Plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit, ein geschwollener Kronsaum, Wärme sowie eine gerötete und gespannte Haut zwischen den Klauen sind typische Anzeichen für die bakterielle Entzündung. Bei Milchkühen nimmt zudem die Fresslust deutlich ab, was sich direkt auf die Milchleistung auswirkt.
Dieses Krankheitsbild tritt sowohl in regnerischen als auch in trockenen Alpsaisons häufig auf. Trockenheit begünstigt rissige Haut, während Nässe zu einem Aufweichen führt. Das sogenannte «Grippeli» oder Panaritium ist eine weitverbreitete bakterielle Erkrankung, die vielen Alphirten Sorgen bereitet – auch wenn Tiere in der Regel nur einmal im Leben betroffen sind.
Antibiotika und Schmerzmittel helfen
Mit einer raschen Behandlung lässt sich die Erkrankung in der Regel gut in den Griff bekommen. Verschleppte «Grippeli» können schwere Komplikationen verursachen (z. B. Gelenkentzündungen).
Betroffene Tiere werden in Absprache mit der Tierarztpraxis mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt. Dabei ist es wichtig, das erkrankte Tier nicht allein im Stall zu lassen. Ein zweites Tier sollte stets dabei sein, um Stress zu reduzieren.
Die Antibiotika werden in der Regel per Injektion in den Muskel verabreicht. Am wenigsten Stress entsteht, wenn die Einstichstelle zuvor mit einigen leichten Klapsen vorbereitet wird. Dadurch erschrickt das Tier beim Einstich deutlich weniger.
Erreger kommen natürlicherweise in der Umwelt vor
Die Erreger, die ein Panaritium auslösen, kommen natürlicherweise in der Umwelt, auf der Haut von Rindern oder im Verdauungstrakt vor. Besonders in feuchten und morastigen Bereichen, die häufig von Rindern begangen werden, können sie sich stark vermehren. Durch kleinste Verletzungen im Klauenbereich dringen die Bakterien in den Körper ein und verursachen die typischen Entzündungen.
Morastige Stellen trockenlegen
Zur Vorbeugung können verschiedene Massnahmen ergriffen werden. Morastige Stellen rund um den Stall sollten durch Drainagen trockengelegt und mit geeigneten Bodenbefestigungen saniert werden. Häufig genutzte Wege sowie Bereiche um Tränken oder Salzleckstellen sind regelmässig zu kontrollieren und zu verbessern.
Grobe Steine und Äste sollten entfernt werden, um Klauenverletzungen zu vermeiden. Engstellen auf Treibwegen («Nadelöhre») sollten verbreitert oder durch alternative Wege ersetzt werden.
Auch das Einrichten einer sogenannten Krankenweide, auf der behandlungsbedürftige (an Panaritium erkrankte Tiere bleiben im Stall) oder brünstige Tiere separat gehalten werden können, trägt zur Risikominimierung bei. Nicht zuletzt ist die funktionelle Klauenpflege von grosser Bedeutung, damit das Tier korrekt steht und sich der Klauenspalt besser selbst reinigen kann.