Rinder und andere Nutztiere werden durch Fliegen sehr belästigt. Sie bringen viel Unruhe in den Stall und auf die Weide und können die Leistung stark beeinträchtigen. Man rechnet mit bis zu einem Drittel Leistungseinbussen beim Milchvieh. Zudem verschleppen sie Keime und Krankheiten, wie zum Beispiel Pink eye (Gämsblindheit bei Rindern), sowie Mastitis. Nicht nur aus tierischer Sicht ist daher eine frühzeitige Bekämpfung sinnvoll. Im Stall sind es vorallem die grosse Stubenfliege und die Wadenstecherfliege, die für Unruhe sorgen. Die Stubenfliege ernährt sich durch Flüssignahrung, wie die Tränenflüssigkeit der Rinder, und von flüssigem oder feuchtem Mist und Abfällen. Der Wadenstecher hingegen ernährt sich ausschliesslich von Blut. Die Eiablage beider Fliegenarten geschieht in zersetztem organischem Material.
Vorbeugen ist mehr als die halbe Miete
Zur Fliegenbekämpfung gibt es verschiedene Strategien. Fliegen mögen für die Vermehrung feuchte, mit Kot verschmutzte Flächen. Deshalb ist die Stallhygiene nicht zu unterschätzen. Gerade Tiefstreu bietet sich als ideale Brutstätte an und sollte deshalb möglichst trocken gehalten werden. Regelmässiges Ausmisten, im Idealfall in einem 10–12-Tage-Rhythmus, hilft, den Brutzyklus zu unterbrechen.
Die Boxen und Liegeflächen können zusätzlich mit Kalk oder Urgesteinmehl behandelt werden. Wichtig ist, dass sie möglichst trocken gehalten werden. Wöchentlich sollte der Schwemmkanal durchgespült werden und bei Güllelöchern die Schwimmschicht aufgerührt werden.
Einsatz von Nützlingen
Zur nachhaltigen Vorbeugung einer Fliegenplage eignet sich der Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen, Raubmilben und Güllefliegen sehr gut. Die Nützlinge können einfach ausgebracht werden und verhindern, dass aus Eiern, Maden und Larven Fliegen schlüpfen können. Gerade in der Tiefstreu ist der Einsatz von Schlupfwespen in Kombination mit Raubmilben ein bewährtes Mittel, welches auch vom Arbeitsaufwand her überschaubar bleibt.
Schwalben sind sehr fleissige Insektenvertilger, eine einzelne Schwalbe kann pro Saison bis zu 150 000 Fliegen, Mücken und andere Insekten fressen. Das Anbringen von Nistkästen unterstützt Schwalben, sich wieder im Stall anzusiedeln.
Sind trotz aller Massnahmen Fliegen bei den Rindviechern, empfiehlt es sich, Aufgusspräparate auf dem Widerrist aufzutragen. Auch die Schwanzhaare sollten nicht eingekürzt werden, damit sie zur Fliegenabwehr benutzt werden können. Ventilatoren unterstützen ein angenehmes Stallklima und halten Fliegen fern, da diese keinen Luftzug mögen. Das gleiche gilt auch für den Sprühnebel.
Sowohl Schlupfwespen als auch Raubmilben und Güllefliegen, ja, sogar Schwalben werden durch Insektizide vergiftet. Daher sollte der Einsatz von Insektiziden gut überlegt sein.
Vermehrungszyklus der Fliegen
Die weiblichen Tiere legen eine Woche nach dem Schlüpfen nach der zweiten oder dritten Blutmahlzeit erstmals ihre Eier. Zwei Tage später schlüpfen aus den Eiern Larven, bevor sie sich verpuppen und 6–9 Tage später die adulten Fliegen schlüpfen. Somit dauert die Gesamtentwicklungsphase bei einer Temperatur von 22 bis 30°C zwischen 12 und 14 Tage. Im Stall sind nur 20 % der Fliegen sichtbar, die restlichen 80 % befinden sich im Ei- oder Larvenstadium. Gemäss einer Hochrechnung von Desintec entstehen aus zwei Fliegen unter günstigen Bedingungen 1 Mio. Fliegen pro Monat. Das entspricht pro Saison 200 Trillionen (200 000 000 000 000 000 000) Fliegen, wie im Merkblatt «Stallfliegen» des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg beschrieben wird.
In Bezug auf die Fliegenpopulation hat Kalk laut dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg mehrere positive Eigenschaften, wie:
- Kalk erhöht den pH-Wert auf einen Wert von ca. pH 9–10. Viele Fliegen benötigen zum Schlupf ein leicht saures Milieu. Eine basische Umgebung reduziert die Schlupfrate.
- Kalk bindet die Feuchtigkeit. Eine trockene Liegebox ist für Fliegen weniger attraktiv, weil weniger Feuchtigkeit und Nährstoffe vorhanden sind, um das Larvenwachstum zu gewährleisten.
- Kalk kann bei hohen Dosierungen auch als direktes Kontaktgift wirken.
Beim Kalken der Liegeboxen gibt es grundsätzlich 2 Möglichkeiten:
- Kalk-Stroh-Matratze: Dabei werden Stroh, Kalk und Wasser in einem Futtermischwagen vermischt und dann in die Liegeboxen verteilt.
- oder zwei- bis dreimal Mal wöchentlich in der hinteren Hälfte der Liegebox etwas Kalk einstreuen, um die Feuchtigkeit zu binden und den pH-Wert zu erhöhen, für eine gute Hygiene.
Bartmücken
Bartmücken (Culicoides obsoletus) sind eine Unterart der Stechmücken. Sie gelten als die Hauptüberträger der Blauzungenkrankheit. Um deren Verbreitung zu verhindern, sollte auf dem Hof ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, ihre Brutstätten zu eliminieren, um so möglichst ihren Fortpflanzungszyklus zu unterbrechen. Je näher die Brutstätte zur Herde ist, umso eher werden die Tiere gestochen. Deshalb ist es wichtig, in und um Stall und Weide die möglichen Brutstätten trockenzulegen. Anders als die Larven der «gewöhnlichen» Stechmücken können die Bartmückenlarven nicht schwimmen. Bartmücken legen ihre Eier bevorzugt in ruhigen, morastigen und nährstoffreichen Stellen in der Nähe von Miststock und Stall. Bei den Weidebrunnen, in einem matschigen Auslauf oder an anderen feuchten und nährstoffreichen Stellen auf dem Betrieb finden die Larven ideale Bedingungen, um sich zu vermehren. Auch der Schwimmdeckel auf der Gülle bietet gute Bedingungen. Deshalb sollte dieser einmal wöchentlich aufgerührt werden. Gerade bei warmen Temperaturen können sich die Bartmücken explosionsartig vermehren. Die Bartmücke nimmt das im Blut eines infizierten Tieres zirkulierende Virus während des Saugaktes auf. Nach einem Vermehrungszyklus im Insekt, bei dem das Virus auch in die Speicheldrüse gelangt, überträgt es den Virus beim nächsten Saugen auf ein anderes Tier. Die Männchen sind Pflanzensauger, nur die Weibchen saugen Blut. Besonders stechlustig sind sie, im Unterschied zu gewöhnlichen Stechmücken, abends und nachts. Eventuell kann das Blauzungen-Virus auch durch gewöhnliche Stechmücken und Zecken übertragen werden, hierzu ist aber noch wenig bekannt.

