Eine kurze Antwort: Ja! 

Zunächst mal gilt, dass Milch hochverdaulich ist. Ein gesundes Kalb setzt deshalb nur sehr wenig Kot ab. Bei wässrigem Durchfall vervielfacht sich dagegen das Kotvolumen auf bis zu 10 Liter in 24 Stunden. Deshalb ist es bei Auftreten von Durchfall wichtig, möglichst früh einzugreifen. Ist das Kalb noch fit und trinkt, kann die Verabreichung von Diättränken den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten ausgleichen. Zusätzliche Puffersubstanzen in der Diättränke mildern die durch den Durchfall verursachte Übersäuerung der Kälber. Komplexe Diättränken enthalten zusätzlich Substanzen, die die Regeneration der Darmschleimhaut fördern und die Dauer des Durchfalls verkürzen.

Milch liefert die Energie

Wenn man zusätzlich weiter Milch vertränkt, tut man dem Kalb etwas Gutes – denn Milch liefert Energie, die einer reinen Elektrolyttränke fehlt. Milch hat eine optimale Zusammensetzung für die Verdauung und es kommt zu einem geringeren Gewichtsverlust bei Durchfallerkrankungen.

Insbesondere bei Kryptosporidien und Virusinfektionen bei Kälbern im Alter von 1 bis 3 Wochen ist die Aufnahmefähigkeit des Dünndarms durch die Infektion vermindert. Bei der Verabreichung von grossen Milchmengen kommt es dadurch zu einer mikrobiellen Fermentation im Dickdarm und so zu einer Übersäuerung der Tiere. In diesem Fall kann es allenfalls sinnvoll sein, den Kälbern in den ersten 12 Stunden der Durchfallerkrankung keine Milch, sondern nur eine Ersatztränke zu geben.

Mehrmals Milch und ergänzt mit Diättränke

Grundsätzlich sollen bei Durchfallerkrankungen möglichst mehrere kleine Mengen Milch abwechselnd mit Diättränke über den Tag verteilt angeboten werden. Zwischen der Milchmahlzeit und der Elektrolyttränke sollten mindestens 2 Stunden liegen, damit die Verdauung der Milch nicht gestört wird. Über den Tag können so dem Kalb bis zu 6 Liter Elektrolyttränke zusätzlich zur Milch vertränkt werden. Wichtig ist es bei Diättränken, tatsächlich die vom Hersteller angegebene Menge in Wasser aufzulösen. Wird versehentlich überdosiert, kann es leicht zu einer fatalen Kochsalzvergiftung der Kälber kommen. Auch muss darauf geachtet werden, dass gerade auch die durchfallkranken Tiere stets freien Zugang zu Wasser haben. Eine zusätzliche antibiotische Behandlung der Kälber ist bei schwerkranken, festliegenden Kälbern geboten. Vor allem, wenn die Darmschleimhaut defekt ist. Dies ist immer der Fall, wenn sich Fibrin (gelbliche Flocken) oder Blut im Kot befinden und somit die Gefahr einer Blutvergiftung besteht.

Die wichtigste Therapie des Kälberdurchfalls ist die Vorbeugung. Insbesondere die Kolostrumversorgung spielt eine zentrale Rolle, aber auch hygienische Haltungsbedingungen, das intensive Tränken mit ausreichend Milch und die Spurenelementversorgung. Frohwüchsige, lebhafte Kälber sind dann der Lohn.