In vielen Pferdeställen stehen Pferde mit Equinem Asthma, die besondere Ansprüche an die Haltung und Fütterung stellen. Eine wichtige Rolle im Management eines Asthmatikers spielt das Raufutter. Es sollte möglichst staubfrei sein und einen geringen Besatz an Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen aufweisen. Um dem gerecht zu werden, gibt es verschiedene Optionen: Heulage, Heu bedampfen oder Heu wässern.
Keine selbstgebastelten Geräte einsetzen
Auch wenn ich persönlich die Umstellung auf Heulage favorisieren würde, fällt die Wahl in vielen Ställen auf das Bedampfen. Für den gewünschten Effekt und zur Vermeidung von Mangelerscheinungen müssen verschiedene Punkte beachtet werden. Zur Hygienesteigerung muss das Futter eine Kerntemperatur von 80 bis 100 °C erreichen. Je nach Gerät, Umgebungstemperatur und Füllmenge dauert dies rund 50 bis 90 Minuten. Mit einem Thermometer, das die Temperatur in der Mitte des Futters misst, kann dies überprüft werden.
Geeignete Heubedampfungsgeräte haben einen professionellen Stromanschluss und verfügen über einen Wasseranschluss mit Trinkwasserqualität. Von Geräten der Marke Eigenbau ist aus Sicherheitsgründen dringend abzuraten.
Proteinverlust in der Fütterung berücksichtigen
Neben der erwünschten Staubbindung und Hygienesteigerung gehen durch das Bedampfen etwa 50 % des dünndarmverdaulichen Rohproteins (dvRP) verloren. Um einen Proteinmangel zu verhindern, muss dieser Verlust in der Fütterung berücksichtigt werden.
Der Verlust von Mineralstoffen und Vitaminen ist wissenschaftlich umstritten. Deshalb empfehle ich die Deckung des Bedarfs über ein vitaminisiertes Mineralfutter. Nur eine Heuanalyse zeigt eindeutig auf, was im Heu drin ist und wie es um die mikrobiologische Qualität steht. Die Heuanalyse sollte stets vom unbedampften Heu gemacht werden. Halbiert man das dvRP, so hat man den ungefähren dvRP-Gehalt des bedampften Futters. Werden die Grenzwerte für Schimmelpilze oder aerobe Keime überschritten, ist es nicht zur Verfütterung geeignet. Auch Bedampfen ist dann keine Option.
Nur mit einer Rationenberechnung auf Basis der Heuanalyse kann festgestellt werden, wie viel Protein in der bedampften Heuration fehlt und wie dieses ergänzt werden kann. Gleiches gilt auch für die Energie- sowie Mineralstoff- und Vitaminversorgung. Eine korrekte Rationenberechnung ermöglicht eine bedarfsgerechte Fütterung ohne kritische Unter- oder Überversorgungen. Das sollte kein Luxus sein, sondern Alltag – egal, ob bedampft wird oder nicht.
Zur Autorin
Luisa Achermann ist Lehrerin und Beraterin Tierhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG.