Im beschaulichem Weiler Werd AG lebt Familie Grod. Sie betreiben in zweiter Generation Geflügelfleischproduktion. Die Milchviehhaltung hat der 50-jährige Betriebsleiter Hanspeter vor 9 Jahren an den Nagel gehängt und stattdessen all sein Geld in die Expansion seiner Pouletmast gesteckt. Die Nachfrage nach Geflügelfleisch ist gross. «1989 besassen wir schon 4200 Masthühner und haben die Mast 2014 mit knapp 17'000 weiteren Mastpoulets mit einem zusätzlichen, grösseren Stall ausgebaut. Wenn ich zurückschaue, war das die richtige Entscheidung», resümiert er.

Doch die Massentierhaltungs-Initiative (MTI) macht dem Landwirt Sorgen: «Die Initianten der MTI sind der Meinung, dass die konventionelle Pouletproduktion in der Schweiz Stress bei den Tieren auslöse. Sieht es danach aus, als hätten meine Tiere Stress?», beschwert sich Hanspeter Grod und deutet auf seine Mastküken, die erst kürzlich eingestallt wurden.

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Der 1222 m2 grosse Stallneubau bietet für die wenige Tage alten und 40 g leichten Küken noch reichlich Platz. Die maximale Besatzdichte von 30 kg pro Quadratmeter (EU: 42 kg/m2) würde auch später mit 2 kg je Poulet nicht überschritten werden, so Grod. Mit dem Tierwohlprogramm BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) biete der Landwirt zusätzlichen Komfort: Die Tiere erhalten Sitzgelegenheiten, Einstreu auf dem Boden, frische Luftzufuhr und Tageslicht sowie Zugang zu einem geschützten Aussenklimabereich mit einer zusätzlichen Fläche von 20 % der Stallinnenfläche. 

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Die Hygiene ist matchentscheidend für die Entwicklung

Hanspeter Grod steigt in seinen Wagen und fährt in den 700 m von seinem Hof entfernten Stallneubau. Dieser wurde 2014 von der Firma Krieger geplant und errichtet – wegen möglicher Emmissionen ausserhalb des Weilers. «Heute wäre es wohl nicht mehr so einfach mit dem neuen Raumplanungsgesetz», gibt Grod zu denken. Im Stallneubau leben aktuell 16'800 Mastküken, rund 4200 weitere im alten 304 m2 grossen Stall direkt auf dem Hof.

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Die Küken sind beim Besuch der BauernZeitung erst vor ein paar Tagen eingestallt worden, etwa 8 Tage nachdem die letzten Masthühner den Stall verlassen haben. Dazwischen müssen beide Ställe ausgemistet, mit Wasser gereinigt, desinfiziert und aufgeheizt werden. «Das ist matchentscheidend. Die männlichen und weiblichen Eintagsküken kommen frisch von der Brüterei Stöckli aus Ohmstal LU. Ein halbes Grad unter 34,1°C, kann bereits einen grossen Einfluss darauf haben, wie sich die Herde entwickelt», erklärt Grod. 

Der Betriebsleiter hat einen Abnahmevertrag mit der Bell Food Group AG. Diese wickelt die pünktliche Lieferung der Küken ab sowie auch den Transport zum Schlachthof in Zell LU. Abgerechnet wird nach jedem Umtrieb.

Vollautomatische Fütterung für schnelles Wachstum

Auch matchentscheidend sei die Fütterung. In den ersten Tagen werden zusätzlich zu den vollautomatischen Fütterungsschalen (gelb) weitere (rot) ausgelegt, um das Futterangebot zu erhöhen (siehe Bild). Das Starterfutter enthält 200 g Rohprotein, etwas mehr als das spätere Mast- (185 g Rohprotein) und Ausmastfutter (175 g Rohprotein mit mehr Fettanteil). «Das ist wichtig, damit die Kleinen ins Wachstum kommen, sagt Grod. Das Futter bezieht er bei der UFA AG und gibt es den Küken ad libitum (nach Belieben). 

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Besonders tierfreundliche Haltung

Ab dem 10. Lebenstag erhalten die Küken ihre Sitzgelegenheit, «das ist in den Anforderungen für Tierwohlbeiträge (DZV, Anhang 6, Ziffer 7.3) geregelt.» Diese bereits früher in den Stall zu stellen, bringe dagegen nicht viel, da sie noch nicht in der Lage sind, hochzukommen, so Grod. Für das Wohlergehen der Masthühner sorgt auch eine qualitativ gute Einstreu. Grod nutzt Strohpellets aus getrocknetem Weizenstroh und Hobelspäne. Sie fördern das Scharren und Picken sowie die Fussballengesundheit. 

«Unsere Investition von 1,25 Mio. Franken wäre dann hinfällig.»

Hanspeter Grod über die Folgen bei der Annahme der Massentierhaltungs-Initiative.

Darüber hinaus haben bei Grods die Tiere ab dem 21. Lebenstag Zugang zum Aussenklimabereich. «Sie dürfen erst nach der 3. Alterswoche nach draussen. Zuvor wäre das Wärmebedürfnis zu gross und sie bleiben besser im warmen Stall», erklärt der Betriebsleiter. Der Aussenklimabereich ist eine Art Wintergarten, eingestreut, überdacht und durch ein Windschutznetz gegen Wind und Vögel (Vogelgrippe) geschützt. Fällt die Temperatur unter einen bestimmten Wert, werden die Auslaufklappen geschlossen. «Bei hohen Temperaturen lasse ich den Auslaufbereich nachts offen. Denn tagsüber bei grosser Hitze bleiben sie lieber im Stall, als rauszugehen.»

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Gegen die Hitze im Stall helfen Lüftungsklappen, die mit einem Fliegenetz ausgestattet sind, um die Übertragung von beispielsweise Campylobacter durch Fliegen abzuhalten. Die CO2-gesteuerte Ventilation sorgt im Stall für eine gute Luft.

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Biohuhn ist nicht besser als das BTS-Huhn

Im neuen Stall hatten Grods bereits 60 Umtriebe. Pro Umtrieb werden insgesamt 48 bis 50 Tonnen Futter verzehrt, das entspricht 2,9 Kilo pro Huhn. Hanspeter Grod erhält von der Bell die Rasse «Ross 308», die Hauptrasse für das Tierwohlprogramm BTS – ein schnellwachsender Hybrid mit einer breiten hervorstehenden Brust und kräftigen Beinen. 

Welche Rasse er erhalte, könne er nicht beeinflussen. «Ich produziere das, was auf dem Markt nachgefragt ist.» Deshalb könne er auch nicht verstehen, warum man auf die Produzenten mit dem Finger zeigt, aber das Poulet dann trotzdem im Laden kauft. Auf das Biohuhn umzusatteln, wie es die MTI andeutet, bringe seiner Meinung nach nichts: «Das langsam wachsende Biohuhn frisst das 1,5- bis 2-fache des konventionellen BTS-Huhns und ist deshalb keinesfalls nachhaltig. Die Schweizer Schlachtmenge mit dem Biohuhn zu erzielen, heisst zirka 40'000 ha mehr Futtergetreidefläche! – das wissen die Konsumenten offenbar noch zu wenig», betont er. Beim Futterverbrauch sei das BTS-Huhn das nachhaltigste Huhn. «Und über alle Nutztiere betrachtet, ist das Huhn mit Abstand das nachhaltigste aller Gattungen, nur der Fisch ist noch sparsamer mit Futterverbrauch pro kg Zuwachs», fügt er an.

Keine vorschnelle Medikamentation

Während der Mast geht Grod mehrmals täglich durch den Stall. «Ich scheuche die Tiere auf, zum einen, damit sie in den Gang kommen und zum anderen, um zu überprüfe, ob es kränkliche oder tote Tiere gibt. Diese werden gleich aus der Herde genommen und später der Tierkadaversammelstelle übergeben.» Der Produzent müsse in jedem Umtrieb mit ungefähr 2–3 Prozent Verlust rechnen, bis alles rund läuft. «Wenn ich sehe, dass etwas nicht gut ist, es zu viele Abgänge hat, sie nicht fressen oder zu wenig trinken, dann wird zuerst der Beratungsdienst der Bell angerufen.» 

Tote Tier würden abgeholt, durch den Tierarzt überprüft, gegebenenfalls seziert und erst dann entschieden, ob eine Medikamentation nötig ist. Sei es so, würden alle Tiere über die Tränke behandelt. «Denn wenn ein Küken krank ist, verteilt sich die Krankheit schnell im Stall.» 

Betriebsspiegel 
Name: Hanspeter und Carla Grod mit zwei Söhnen undeiner Tochter
Ort: Werd AG (eingemeindet zu Rottenschwil)
LN: 27 ha, davon 3,31 ha Raps (Abtausch), 3,23 ha Weizen, 4,9 ha Mais, 8,4 ha Kunstwiese (Abtausch), 1,2 ha Wiesen/Weiden (Verkauf von Heu), 5,6 ha Ökofläche
Viehbestand: Ø 21'000 Masthühner – Mist wird für Acker und Kunstwiese mit Waschwasser verdünnt und verteilt, ein Teil davon geht an den Nachbarbetrieb
Abnehmer: Bell Food Group AG

Je schwerer, desto weniger Küken im Stall

Generell übernehmen Grod und seine Frau Carla das Einstallen sowie die täglichen Stallarbeiten alleine. Erst beim Ausstallen nach 36 Tagen werden zusätzlich um die 18 Personen benötigt. Vier Sattelschlepper warten mit 1200 leeren Kisten, die mit je 13–14 Hühnern befüllt werden müssen. Auch hier werde das Tierschutzgesetz eingehalten mit 30 kg/m2. Es sei denn, sie sind schwerer, dann gilt wie beim Einstallen: je schwerer, desto weniger Tiere pro Quadratmeter. Bis alle Hühner verladen und die Halle leer ist, dauert es zirka zwei Stunden.

Im Ernstfall nicht zurück zum Milchvieh

Was würde es für die Grods bedeuten, wenn die Initiative angenommen würde? «Wir müssten nach dem Biostandard produzieren. Das bedeutet, dass wir pro Umtrieb nur noch wenige Tiere einstallen könnten und davon abgesehen nicht über das nötige Weideland beim Stall verfügen. Der neue Stall und damit die Investitionskosten von 1,25 Millionen Franken wären damit hinfällig. Die Frage ist dann, was mache ich mit dem Stall? Ein Umnutzungsgesuch zu erhalten, wäre schwierig. Ich müsste den Stall zurückbauen.» Die Mastproduktion würde Hanspeter Grod aufgeben, wahrscheinlich auch die Landwirtschaft. Denn zum Milchvieh möchte er nicht wieder zurückkehren. «Das hat nichts mit den Tieren zu tun, sondern eher mit den Bedingungen.»

Grössere Ställe wegen grösserem Lebensmittelverbrauch

Die grösseren Ställe in der heutigen Zeit hätten mit der massiv höheren Einwohnerzahl in der Schweiz zu tun und damit, dass mehr Lebensmittel gebraucht werden. «Die neuen Ställe sind voluminöser gebaut, haben mehr Tageslicht und Luft. Die Anforderungen an die Grösse des Aussenklimabereichs und Anzahl Tiere im Stall sind klar geregelt. Den Tieren geht es also sehr gut und sie können optimal betreut werden», so Hanspeter Grod.