Bruno Hurschler bewirtschaftet einen Milchwirtschaftsbetrieb auf dem Menzberg, Gemeinde Willisau LU, in der Bergzone 3. 2020 hat er diesen von seinen Eltern übernommen. Kurz darauf verstarb sein Vater unerwartet. Neue Pläne mussten somit geschmiedet werden für den 12,5 ha grossen Betrieb mit Hanglagen. Gemeinsam mit Ehefrau Karin Buob, die beiden haben 2024 geheiratet und sind seit vergangenem Jahr Eltern, nahm man die Wohnsituation in Angriff. Eine Sanierung des alten Bauernhauses machte keinen Sinn. Dies habe sich rasch herausgestellt, erklärt Hurschler. Die Substanz war mässig, die Raumhöhen nicht gegeben. Der Bedarf bestand für eine Wohnung für die Betriebsleiterfamilie, eine Einliegerwohnung für Bruno Hurschlers Mutter sowie etwas Remisenplatz. Dieser fehlte bis anhin gänzlich auf dem Betrieb.
Ein Teil über zinslose Investitionskredite
Bruno Hurschler übernahm den Betrieb nach seinem 35. Lebensjahr. Somit konnte er keinen Gebrauch machen von der Starthilfe der Landwirtschaftlichen Kreditkasse Kanton Luzern (LK). Zugesprochen an das Bauprojekt wurden von der LK aber 200 000 Franken zinslose einzelbetriebliche Investitionskredite (IK) für Wohngebäude und gut 26 000 Franken zinslose IK für Ökonomiegebäude. Karin Buob arbeitet in einem grösseren Pensum in ihrem angestammten Beruf. Landwirt Bruno Hurschler ist im Schnitt an einem Tag pro Woche ausserhalb des Betriebs aktiv.
Um die Finanzierung sicherzustellen, fehlten unter dem Strich rund 60 000 Franken. Auf Hinweis der Kreditkasse wandten sich Hurschlers an die Berghilfe und an den Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung (SBL). Deren Experten erachteten das Projekt als sinnvoll und tragbar und unterstützten À-fonds-perdu. Der SBL sprach 20 000 Franken.
Geldgeber wollen die Buchhaltung sehen
Das Haus ist nach gut einjähriger Bauphase so gut wie bezugsbereit. «Wir arbeiten an den letzten Details», freut sich Bruno Hurschler. Aufgrund der Steillage wurde das neue Haus am alten Standort gebaut. Die Familie überbrückte die Zeit in einem Wohncontainer. Das Budget wurde eingehalten. Die lange Bauphase ermöglichte einiges an Eigenleistungen. Auch Kollegen hätten mit angepackt, während er von Nachbarn beim Heuen unterstützt wurde. Dass er während der Planungsphase seine Buchhaltung an vielen Stellen offenlegte, störte den Landwirt nicht. Das gehöre bei solchen Projekten dazu.
Generalversammlung Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung
[IMG 2] Die 46. Mitgliederversammlung Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung (SLB) fand Ende April bei Vorstandsmitglied Wendelin Emmenegger in Schüpfheim LU statt. Auf dem Mutterkuh-Betrieb Roorberg warteten auf die Teilnehmenden eine herzliche Begrüssung durch Brigitte und Wendelin Emmenegger, eine schöne Aussicht und ein feiner Imbiss. Präsidentin Hella Schnider begrüsste 20 Mitglieder zur Versammlung. «Die Komplexität der Gesuche nimmt ständig zu, weshalb es Diskussionsbedarf gibt», sagte sie in ihrem Jahresbericht. Darum werden keine Gesuche mehr auf dem Korrespondenzweg «besprochen», sondern in Sitzungen. Damit gehe man zurück zu den Wurzeln. Geschäftsführer Hans Albisser informierte, dass 16 Gesuche bewilligt wurden im vergangenen Jahr. Fünf mussten abgelehnt werden. Die 305 500 Franken gingen an ein Wohngebäude, zehn Ökonomiegebäude, drei an andere Investitionen und zwei an Schuldentilgungen. Knapp 20 000 Franken gab es somit im Schnitt pro bewilligtes Gesuch. Die dem SLB angeschlossene Arbeitsgruppe Berggebiet widmete sich vorrangig politischen Fragestellungen, die die zukünftige Entwicklung des Luzerner Berggebietes betreffen. Zur Sicherstellung der weiterhin engen Anbindung an die nationale Dachorganisation Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet (SAB) wirkt Nationalrat und SAB-Präsident Pius Kaufmann neu als Mitglied in der Arbeitsgruppe mit. Hella Schnider betonte die enge Zusammenarbeit mit der Region Luzern West. Schnider stellte aber einen Mitgliederschwund fest. «Es gilt, weitere Gemeinden aus der Hügelzone und dem Berggebiet als Mitglieder zu gewinnen, um der Bevölkerung den Zugang zu unseren Geldern zu erleichtern.» Pius Kaufmann zeigte anschliessend die komplexen Themen «Ausrichtung der SAB im Kontext des Entlastungspakets 27 und der AP 2030» auf. «Die SAB stellt fest, dass die AP 2030 keine grosse Reform ist», so Kaufmann. Besitzstand und Ausnahmeregeln für die Berglandwirtschaft konnten weitgehend gewahrt werden. Kaufmanns Motion mit der Frage, wie das Einkommen der Berglandwirtschaft durch die Reform verbessert werden könne, sei nach wie vor unklar. Zum Entlastungspaket 27 meinte er: «Statt immer neuer Sparrunden braucht es mehr Mittel für die Landwirtschaft, insbesondere für die Strukturverbesserungsmassnahmen sowie den (Median-)Lohn im Berggebiet.» Dank der Lobby der SAB, die wichtig sei, konnten einige für die Berglandwirtschaft wichtige finanzielle Auswirkungen wie Kürzungen im Regionalverkehr oder Streichung der Landschaftsqualitätsbeiträge verhindert werden. Sein persönliches Fazit: «Die Landwirtschaft braucht stabile Rahmenbedingungen.» Für die Berglandwirtschaft würden die meisten bisherigen Ausnahmeregeln weitergeführt. Eine Mittelverschiebung Berg-Tal finde nicht statt. Die Berglandwirtschaft sei nach wie vor der zentrale Image-Träger für die Landwirtschaft insgesamt und oft auch für den Tourismus. Sie verdiene deshalb auch in Zukunft besondere Beachtung.
Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung
Der Verein bezweckt, die wirtschaftlichen Existenzgrundlagen und die Lebensbedingungen im Berggebiet des Kantons Luzern zu verbessern und die Beziehungen zwischen der Bevölkerung der Berggebiete und der übrigen Bevölkerung zu fördern. Er tut dies insbesondere durch Vermittlung und Leistung von Finanzhilfen für die Bergbevölkerung, Vermittlung von Arbeitseinsätzen in Berggebieten und Mitwirkung bei innovativen Projekten.

