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Holstein-Meisterzüchter Toni Peterhans setzt auf neuen Laufstall und Melkstand

Zuerst besser und erst dann grösser werden, ist das Kredo von Vater und Sohn, Toni und Daniel Peterhans aus Fislisbach AG. So entstand ein «Wellness-Stall» für die 40 Holsteinkühe.

«Psst, kommt schnell!» Daniel, Meisterlandwirt und Sohn von Toni Peterhans, drängt zur Eile. Im Stallneubau bietet sich ein ruhiges Bild: Bis auf zwei liegen alle vierzig Holstein-Kühe. Etwas, was die Familie Peterhans häufig im Stall beobachten darf.

Das ändere sich in ein paar Minuten wieder, sobald der Fütterungsroboter seine Runde mache. Im November 2023 wurde der Entscheid für den neuen Stall gefasst und zwei Jahre später, am 10. November 2025 sind die Kühe von der Anbindehaltung in den Laufstall umgezogen.

Eine bewegte Geschichte prägte Toni Peterhans

«Mit 7 Jahren bin ich noch dem Pferd hinterhergelaufen mit dem Selbsthalterpflug», erzählt Toni Peterhans von seinem Werdegang. 1985 habe er mit seinem Vater den Stall und das Wohnhaus im Rückerfeld gebaut.

Damit der Betrieb bestehen konnte, sei er in seinen Zwanzigern morgens und abends im Stall am Melken gewesen, untertags auf dem Lastwagen, und das Silieren und Ackern habe er in der Nacht erledigt. Er habe eine bewegte Geschichte – vielleicht sei er damals schon nicht ganz normal gewesen, sinniert der 64-Jährige.

«Ein halbes Fussballstadion gebaut»

Und jetzt, kurz vor der Pensionierung, haben Toni und Daniel Peterhans gemeinsam den Stallneubau realisiert. «Wir haben ein halbes Fussballstadion gebaut, für ein paar Liter mehr Milch», erklärt der Betriebsleiter.

Aber weshalb nicht gleich noch grösser? Das habe laut Toni Peterhans zwei Gründe: Erstens wollten sie zuerst besser und erst dann grösser werden. Und zweitens haben die beiden noch drei andere Standbeine, die ebenfalls Zeit benötigten.

Der alte Stall erfüllte die Standards des grünen Teppichs nicht mehr, und so musste der Neubau realisiert werden. Mit diesem sollen 40% Manpower im Betriebszweig Milchproduktion gespart werden. So kann die Arbeit auch von einer Person allein bewältigt werden. Realisiert wurde es mit der Firma Krieger AG.

Es wird nichts dem Zufall überlassen

Einen Melkroboter sucht man vergebens, da hatte der zukünftige Betriebsleiter Daniel Peterhans das letzte Wort. Er erklärt, es habe mehrere Umstände gegeben, die für den Vierzehner-Melkstand mit Frontaustrieb gesprochen haben.

So sei er von der Fütterung im Roboter nicht überzeugt gewesen. Denn er selbst füttere eine Totalmischration, die sich bewährt habe, und die wolle er so beibehalten.

Weiter sei für ihn wichtig, dass er sich, zwischen dem Melken am Morgen und am Abend, den anderen Betriebszweigen widmen könne. Mit dem Roboter müsse immer jemand Pikettdienst haben, um Kühe, die noch nicht gemolken worden seien, zum Roboter zu bringen. So müsse man entweder zurück zum Stall oder entscheide sich, dass ein späteres Melken keine Rolle spiele.

«Aber auf dem Niveau, auf dem wir arbeiten, gibt es kein ‹spielt keine Rolle›», erklärt Toni Peterhans überzeugt. Seinen Erfolg überlässt er nicht dem Zufall. Und zuletzt hat auch der Unterhalt des Roboters dagegengesprochen, der höher ist als bei einem Melkstand. Ergänzend ist bei den Abkalbe- und Separationsboxen eine Rohrmelkanlage installiert.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Toni Peterhans, ab 2027 Daniel Peterhans LN: 62 Hektar, Futter- und Ackerbau; Mais, Weizen, Buschbohnen, Dröscherbsen, Zuckerrüben, Zuckermais. Tiere: Knapp 40 Holstein-Kühe, gut 40 Nachzucht-Rinder, Platz vorhanden für maximal je 60 Rinder und Kühe. Milchleistung: 2025 hat Peterhans mit seinen Kühen auf 305 Tage den fünfthöchsten Betriebsdurchschnitt, von Holstein Schweiz, mit 13 740 Litern erreicht. Betriebszweige: Holstein-Zucht, Ackerbau, Lohnarbeit, Energieproduzent, Solarstrom: 370 kWp mit einem 215-kW-Batteriespeicher und der Möglichkeit zur Erweiterung auf dem Stallneubau. Angestellte: Daniel Peterhans, ein weiterer Angestellter, sowie saisonale Mithilfe

Wellnessstall für die Kuh

15 000 Liter pro Liegebox seien das Ziel, im Anbindestall seien es 14 700 Liter gewesen. Damit das möglich ist, spielt das Tierwohl für den Landwirt eine entscheidende Rolle. Seine Kühe leisten mehr als normale Tiere, deshalb will er ihnen auch mehr geben.

Das zeigt sich im neuen Stall: Der Fressgang ist fünf Meter breit, und somit einen Meter mehr als der Standard.

Holstein-Meisterzüchter Toni Peterhans setzt auf neuen Laufstall und Melkstand
Die Kühe fühlen sich wohl im «Wellness-Stall», wie Toni Peterhans den Neubau nennt.

Der Laufgang misst 3,5m und ist somit ebenfalls breiter als normal. Die Liegeboxen sind der Grösse der Kühe, das Stockmass liegt bei bis zu 1,65m, angepasst und mit Dinkelspelzpellets eingestreut. Zwischen den gegenüberliegenden Boxen ist ein Gang von 2,50m. Dieser ermöglicht sowohl das Einstreuen mit dem Teleskoplader und der Einstreuschaufel, als auch einen sicheren Fluchtweg für eine verirrte Kuh.

«Wir haben einen ‹Wellness-Stall› gebaut, mit viel Licht, Luft und Platz», meint Toni Peterhans schmunzelnd. An allen vier Seiten des Gebäudes sind Rollos zur Belüftung angebracht, der MeadowFloor-Spaltenboden sorgt für ein rasches Ablaufen des Harns. Zudem ist das Dach isoliert, um die Temperatur im Stall niedriger zu halten.

Holstein-Meisterzüchter Toni Peterhans setzt auf neuen Laufstall und Melkstand
In drei Umgängen können die knapp 40 Holstein-Kühe im 14er Melkstand mit Frontaustrieb gemolken werden.

Zufriedene Kühe sind sichtbar

Dass der Plan bisher aufgeht, zeigt sich in der Leistung und Gesundheit der Tiere. Obwohl die Hürde von einem Anbinde- in einen Laufstall gross sei – insbesondere mit der Leistung, die die Kühe bei Peterhans erbringen –, seien sie besser gestartet als erwartet.

Keine Kuh ist verunglückt, die Klauen und somit das Fundament der Kühe sind in einem sehr guten Zustand. Die Zellzahlen sprächen für sich, seien so niedrig wie noch nie, mit einem Maximalwert von 44 000 Zellen pro Milliliter, in der Tankmilch. Und wenn man die Kühe im Stall und beim Melken anschaue, sähe man in ihren Augen die Zufriedenheit, das könne kein Computer so gut, wie Vater und Sohn, sind die beiden überzeugt.

Holstein-Meisterzüchter Toni Peterhans setzt auf neuen Laufstall und Melkstand
Der Entschluss für den Neubau wurde im November 2023 gefasst, umgezogen in den Laufstall sind die Holstein-Kühe zwei Jahre später.

Die Stärke sind die vier Standbeine

Der Milchpreis ist sicher ein Thema, gerade bei einem solchen Bau. «Das Wichtigste ist, dass Du gesund bist und den Verstand nicht verlierst. Den Rest siehst und fühlst Du», meint der Holstein-Züchter dazu.

Und sein Daniel Peterhans fügt ergänzend an, dass dies die Stärke des Betriebs ist, nicht Spezialist eines einzelnen Betriebszweiges zu sein, sondern breit aufgestellt in allen vier Standbeinen. Und der 34-jährige Vater zweier Kinder denkt bereits weiter. Mittelfristig möchte er die Masttiere selbst ausmästen, für eine noch höhere Wertschöpfung und mit der Stromproduktion vollständig autark werden.

Toni Peterhans führt weiter aus, dass ihn die Tatsache, dass er dies so vor der Übergabe mit seinem Sohn Daniel zusammen realisieren konnte, stolz, aber auch sehr dankbar mache.

Tag der offenen Tür

Eine Besichtigung des Stallneubaus ist am 30. und 31. Mai, jeweils von 9.30 bis 17 Uhr, in Rückerfeld 844, Fislisbach AG möglich.