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Vollweide statt Kraftfutter: So senkt ein Biobauer seine Kosten

Ein Freiburger Biobetrieb zeigt, wie Milchkühe von März bis November den Grossteil ihres Futters selbst auf der Weide holen – und warum das die Kosten pro Kilo Milch senkt.

Ein hoher Weideanteil in der Fütterung ist nicht nur für die Kühe gut, sondern auch für das eigene Portemonnaie. Hierbei sind nicht nur die Grashöhe, sondern auch die Grasdichte mitentscheidend. Das Weidegras bietet daher bei guter Weideführung eine hohe Qualität und wird auch von den Kühen gerne gefressen.

Zudem ist geweidetes Gras das preiswerteste Futtermittel. Eine gut geführte Weidehaltung bringt viele Vorteile für die Tiere mit sich: uneingeschränkte Möglichkeiten für Bewegung, Liegen und Sozialkontakte an der frischen Luft, keine Futterkonkurrenz am Futtertisch oder auch dank der Sonneneinstrahlung eine gute Vitamin-D-Versorgung der Tiere

«Die Kurzrasenweide ist die richtige Strategie»

Wann sind die Weideverluste zu gross? Wie lange sollte man die Kühe auf der gleichen Koppel lassen, oder welche Grasmischungen eignen sich am besten für eine Vollweide? Dies alles waren Themen an der Flurbegehung von letzter Woche auf dem Betrieb von Stefan und Fabienne Wüthrich in Cressier. Unter dem Titel «Effiziente Milchproduktion mit hohem Weideanteil» folgten gegen 25 Interessierte der Einladung. Durchgeführt wurde die Flurbegehung vom landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve, geleitet von dessen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich Futterbau und Ressourcen: Rebekka Gerber und Benno Jungo.

Einer, der schon seit Jahren auf Vollweide setzt, ist Stefan Wüthrich. Seine Weidestrategie ist klar: «Die Kurzsrasenweide ist für unser Betrieb die richtige Strategie», sagt der Betriebsleiter. Rund 75 Kühe, vorwiegend Swiss Fleckvieh, welche in einem Roboter gemolken werden, sind bei ihnen schon seit Mitte März auf der Weide. «Bis Oktober, November holen unsere Kühe das meiste Grundfutter auf der Weide selbst», sagt Wüthrich. Im Stall wird nur mit Dürrfutter nachgefüttert. «Als Lockfutter bekommen die Kühe am Roboter etwas Maiswürfel», hält er fest. Als Biobetrieb möchte der Landwirt den Kraftfuttereinsatz weiter reduzieren und setzt 2026 kein Kraftfutter mehr ein. Die Durchschnittsleistung seiner Kühe beträgt rund 6000 kg Milch. Die Milch wird in der Dorfkäserei zu Mont-Vully-Käse und Vacherin verarbeitet.

Im Drei-Blatt-Stadium am besten

«Im Frühling heisst es so früh wie möglich mit der Weidesaison zu beginnen. Denn ein früher Austrieb fördert nicht nur das Graswachstum, sondern auch die Bestockung und hält Unkräuter wie den Hahnenfuss zurück», sagt Rebekka Gerber. Dabei sind auch immer die höchsten Futtergehalte anzustreben, das heisst, das Futter darf nicht zu alt werden.

«Im Drei-Blatt-Stadium ist das Gras am besten. Danach sterben die untersten Blätter bereits wieder ab und sobald es zum Schossen kommt, nehmen die Energiegehalte ab», hält Benno Jungo fest. Auf dem Betrieb Wüthrich wird, wie erwähnt, die Kurzrasenweide praktiziert. «Die Kurzrasenweiden liefern durch die Nutzung im jungen Stadium konstant sehr hochwertiges Futter.

Die NEL-Gehalte variieren je nach Jahreszeit. Die höchsten Energiegehalte erreicht man mit Weidegras mit ca. 6,5 MJ/kg TS NEL. Beim Eingrasen variieren die Energiegehalte stark und liegen bei 5,7 bis 6,1 NEL. «Beim Dürrfutter sieht es noch einmal anders aus, hier liegen die Werte zwischen 5 und 5,5 MJ NEL», sagt Jungo.

Von Mitte April bis Mitte Mai, da ist das Graswachstum am höchsten, sollte pro Grossvieheinheit (GVE) rund 20 Aren Weidefläche zur Verfügung stehen, wenn die Ration vollständig mit Weidefutter gedeckt werden soll. «In dieser Zeit brauchen wir nur halb so viel Fläche wie im Sommer», sagt Rebekka Gerber. Ab Mitte Mai geht das Graswachstum aber schon wieder zurück und man muss sofort mehr Weidefläche zur Verfügung haben. Auf dem Betrieb von Wüthrichs grasen die Kühe jeden dritten Tag in der gleichen Koppel. Die Koppeln bei Wüthrichs sind in A- und in B-Schläge unterteilt.

Weideland rund um den Stall

Von Mitternacht bis am Mittag bleiben die Kühe auf der gleichen Koppel, von Mittag bis Mitternacht weiden sie dann in einer anderen. «Kommen die Kühe zum Melken, findet der Wechsel statt», sagt der Betriebsleiter. Da der Herdenschnitt nur bei zirka 6000 kg Milch liegt, werden die Kühe auch nicht mehr als zweimal pro Tag am Roboter gemolken. «Diese Vollweidesystem kann ich nur machen, weil wir auf unserem Betrieb alles Weideland rund um den Stall haben», sagt der Betriebsleiter. Es sei zudem wichtig, dass man vor der Weidesaison ungefähr ausrechne, wie viel Fläche und wie viele Koppeln man dafür benötige.

«Es ist wichtig, dass man das jeweilige Weide-System den ganzen Sommer lang konsequent durchzieht», hält Rebekka Gerber fest. Denn die Kuh sei ein Gewohnheitstier, dauernd die Strategie zu wechseln sei kontraproduktiv. «Bei der Weidestrategie sollten wir im Stall möglichst nicht noch mit Gras nachfüttern», sagt Beno Jungo. Denn da werden die Fütterungskosten eindeutig zu hoch.

«Laut Berechnungen kann ein Vollweidebetrieb mit tieferen Milchmengen den gleichen, wenn nicht sogar den höheren Arbeitsverdienst erwirtschaften als ein Hochleistungsbetrieb, der seine Kühe das ganze Jahr im Stall mit einer Vollmischration füttert», sagt er. Dabei seien der Arbeitsaufwand wie auch die Maschinen- und die Kraftfutterkosten die höchsten Kostenfaktoren. «In jedem Fall muss die Grundfuttereffizienz bei der Milchproduktion, egal in welchem System, immer stimmen, sonst kommt es nicht gut», warnt Rebekka Gerber.

Güllen im Sommer nützt nicht viel

Stefan Wüthrich lässt seine Kühe das Gras auf 4 bis 8 cm heruntergrasen. Nach der Beweidung wird jede Koppel bis zu achtmal während der Vegetation gegüllt. «Auch im Frühling gilt es, die Weiden so früh wie möglich zu güllen: «Das beste Graswachstum erzielen wir, wenn wir die erste Gabe schon im Februar ausbringen können», bestätigt Rebekka Gerber.

Wichtig beim Gülleführen seien sicher die Bedingungen. Dabei muss die Gülle so schnell wie möglich in den Boden versickern, sodass nicht zu viele Emissionen in die Luft gelangen können. «Im Sommer haben wir fast immer mit Wachstumsdepression zu kämpfen, die dazu führt, dass wir die Weidenflächen erhöhen müssen. Bei Trockenheit nützt das Güllen und Düngen im Sommer nichts», so Benno Jungo.

Vollweide statt Kraftfutter: So senkt ein Biobauer seine Kosten
Mit diesem Gerät kann man das Graswachstum messen und ausrechnen wie viel Futter es auf der Wiese hat.

Damit Stefan Wüthrich auf seinen Weiden immer eine gute Grasnarbe hat, tauscht er mit seinem Nachbarn die Fruchtfolgeflächen aus. «Eine Kunstwiese bleibt bei uns drei volle Saisons», sagt der Landwirt. Vielfach wird eine 400-Grasmischung eingesetzt. «Wenn eine Dauerweide angelegt werden soll, sind Mischungen mit rasenbildenden Gräsern notwendig, die stark bestocken und eine gute Trittfestigkeit aufweisen», empfiehlt Wüthrich. «Im Frühling ist der Kräuter- und Kleeanteil von den Kurzrasenweiden bei zirka 20 %, danach nimmt der Kleeanteil im Laufe des Sommers laufend zu», sagt Rebekka Gerber.

Jeder Betrieb, braucht eine eigene Strategie

Wichtig ist, dass man das Gras immer kurz abfressen lässt oder einen Säuberungsschnitt macht. Ist das nicht der Fall, werden die Reste beim nächsten Umtrieb auch nicht lieber gefressen. «Wenn man das Weidemanagement im Griff hat, kann man dabei wirklich Kosten sparen. Vielleicht braucht man dabei mehr als ein Jahr, bis man seine Strategie, die zum Betrieb passt, wirklich entdeckt hat», sind sich Stefan und Fabienne Wüthrich und die Referenten einig.

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