häufig auch ein Grund, warum die Tiere bei hohen Temperaturen im Stall herumstehen.

Durch diese Massnahmen zeigen sowohl Kühe als auch die Beefs in den Sommermonaten eine gute Leistungsfähigkeit.

Zum Autor

Reto Spörri ist Leiter Bildung Landwirtschaft und Mutterkuhspezialist am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG.