Nach den Analysen des Eier- und Geflügelmarktes und des Fleischmarkts widmet sich der Schweizer Tierschutz STS dem Milchmarkt. Auch hier wurden die Margen der Detailhändler und Discounter geschätzt und für konventionelle sowie Label- und Biomilch verglichen. Das Resultat ähnelt stark jenen der letzten Analysen: die Preisdifferenzen sind zu gross, als dass der Label- und Bioanteil weiter steigen könnte.

Künstlich tief gehaltene Preise

Das Standardmilchsegment zeichnet sich gemäss STS durch einen «ruinösen Preiskampf» aus. So würden mit tiefen Preisen Kundinnen und Kunden in die Läden gelockt, was dem Absatz der dadurch deutlich teureren Milch und Milchprodukte mit Bio-Zertifizierung oder Label schade. 

Teuer macht letzteres Sortiment nicht in erster Linie der Mehrwert, der Produzenten für ihre zusätzlichen Aufwände im Bereich Tierwohl und Nachhaltigkeit ausbezahlt wird, sondern die hohe Marge von Detailhändlern und vor allem Discountern. Der STS schätzt, dass die Bruttomarge des Detailhandels z. B. bei Joghurt nature im Standardsegment durchschnittlich bei 40 Prozent liegt, während sie bei Bio-Joghurt mit 82 Prozent zu Buche schlägt. Je nach Produkt sind die Unterschiede grösser oder kleiner. So betrage die geschätzte durchschnittliche Margendifferenz im Fall von Butter nur ein bis drei Prozent. 

Preiskampf mit Margen querfinanziert?

Angesichts der generell hohen Bruttomargen stellt sich der STS die Frage, ob über die hohen Label- und Biopreise die billigen Standardprodukte querfinanziert werden. «Wäre dies der Fall, dann ist zu bedenken, dass der wertvolle Rohstoff Biomilch teilweise deklassiert werden muss (auf Kosten der Produzenten) und es deshalb doppelt problematisch wäre, wenn Labelprodukte die Vermarktungskosten im Tiefpreissegment mitfinanzieren müssten», schreibt der STS. 

Die ganze Analyse finden Sie hier. 

 

«Schluss mit Dumpingpreisen»

Die Politik der tiefen Preise laufe letztlich zum Nachteil der Tiere, so der Schweizer Tierschutz STS. Um den Preiskampf zu beenden, stellt er folgende Forderungen: 

  • Der Detailhandel soll die Preisdifferenz reduzieren. Dazu schlägt der STS vor, die Ladenpreise mit maximalen Bandbreiten an den Produzentenpreisen anzurichten. 
  • Label- und Bioproduzenten sollen so proportional an der Wertschöpfung teilhaben können. 
  • Klare Signale vom Staat für mehr Tierwohl und lenkende Eingriffe in den Markt, um Kostenwahrheit zu schaffen.
  • Konsumentinnen und Konsumenten sollen Verantwortung übernehmen und tiergerecht hergestellte Produkte bevorzugen. 

Faire Marktbedingungen seien die einzige Möglichkeit, um Bio- und Labelprodukte aus der Nische zu holen. Schliesslich würden in der Schweiz heute deutlich mehr Milchkühe tierfreundlich gehalten,  als die 15 Prozent Marktanteil dieses Segments, gibt der STS zu bedenken.