Es war schon öfter so in der Schweizer Agrarpolitik: Bern streitet, die Bauern warten – und am Ende kommt doch, was kommt. So auch bei Digiflux. Seit Monaten dreht sich im Parlament eine Debatte darum, ob das neue Erfassungssystem für Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel wirklich kommen muss, wie weit die Pflichten gehen sollen, und wer welche Daten sehen darf. Die Motion Kolly 24.3078 wollte die ganze Pflicht kippen. Das Verordnungspaket 2026 hat Konzessionen gemacht. Und trotzdem: Digiflux kommt.
Hoduflu wird Ende Juni 2026 abgeschaltet. Nicht als politischer Entscheid, sondern weil die Software das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hat. Digiflux übernimmt als direkter, verpflichtender Ersatz für die Erfassung von Hof- und Recyclingdüngerlieferungen. Wer ab Juli noch Hoduflu aufruft, schaut in die Leere.
«Technisch betrachtet, ist Digiflux weitgehend in trockenen Tüchern. Die Software funktioniert wie gewünscht und die Implementierung schreitet planmässig voran», sagt Florie Marion vom Bundesamt für Landwirtschaft auf Anfrage.
Auf die Frage, ob Digiflux denn auch politisch «sicher» sei, antwortet Marion, es gebe zwar hängige parlamentarische Vorstösse. «Es wurden jedoch noch keine Entscheide vonseiten des Parlaments gefällt, weshalb sie die Arbeiten zur Implementierung von Digiflux und zur Umsetzung des geltenden Rechts nicht beeinflussen.» Der Bundesrat wartet also nicht.
Der Aktivierungscode für Digiflux kommt per Post. Wer ihn eingibt, ist auf der sicheren Seite. Wer wartet, bis das Parlament eine Lösung findet, wartet vielleicht lange. Was das für den Betrieb bedeutet: Alle bisherigen Hoduflu-Daten werden automatisch übernommen. Wer den Code liegen lässt, kann ab Ende Juni keine Nährstofflieferungen mehr erfassen. Für die Suisse-Bilanz und den Ökologischen Leistungsnachweis sind ab diesem Zeitpunkt ausschliesslich die Angaben aus Digiflux massgeblich.
Was müssen Landwirtinnen und Bauern jetzt tun?
Im Grunde: warten. Der Aktivierungscode kommt, ohne dass man etwas beantragen muss. Danach einmal ins Agate-Portal einloggen, Code eingeben, Standort bestätigen, fertig. Die bisherigen Hoduflu-Daten sind dann ohne weiteres Zutun verfügbar. Florie Marion vom BLW erklärt: «Weil alle Daten migriert werden, können Nutzerinnen und Nutzer nach der Aktivierung ohne Unterbruch weiterfahren.» Das Parlament hat mehr erreicht, als oft berichtet. Die Mitteilungspflicht für Pflanzenschutzmittel gilt künftig dauerhaft nur noch auf Betriebsebene – nicht mehr parzellengenau, und das nicht als Übergangslösung, sondern definitiv. Bei Nebenprodukten wurde laut Florie Marion «ein praxistauglicher Weg gefunden». Und beim Datenbezug aus Digiflux für die Nährstoffbilanz gilt neu: freiwillig und restriktiv. Wer befürchtet hatte, dass Betriebsdaten automatisch an Dritte fliessen, hat hier eine klare Einschränkung durchgesetzt. Weitere Vorstösse – aus dem Parlament und aus den Kantonen – sind noch hängig. Entscheide, die die laufende Implementierung stoppen oder verändern würden, gibt es bisher keine.
Zeitplan im Überblick
1. Juli 2025: Digiflux online, Pionierphase begann. 15. Januar 2026: Freiwillige Erfassung von Lieferungen und Produkten möglich. Ende Juni 2026: Hoduflu wird deaktiviert. Digiflux ist das einzige gültige System für Hof- und Recyclingdüngerlieferungen. Ende 2026: Pionierphase endet. Ab Januar 2027: Vollständige Mitteilungspflicht für Pflanzenschutzmittel, Kraftfutter und Dünger. 31. Januar 2027: Letzte Frist für die Erfassung von Lieferungen aus dem Vorjahr. 15. Februar 2027: Empfänger haben bis zu diesem Datum Zeit, Lieferungen zu bestätigen. Danach werden nicht bestätigte Lieferungen automatisch verbucht.

