Seuchenfall Wegen Lumpy-Skin-Disease: Schweizer Rinder dürfen 2026 nicht nach Frankreich Dienstag, 17. Februar 2026 Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat entschieden: keine Schweizer Tiere auf Frankreichs Berge. Wer diesen Entscheid als übertrieben bezeichnet, hat die Lage nicht erkannt. Frankreich kämpft seit Ende Juni 2025 mit Ausbrüchen von Lumpy-Skin-Disease (LSD) in mehreren Départements unmittelbar an der Schweizer Grenze. Trotz massiver Gegenmassnahmen – Keulung ganzer Herden, strikte Transportverbote, grossflächige Impfkampagnen – ist die Seuche nicht eingedämmt. Unser Nachbarland rechnet für diesen Frühling mit neuen Fällen. Die Hoffnung, die Krankheit über den Winter ausmerzen zu können, hat sich nicht erfüllt. Die Entwarnung war trügerisch. Unter diesen Bedingungen ist ein Sömmerungsverbot keine Überreaktion. Es ist das Minimum dessen, was die Situation verlangt. Die Branche trägt den Entscheid mit. Das ist gut. Aber ihr Mittragen allein reicht nicht.

Was auf dem Spiel steht, übersteigt die Einschränkungen für 260 Betriebe bei Weitem. Die Schweiz exportierte 2024 rund 79 268 Tonnen Käse. 40 Prozent der gesamten Käseproduktion gehen ins Ausland, 80 Prozent davon in die EU. Le Gruyère AOP, Emmentaler AOP, Appenzeller, Raclette, Tête de Moine AOP, Sbrinz AOP – alle aus nicht pasteurisierter Milch, alle auf einen Schlag gefährdet, sobald die Schweiz den Status «frei von Lumpy Skin Disease» verliert. Wenn diese Exporte stoppen, ist die Überproduktion nicht mehr zu beherrschen.

Der Milchpreiseinbruch trifft nicht nur die 260 Betriebe mit dem Sömmerungsverbot. Er trifft jeden Milchproduzenten in der Schweiz. Jeden. Dazu kommen weitere Exporteinschränkungen, zum Beispiel für Rindergenetik. Märkte, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, sind innert Stunden weg. Und nicht zu vergessen: Bereits die blosse geografische Nähe der Schweiz zu betroffenen Ländern hat Handelsrestriktionen ausgelöst, ohne dass ein einziger Fall auf Schweizer Boden aufgetreten ist. Was ein einziger Fall auslösen würde, ist in seiner Dimension kaum zu beziffern.

Es gibt nur einen einzigen Weg: Es darf nie einen Fall in der Schweiz geben.

BVD zeigt, was passiert, wenn der Druck nachlässt

Genau deshalb ergibt es jetzt Sinn, wieder einmal auf die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) zu schauen. Nicht weil BVD mit LSD vergleichbar wäre. Das ist sie nicht. In keiner Weise. Aber sie zeigt das Muster, wie eine Branche mit Seuchenbekämpfung umgeht, wenn der Druck nachlässt und wenn einzelne das Kollektiv für ihren eigenen Vorteil in Haftung nehmen. BVD hätte früher ausgerottet sein können. Sie hat sich standhaft gehalten, weil es in einzelnen Kantonen seltsame Blüten hervorgebracht hat. Betriebe mit mehreren TVD-Nummern ermöglichten das Verstellen von Tieren. Dokumentation und Realität klafften auseinander. Ausstellungen wurden wichtiger als die Tiergesundheit. Den Schaden trugen nicht nur diejenigen, die gemauschelt hatten. Den Schaden trugen viele andere mit. Auch solche, die sich korrekt verhalten hatten und trotzdem die Konsequenzen mittragen mussten.

Wenn alle mitmachen, funktionieren die Massnahmen

Dieses Muster darf sich bei LSD nicht wiederholen. Die Krankheit ist in der Bekämpfung kompromisslos: Die Massnahmen funktionieren, wenn alle mitmachen. Frankreich hat gezeigt, was passiert, wenn das nicht der Fall ist. Die Schweiz muss diese Lektion verstehen, bevor sie sie am eigenen Leib erfahren muss.

Jede Person, die Rinder in der Schweiz bewegt, muss die Begleitdokumente sorgfältig prüfen. Stimmt, was draufsteht? Es gibt bei dieser Seuche kein Mauscheln, kein Kleinreden, kein Verschieben. Die Schweiz hat im Sommer 2025 schnell und richtig reagiert und ist LSD-frei geblieben. Dieser Status ist das Fundament von allem, was die Schweizer Landwirtschaft auf dem Weltmarkt bedeutet.

Ernst Wandfluh, Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes, hat die Frage gestellt, die sich jetzt jeder stellen muss: «Wenn wir einen Fall haben mit einem Tier, das nachweislich in Frankreich war – was sagen wir dann?» Die Antwort darauf wäre die teuerste in der Geschichte der Schweizer Landwirtschaft.