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«Pflopf»: Ein Teil der Technologien ist bereit für die Praxis

Das Ressourcenprojekts «Pflopf» kommt nach sieben Jahren zum Abschluss. Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz.

«Im Fokus stand nicht die Frage ob, sondern wie Pflanzenschutz eingesetzt werden soll», sagte Matthias Müller an der Abschlussveranstaltung des Ressourcenprojekts «Pflopf», die Anfang Mai auf den Betrieben von Thomas Heller und Roman Käser in Birrhard AG stattfand.

Gemeinsam mit den Praxisbetrieben, die Pionierarbeit leisteten, habe man zeigen können, dass eine gezielte, reduzierte und standortangepasste Anwendung von Pflanzenschutzmitteln Wirkung zeige, hielt Matthias Müller, Abteilungsleiter Landwirtschaft Aargau und Präsident Konferenz der Landwirtschaftsämter der Schweiz (Kolas), fest.

Deutliche Reduktionen bei Teilbreitenschaltung und Spot-Spraying

So konnte unter Verwendung von Precision-Farming-Technologien eine Reduktion des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes von mindestens 25 Prozent erreicht werden. Ein Teil der Technologien hat sich dabei als ausgereift erwiesen, ist bei entsprechender Auslastung finanziell selbsttragend und kann daher breit in der Praxis eingesetzt werden.

Besonders deutlich wurden die Reduktionsziele bei der Teilbreitenschaltung (Section Control) sowie beim Spot-Spraying (punktgenaue Ausbringung) im Gemüse erreicht.

Mit Einsatz der Drohne kam es zu weniger Abdrift

Nicht immer war die reine Ersparnis interessant: So etwa habe die Pflanzenschutzapplikation mit Drohnen zwar nicht quantitativ überzeugt, aber dennoch eine positive Wirkung erzielt.

«Es kam zu weniger Abdrift als bei der Applikation mit Helikopter oder Gebläsespritze», sagte Yannik Wagner von der Fachstelle Weinbau beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG.

«Pflopf»: Ein Teil der Technologien ist bereit für die Praxis
Die Verantwortlichen des Ressourcenprojekts «Pflopf» an der Abschlussveranstaltung in Birrhard.

Der Umgang mit den Technologien braucht Erfahrung

Auch Vertreter von «Pflopf»-Teilnehmerbetrieben kamen zur Sprache. So etwa der Lohnunternehmer Thomas Haller, der seit 13 Jahren einen Hackroboter einsetzt. «Man muss zuerst lernen, mit den neuen Technologien umzugehen», so der Aargauer. So spiele beispielsweise auch das Wetter eine Rolle: 2024 war es so nass, dass der Hackroboter aufgrund seines Gewichts nicht zum Einsatz kam.

Das Gerät ist mit Spot-Spraying-Technologie ausgerüstet, die zur Applikation von Fungiziden und Herbiziden für Einzelpflanzen eingesetzt wird. Doch könne man diese nur für eine einzige Kultur nutzen, um zu verhindern, dass sich Rückstände verschiedener Pflanzenschutzmittel vermischten, stellte der Lohnunternehmer fest.

Auch die Lohnunternehmer könnten künftig profitieren

Da manche Technologien, etwa Hackgeräte, mit Sensoren besonders kostenintensiv sind, eignen sie sich hauptsächlich für die überbetriebliche Nutzung. «Daher spielen Lohnunternehmer beim Einsatz von Präzisionstechnik im Pflanzenschutz eine grosse Rolle», sagte Patrick Mouron vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Laut ihm werden sie in einer künftigen Agrarpolitik ebenfalls von Produktionssystembeiträgen profitieren.


«GPS wird sich auch bei Landwirten durchsetzen»

Nachgefragt bei Christian Eggenberger, Betriebsleiter der Swiss Future Farm und Projektvertreter des Kantons Thurgau.

Welcher technologische Wandel hat sich in den letzten rund acht Jahren vollzogen, seit das Ressourcenprojekt «Pflopf» lanciert wurde?

Christian Eggenberger: Seither hat sich viel verbessert und neue Technologien sind dazu gekommen. Beispielsweise im Gemüsebau der Einsatz von Robotern, die punktgenau mithilfe von Lasern jäten. Zu nennen ist auch die Pflanzenerkennungssoftware, die deutlich präziser geworden ist.

Mehrere Anbieter von In-Row-Hacktechnologien sind auf den Markt gekommen. Auch Modelle zur Schädlingsprognose mithilfe von KI sind genauer geworden. Allerdings war es während des Projekts aus finanziellen Gründen nicht möglich, beliebig neue Technologien einzusetzen.[IMG 3]

Wie erleben Sie die Bereitschaft der Landwirte bzw. Lohnunternehmer, in neue Technologien zu investieren?

Während teure Verfahren vor allem überbetrieblich von Lohnunternehmern eingesetzt werden, wird sich wohl GPS auch bei Landwirten durchsetzen. Diese Technologie ist die notwendige Grundlage für die Präzisionslandwirtschaft. Heute sind bereits rund die Hälfte der in der Schweiz neu zugelassenen Traktoren mit GPS ausgerüstet.

«Pflopf» hat Hinweise darauf gegeben, in welchen Bereichen Pflanzenschutzmassnahmen besonders greifen. Wo kann die Swiss Future Farm künftig anknüpfen?

Von Interesse ist für uns etwa die Pflanzenerkennung mittels KI und die Sensorik zur Erkennung von Pflanzenkrankheiten. Das wären Voraussetzungen, um gezielter und grossflächiger die Spot-Spraying-Methode anzuwenden. Verbesserte Prognosemodelle würden zudem unterstützen, den richtigen Zeitpunkt für die Applikation genauer zu bestimmen.

Es ist denkbar, dass die Ergebnisse aus dem Ressourcenprojekt Anstoss geben können, in der AP30+ entsprechende Anreize zu schaffen. Beispielsweise vermehrt mit Produktionssystembeiträgen für Anwendungen, die der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln entgegenkommen.

Das überregionale Ressourcenprojekt «Pflopf»

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hatte 2017 den Aktionsplan Pflanzenschutz lanciert, um Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu vermindern und entsprechende Projekte zu fördern. Vor diesem Hintergrund initiierten die landwirtschaftlichen Zentren Liebegg, Arenenberg und Strickhof sowie die Bauernverbände der Kantone Aargau, Thurgau und Zürich gemeinsam das Ressourcenprojekt «Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming», kurz «Pflopf». Ziel war dabei, den Einsatz von PSM mithilfe von technologiebasierten Massnahmen um mindestens 25 Prozent im Vergleich zu herkömmlicher Bewirtschaftung zu reduzieren. Aus den drei Kantonen waren rund 60 ÖLN-Betriebe mit rund 900 ha Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbauflächen beteiligt. Unterstützt wurden diese von den kantonalen landwirtschaftlichen Zentren. Zudem wird das Projekt durch Agroscope wissenschaftlich begleitet und vom BLW mitfinanziert. Bei der Durchführung beteiligt war unter anderem die Swiss Future Farm im thurgauischen Tänikon als Demobetrieb für die digitale Landwirtschaft in der Praxis. «Pflopf» startete Anfang 2019 und kommt nun gut sieben Jahre später zum Abschluss.

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