Je nach Betriebslage bereits seit mehreren Wochen oder erst noch vor der Tür: Frühling bedeutet auch «Start in die Weidesaison». Eine Phase, die bei der Mineralstoffversorgung besondere Aufmerksamkeit erfordert. Der Übergang von der Winterration hin zu jungem Gras bringt nicht nur Veränderungen in der Energie- und Proteinversorgung, sondern auch deutliche Verschiebungen im Mineralstoffhaushalt der Kühe mit sich.
Von Muskelzittern bis hin zu Festliegen
Ein zentrales Thema zum Weidebeginn ist die Magnesiumversorgung. Junges Gras enthält zwar hohe Mengen an Rohprotein und Kalium, jedoch oft zu wenig verfügbares Magnesium. Gleichzeitig wirkt ein hoher Kaliumgehalt im Pansen hemmend auf die Magnesiumaufnahme. Die Folge kann Weidetetanie sein – eine Stoffwechselstörung, die sich durch Unruhe, Muskelzittern bis zum Festliegen äussert.

Neben Magnesium sind auch weitere Aspekte der Mineralstoffversorgung zu beachten. Häufig wird der Fokus stark auf das Calcium-Phosphor-Verhältnis (Ca:P) gelegt. Dieses ist zwar wichtig, jedoch greift eine reine Betrachtung des Verhältnisses zu kurz. Entscheidend sind auch die absoluten Gehalte der Mineralstoffe im Mineralfutter. Nur wenn die Mengen bedarfsgerecht sind, kann eine optimale Versorgung sichergestellt werden.
Organisch gebundene Spurenelemente
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Versorgung mit Spurenelementen wie Zink, Selen oder Kupfer. Gerade im höheren Leistungsbereich empfiehlt sich der Einsatz organisch gebundener Spurenelemente, da diese im Vergleich zu anorganischen Formen besser verfügbar sind. Organische Spurenelemente erkennt man beispielsweise an der Bezeichnung «Chelate» oder «Proteinate» (z. B. Zinkchelat), während anorganische meist als «-oxide» oder «-sulfate» bezeichnet werden (z. B. Zinkoxid).
Schmackhafte Zusatzstoffe können helfen
Auch die Art der Verabreichung spielt eine bedeutende Rolle. Wird das Mineralfutter über den Mischwagen verabreicht, ist die Schmackhaftigkeit weniger relevant, da die gleichmässige Aufnahme über die Ration gesichert ist. Anders bei freier Aufnahme: Hier muss das Mineralfutter schmackhaft sein, damit die Tiere ausreichend davon aufnehmen. Ansonsten besteht das Risiko einer Unterversorgung trotz bereitgestelltem Angebot.
Es lohnt sich, die Menge auch bei Handfütterung regelmässig zu berechnen und zu wiegen. Schmackhafte Zusatzstoffe wie Obsttrester oder Aromastoffe können die Aufnahme verbessern, verdünnen jedoch die Mineralstoffgehalte. Die Gewichtung von hohen Mineralstoffgehalten und guter Schmackhaftigkeit hängt vom Verabreichungssystem ab und muss betriebsindividuell entschieden werden.

