In Gunzwil LU liegt der Hof Gstell von Kilian Bucher. Der Name des Hofes hat eine lange Geschichte: «Gstell» bedeutete früher «Weide- und Lagerplatz für Kühe». Dass heute noch Kühe das Bild prägen, passt deshalb bestens zu diesem traditionsreichen Standort. Bucher bewirtschaftet den Biobetrieb mit 28 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon sind 24 Hektaren als Weide für die Kühe zugänglich. Unterstützt wird er dabei von seiner Familie: Sein Schwiegervater arbeitet vollzeitlich auf dem Betrieb mit, während auf dem elterlichen Hof in Malters LU 25 Jungtiere für Aufzucht und Weidemast gehalten werden. Diese betreut Buchers Vater in Teilzeit.
Trockene Jahre bringen Vorteile
Die Böden am Standort Gstell bestehen aus schwach humosem Lehm. Während viele andere Betriebe unter der Sommer-Trockenheit leiden, sieht Kilian Bucher darin auch Vorteile. «Die trockenen Jahre sind für uns immer die besseren Jahre», sagt er. Nasse Bedingungen seien für die Grasnarben und die Weidenutzung auf seinem Betrieb oft problematischer als Hitzeperioden.
Auf dem Hof werden 50 Weidekühe in einem modernen Boxenlaufstall gehalten. Gemolken wird in einem 10er-Swing-Over-Melkstand. Dieses System ermöglicht es, mit einem Melkaggregat abwechselnd Kühe auf beiden Seiten des Melkstandes zu melken und dadurch effizient zu arbeiten.
Die Herde besteht aus Kiwi Cross, norwegischen Rotbunten sowie neuseeländischen und irischen Holstein und deren Rotationskreuzungen. Vereinzelt hat Bucher auch neuseeländische Jersey- und Schweizer Fleckvieh-Tiere. Die Stammrassen waren Brown Swiss und Holstein. Für den Luzerner steht nicht die maximale Milchleistung im Vordergrund, sondern robuste, anpassungsfähige und gesunde Tiere.
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Saisonale Abkalbung bringt Ruhe in den Winter
Die Kühe kalben saisonal ab. Ab dem 15. November sind alle Tiere galt, und bis Mitte Januar herrscht auf dem Betrieb «Melkfrei». Für Kilian Bucher ist diese Pause wichtig: «Diese Auszeit tut den Kühen und dem Bauern gut. Es ist eine Gelegenheit, die Batterien aufzuladen, auch einmal etwas anderes zu sehen und sich auf die nächste Saison vorzubereiten.»
Ab Mitte April beginnt die Besamungssaison. Während drei Wochen setzt Bucher auf künstliche Besamung. Anschliessend kommt ein geleaster Angus-Stier zum Einsatz, bis alle Tiere trächtig sind. Die Wahl des Angus-Stieres erfolgt bewusst: Die Kälber kommen leicht zur Welt, und die Trächtigkeitsdauer ist kürzer als bei anderen Fleischrassen.
Bucher denkt in Wachstumsphasen
Ein zentraler Bestandteil des Betriebssystems ist die intensive Weidenutzung. Kilian Bucher versucht, möglichst früh im Jahr mit dem Weiden zu beginnen. Die gesamte Fläche wird zunächst kurz überweidet. Unterbricht Schnee das Wachstum, werden die Tiere vorübergehend wieder im Stall gefüttert. Ansonsten verbringen sie Tag und Nacht draussen.
Die Koppeln sind zwischen einer und zwei Hektaren gross. Zweimal täglich erhalten die Kühe einen neuen Streifen frisches Gras. Dieses konsequente Weidemanagement erlaubt eine hohe Futterqualität und eine effiziente Nutzung des Graswachstums.
Dabei denkt Bucher stark in Wachstumsphasen: stark wachsend, schwach wachsend oder Wachstumsstillstand. Je nach Situation werden im Frühling einzelne Flächen beweidet oder siliert. Im Sommer und bis in den August hinein können einzelne Parzellen auch als Emd konserviert werden. Danach dient die gesamte Fläche wieder als Herbstweide.
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Nutzungselastische Kühe als Schlüssel
Entscheidend für dieses System sind die Tiere selbst. Die Kühe auf dem Betrieb Bucher sind bewusst «nutzungselastisch» gezüchtet. Sie können auch mit älterem oder schwankendem Futterangebot umgehen, ohne sofort Leistungseinbussen oder Gesundheitsprobleme zu zeigen.
Bei grosser Trockenheit und Wachstumsstillstand lässt Bucher die Kühe deshalb oft nur nachts auf die Weide. Bei sehr nassen Bedingungen wiederum schützt er die Grasnarben, indem die Tiere nur stundenweise hinausgelassen werden.
In beiden Situationen wird im Stall ergänzend Silofutter vorgelegt. Dennoch bleibt die Weidehaltung für ihn zentral: «Das Herz des Weidebauern schlägt höher, wenn die Tiere auf der Weide sind.»
Low-Input mit stabilem Leistungsniveau
Bisher bekamen Buchers Kühe je 100 kg Kraftfutter pro Jahr. Seit diesem Jahr erhalten sie versuchsweise gar kein Kraftfutter mehr. Dafür stehen Viehsalz und Mineralstoffe jederzeit frei zur Verfügung, sodass auch rangniedere Tiere ungehindert Zugang haben.
Trotz dieser konsequenten Low-Input-Strategie erreicht die Herde eine durchschnittliche Milchleistung von rund 6000 Kilogramm pro Kuh und Jahr. Das entspricht genau den Vorstellungen von Kilian Bucher. Er geht davon aus, dass die Leistung durch das fehlende Kraftfutter noch leicht zurückgehen wird. Sein Ziel liegt langfristig bei 5500 bis 6000 Kilogramm Milch pro Tier und Laktation – produziert möglichst effizient aus Gras.
Auch bei der Bestandesführung der Weiden setzt Bucher auf Zurückhaltung. Die Pflanzenzusammensetzung reguliert er primär über die Nutzung und vertraut dabei teilweise auf die Selbstregulierung der Grasnarbe. Nur bei Bedarf wird im Herbst übersät oder bei grösseren Schäden im Frühling neu angesät.
Der Betrieb Gstell zeigt damit eindrücklich, wie ein modernes Weidemilchsystem funktionieren kann: mit robusten Kühen, konsequenter Graslandnutzung und einer Strategie, die sich flexibel an Wetter und Wachstum anpasst.