Die Beschattung der Aussenbereiche von Ställen ist besonders bei der Schweinehaltung bekannt - und vor allem wegen der erhöhten Sonnenbrandgefahr wichtig. Dieser Punkt ist auch tierschutzrelevant. Aufgrund der steigenden Intensität der Sommer rückt das Thema Beschattung von Laufhöfen vermehrt auch unter Rinderhaltern ins Zentrum. 

Für die Bewältigung der warmen Monate im Stall setzen sie bisher beispielsweise auf die Berieselung oder auf Hoch- oder Tiefdruckvernebelungsanlagen. Die Tropfen, die über die Nebeldüsen versprüht werden, verdunsten und kühlen die Luft, was die Körpertemperatur der Tiere reduziert und dadurch ihr Wohlbefinden erhöht.

Wie aber ermöglicht man eine effektive Abkühlung in Laufhöfen, die nicht überdacht sind und in denen sich eine Montage einer Berieselungs- oder Vernebelungsanlage als schwierig gestaltet?

Beschattungen sind schwieriger zu installieren

Tatsächlich ist dies nicht ganz einfach, wie beispielsweise Michael Zwimpfer vom Netzteam in Oberkirch (LU) erklärt. Da jeder Stall anders ist, gibt es auch keine Standardlösung. «Die Schwierigkeit besteht meistens in der Zugänglichkeit und Höhe, da die Netze nicht schneetauglich sind und im Herbst wieder entfernt werden müssen», so Zwimpfer. 

Auch Cyrill Chappuis, Bereichsleiter Stallbau bei Huber Kontech in Buttisholz (LU), ist überzeugt: Eine Beschattung ist immer aufwändiger und schwieriger zu installieren als eine Berieselung oder Vernebelung. Beschattungsnetze sind vor allem in Aussenbereichen von Schweineställen vorzufinden.

Angriffsfläche minimieren

Ziele eines neuen Beschattungssystems sollten eine grösstmögliche Wirkung und eine lange Lebensdauer sein. Dies erfordert eine seriöse Planung und Fachwissen bei der Montage. Cyrill Chappuis erklärt: Beschattungsnetze sollten möglichst gleichmässig und straff montiert werden, damit keine Wannen zur Ansammlung von Niederschlag oder unnötige Angriffsflächen für starke Winde entstehen können. Denn dies sind die zwei Hauptursachen für Schäden an den sonst sehr robusten Netzen.

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Gleichmässiger Zug auf der ganzen Netzbreite

Besonders straff lassen sich die Beschattungsnetze montieren, wenn sie mit einem Hohlsaum versehen sind, in welchem ein Metallrohr eingezogen wird. Dieses Metallrohr kann dann mit Hilfe von Spannsets zum Beispiel an einer Fassade befestigt werden und sorgt für gleichmässigen Zug auf der ganzen Netzbreite. 

Wichtig ist dabei, dass die Spannsets mit Chromstahl-Ratschen ausgestattet sind. Klassische Ratschen aus einer Zink-Kupfer-Legierung, die man an der gelblichen Farbe erkennt, können im ammoniakreichen Klima über dem Auslauf anrosten und verklemmen, was das jährliche Demontieren im Herbst erschwert, so der Fachmann.

Die korrekte Montage ist zentral

Insbesondere bei nach Südwesten ausgerichteten Ausläufen kann es Sinn machen, die Beschattungsnetze waagrecht über den Tieren und zusätzlich am Ende des Auslaufes auch vertikal einzuplanen. So schützen sie die Tiere auch bei flacher Sonneneinstrahlung. Dafür wird über der Auslaufumrandung ein Rundrohr installiert, und das Beschattungsnetz wird dann über dieses Rohr darüber hinabgezogen. 

Dabei ist an der Stelle, an der das Netz auf dem Rohr liegt, eine verstärkende Schicht einzuplanen, damit die bei Wind entstehende Reibung keinen Schaden am Netz anrichtet. Diese Art der Installation bietet zudem besseren Schutz vor Wind und anderen Wettereinflüssen und sorgt auch für leicht reduzierte Ammoniak- und Geruchsemissionen.

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PVC-beschichtet und UV-beständig

Beim Kauf von Beschattungsnetzen ist laut Cyrill Chappuis darauf zu achten, dass die aus einem Polyestergewebe gefertigten Netze eine Polyvinylchlorid (PVC)-Beschichtung aufweisen. Die Beschichtung ist UV-stabil und schützt das Netz damit vor der Strahlung, die vielen Kunststoffen arg zusetzt.

Beschattung erfüllt viele Zwecke

Im Schweinestall hat sich der Einsatz von Beschattungsnetzen verbreitet. So dämmen sie auch Geruchsemissionen ein.

Ebenfalls temperatursenkend und emissionsmindernd wirken die oben erwähnten Hoch- oder Niederdruckanlagen, die oftmals in Rindviehställen eingesetzt werden. Bei Niederdruckanlagen wird das Wasser mit einem Druck von mindestens 4 bar durch die Düsen mit einem Wasserverbrauch von 7 l/h vernebelt. Der Wassernebel sinkt ab und kühlt die Luft um bis zu 5°C herunter. In Aussenbereichen von Schweineställen können Niederdruck-Vernebelungsanlagen zudem die Staubbelastung eindämmen oder die lokale Geruchsbindung fördern.

Hochdruckanlage: Teurer, aber wirksamer

Bei den teureren, aber meist wirksameren Hochdruckanlagen werden Mikrotröpfchen mit einem Druck von 70 bar in Kombination mit Lüftern in die Luft geblasen. Ziel dabei ist es in erster Linie, die Luft zu kühlen, nicht das Tier direkt. 

Sie verdunsten und das Wasser entzieht der Umgebungsluft die Energie. So kann sich die Luft um bis zu 12°C abkühlen. Hochdruckanlagen weisen im Vergleich zu einer Niederdruckanlage einen geringeren Wasserverbrauch auf, sind jedoch störungsanfälliger und erfordern regelmässige Wartung.

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Feuchte Luft muss aus dem Stall raus

Ein Merkblatt des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg beschreibt jedoch diejenigen Punkte, die beim Einsatz einer Vernebelungsanlage zu beachten sind. So steigt die relative Luftfeuchtigkeit in einem Hoch- oder Tiefdrucksystem an, sodass die feuchte Luft zwingend aus dem Stall abgeführt werden muss. 

Zudem braucht eine Vernebelungsanlage in einem überdachten Bereich eine gute Luftzirkulation. Wenn diese nicht gegeben ist, muss eine künstlich angebrachte Lüftung integriert werden.

Gefahr des Keimdrucks sinkt, wenn die Luft zirkuliert

Diese gute Luftzirkulation erreicht man mit einem Ventilator oder einer offenen Bauweise. Wird die feuchtwarme Luft nicht abgeführt, besteht die Gefahr, dass der Keimdruck im Stall unkontrolliert zunimmt. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte dabei idealerweise unter 60 Prozent liegen. Alternativ verhindert ein Feuchtsensor die Überfeuchtung im Abteil.

Generell raten Fachpersonen von der Marke Eigenbau ab. Eine automatische Messung von Luftfeuchtigkeit und Temperatur lohne sich und sei durch Spezialisten zu montieren. Die Vernebelungsanlage sollte von einem Dienstleister für Stallbautechnik installiert werden und am besten im gesamten Stall

«Wenn nur am Fressplatz für ein gutes Klima gesorgt wird, bleibt die Kuh ganz klar dort stehen. Sie legt sich nicht mehr im Liegebereich hin, wo sie dann die Milch produziert», so Christian Schüpbach von der Buri AG.

Je kleiner das Luftvolumen, desto mehr Luftumwälzung ist benötigt

Die Vernebelungslösung ist laut Christian Schüpbach für jeden Stall geeignet – auch in Fressachsen. In Ställen mit kleiner Raumhöhe rät er zusätzlich, einen Lüfter zur Luftumwälzung anzubringen. Dazu sagt Schüpbach: «Je kleiner das Luftvolumen, desto mehr Luftumwälzung benötige der Stall, damit eine hohe Verdunstungsrate erfolgt.»

Vernebelungsanlagen können nicht nur in Schweine- und Kuhställen installiert werden. «Wir haben auch mit Geflügelställen gute Erfahrungen gemacht», sagt Schüpbach. Bei Mutterkühen und Kleinwiederkäuern ist der Einsatz ebenfalls möglich.

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Messung der Luftfeuchtigkeit ist zentral

Die Berieselungsanlage funktioniert etwas anders als die Vernebelungsanlage: Hier sammeln sich gröbere Wassertropfen auf der Felloberfläche und nässen diese. Die Verdunstung auf dem Tierkörper begünstigt dann die Abkühlung. 

Wichtig ist aber auch hier die Messung der Luftfeuchtigkeit im Stall. Bei einer unsachgemässen Vernebelung oder Berieselung warnen Fachpersonen vor weiterführenden Problemen wie beispielsweise nassem Futter oder nassen Liegeflächen.

Sonnensegel über dem Laufhof?

Einige Anbieter bieten PVC-beschichtete, wasserdichte und UV-beständige Sonnensegel an, die durchaus auch im landwirtschaftlichen Kontext genutzt werden. Das bestätigt ein Berater der Firma Sonnensegel Vetsch in Winterthur (ZH). 

Die Firma erhält zahlreiche Anfragen dafür – auch von Landwirtschaftsbetrieben. Weil sich die Firma aber eher in der Privatwirtschaft bewegt und qualitativ «sehr hochwertige Produkte» anbietet, entscheiden sich landwirtschaftliche Interessenten tendenziell für eine günstige Alternative, wie der Berater beobachtet.