«Wie lange halten sie noch durch?», fragt Matteo Aepli. Damit spricht der Geschäftsführer der Suisag die Belastung der Veterinärämter in Deutschland an. Auch wenn es medial um die Afrikanische Schweinepest (ASP) hierzulande etwas ruhiger geworden ist – dort, wo die Krankheit wütet, stehen Behörden und Tierhalter in Achtungstellung.

Deutschland unter Kontrolle

AboASP-Ausbrüche bei Wildschweinen beschäftigen die Schweinehalter im Osten von Deutschland.SchweineDas Leben zwischen zwei ASP-SperrgebietenMittwoch, 1. Juni 2022 Noch hält sich die Krankheit im nördlichen Nachbarland mehrheitlich im Wildtierbestand. Es gäbe zwar praktisch laufend neue Fälle bei Wildschweinen, jedoch alle innerhalb der bisherigen ausgewiesenen Sperrzonen entlang der Oder in Brandenburg und Sachsen, weiss Aepli, der die Lage bereits vor Ort gesehen hat. Die Frage nach dem Durchhalten stelle sich insbesondere im Zusammenhang mit dem Personal. Aktuell lasse sich aber sagen: Die Situation in Deutschland ist mit grossem Aufwand zurzeit unter Kontrolle. Der Blick nach Süden bereitet Matteo Aepli deutlich mehr Stirnfalten. «Die Situation in Italien ist besorgniserregend», sagt er. So gebe es alleine im Juni insgesamt 102 Wildschweinfunde und zwei betroffene Hausschweine-Bestände. «Die Präventionsmassnahmen scheinen ungenügend zu sein», bilanziert er.

Gefahr aus dem Osten

Ein weiteres Gebiet, das einen riesigen Gefahrenherd darstellt ist Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Dort gibt es aktuell einen massiven Erstausbruch. «Dies stellt ein Risiko für ganz Europa dar», weiss der Suisag-Geschäftsführer. Vermutlich werde es den dortigen Behörden nicht gelingen, ASP so rasch zu eliminieren wie in Tschechien. Den Reiseverkehr über die Sommerferien stuft Matteo Aepli als zusätzliches Risiko ein. Dabei gehe es um den Faktor Mensch in Kombination mit den Reiseaktivitäten besonders im Juli. So verzeichne Deutschland prompt im Juli den grössten Anteil an ASP-Fällen bei Hausschweinen in den letzten Jahren. Die nächsten Wochen würden zeigen, was der Ferienverkehr dieses Jahr konkret für die ASP bedeutet.

«Dies stellt ein Risiko für ganz Europa dar.»

Matteo Aepli, Geschäftsführer Suisag

Beim Bundesamt für Veterinärwesen (BLV) stuft man das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest in der Schweiz auftreten kann, als mittel ein. Es sei erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt. Jede Schweinehaltung könne sich mit geeigneten Biosicherheitsmassnahmen vor dem Virus schützen, die Informationen stünden in Merkblättern zur Verfügung, heisst es beim BLV.

Erntehelfer(innen) als Risiko 

Gefragt danach, wie gross der Bund die Gefahr eingestuft, dass ASP mit Lebensmittelresten nach den Ferien aus betroffenen Gebieten in die Schweiz gelangt, sagt Mediensprecherin Sarah Camenisch: «Wir erachten dies als realistisch.» Ein Risiko würden vor allem aber auch die ausländischen Erntehelferinnen und -helfer darstellen, die jeweils in die Schweiz einreisen. Deshalb habe das BLV im Frühjahr verschiedene Sensibilisierungsmassnahmen bei Landwirtinnen und Erntehelfenden umgesetzt. «So haben wir die Schweineproduzenten via Bauernverband über das Einschleppungsrisiko aufgeklärt», erklärt Camenisch.

Dazu gebe es einen Flyer mit den wichtigsten Verhaltensregeln. Diesen konnten die Produzenten an ihre Erntehelfenden abgeben. Weiter hat das BLV auf Social Media auf das Einschleppungsrisiko aufmerksam gemacht. Dies direkt in häufigen Herkunftsländern von Erntehelfern, zum Beispiel in Polen oder Bulgarien.