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Munimäster Beat Schreiber: «Wir nutzen jede Stellschraube, um die Qualität zu verbessern»

Der Zürcher produziert auf seinem Betrieb Edelstücke für die Gastronomie und engagiert sich gegen den Kulturlandverlust in seiner Region. Wir haben ihn besucht.

Angela und Beat Schreiber aus Neerach ZH haben einen Leitspruch: «Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein.» Betriebsleiter Beat Schreiber erklärt: «Der Spruch stammt nicht von uns, sondern aus dem Bullenmästerseminar, an dem wir jährlich teilnehmen.» In Bayern versammelt sich jeweils die Elite der Munimäster aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Dort haben sich Schreibers schon manchen guten Tipp geholt.

«Natürlich kann man nicht alles eins zu eins auf die Schweiz übertragen. Aber durch die Inputs schaut man daheim im Stall besser hin und erkennt Verbesserungspotenziale», sagt der Meisterlandwirt. Das unterstreicht auch Angela Schreiber. Die ausgebildete Bäuerin nimmt auch immer am Seminar teil. Daheim auf dem Betrieb ist sie für Administration und Aufzeichnungen verantwortlich.

Jeder Muni wird einzeln beurteilt

Schreibers produzieren jährlich 200 Muni im Label Swiss-Quality-Beef. Seit der Lancierung des Labels im Jahr 2006 sind sie dabei. Geschlachtet werden die zehn- bis zwölfmonatigen Muni bei einem Schlachtgewicht zwischen 240 und 280 kg von der zu Coop gehörenden Bell Schweiz AG in Oensingen SO. Bedient wird vorwiegend der Gastrokanal.

Handelspartner der Familie Schreiber sind die zur Fenaco gehörenden Tochtergesellschaften Anicom AG und UFA AG. Der Preiszuschlag beträgt zwischen 0.25 Fr. und 0.80 Fr./kg SG. «Das lohnt sich für uns», sagt Beat Schreiber. Aber man müsse wirklich jede Stellschraube nutzen, um Schlachtqualität und Fettabdeckung zu erreichen. Je nach Rasse ist dies nicht immer einfach einfach. Daher verlässt er sich nicht auf die Zahlen der zweimonatlichen Wägung, sondern beurteilt im Stall jeden Muni einzeln. Erst wenn die Fettabdeckung der Klasse 3 erreicht ist, meldet er sie zur Schlachtung an. Erreicht ein Muni die gewünschte Fettabdeckung nicht, platziert er das Tier im QM-Kanal. Die Tageszunahmen in seinem Stall betragen im Schnitt 1500 g. 85 % seiner Munis erhalten eine CH-Taxierung von C- und H. 15 % sind T+-Munis.

Qualität beginnt im Kälberstall

«Entscheidend für den Erfolg in der Munimast ist die Qualität der Kälber», erklärt Beat Schreiber. Die rund 60 Kälber hält er in einem Vollklimastall mit einem elektronisch gesteuerten Lüftungs- und Heizungssystem. Er setzt auf Einstallprophylaxe: Jedes Kalb wird geschoren und gegen Läuse behandelt. Alle zwei Wochen wird ausgemistet. Dann kommen die Kälber in den Vormast- und später in den Ausmaststall. Bei der Fütterung kommt aufgrund der hohen Energiedichte auch Maiskolbenschrot zum Einsatz.

Munimäster Beat Schreiber: «Wir nutzen jede Stellschraube, um die Qualität zu verbessern»
Familie Schreiber mit Beat und Angela und dem vierjährigen Diego im Munistall.



Schreibers blicken bei der Munimast unbesorgt in die Zukunft, auch was das Mercosur-Abkommen betrifft. «Der Fleischmarkt ist mit der Importregelung an die Inlandleistung gebunden und einigermassen gut geschützt», sagt Beat Schreiber. Anders sehe es für seine Mästerkollegen in Deutschland aus: «Mercosur ist für sie nur schwer verkraftbar. Ihre Märkte sind nicht geschützt», weiss er. «In all den Jahren haben wir nie Absatzprobleme gehabt, auch wenn der Absatz während Corona etwas zurückfiel», ergänzt Angela Schreiber.

Pufferzonen mit Augenmass

Ähnlich akribisch und weitsichtig wie im Stall ist Beat Schreiber auch im Ackerbau unterwegs, und zwar intensiv und aufwendig. «Aber es zahlt sich mit konstant hohen Erträgen aus», sagt er. Fast alles komme unter den Pflug. Neben Rindergülle und -mist und Gründüngungen sorgt Pferdemist für organische Substanz. Der Pferdemist stammt von der Rennbahn Dielsdorf ZH und wird über die gemeinsam mit Martin Derrer geführte «Derrer + Schreiber GmbH» verwertet.

Wichtig ist Schreiber auch das Entgelt für Pflegeaufgaben, die er in dem vor der Haustür gelegenen Neeracherried erledigt.

Munimäster Beat Schreiber: «Wir nutzen jede Stellschraube, um die Qualität zu verbessern»
Schreibers produzieren Munis im Label Swiss-Quality-Beef. Geschlachtet werden die zehn- bis zwölfmonatigen Munis bei einem Schlachtgewicht zwischen 240 und 280 kg.

Der Kanton Zürich hat grosse Pläne für das über 100 ha grosse Flachmoor. So sollen die zwei Kantonsstrassen, die jetzt durch das Neeracherried führen, nach ausserhalb des Moors verlegt werden. Zudem sollte auch die Schutzverordnung angepasst werden.

Der Kulturlandverlust beunruhigt Beat Schreiber und seine Berufskollegen in der Region. Sie haben sich zur IG Züri Nord zusammengeschlossen. «Es ist davon auszugehen, dass hier im Glatttal nördlich von Zürich in naher Zukunft bis zu 400 ha produktives Kulturland überbaut oder in Biodiversitätsförderflächen überführt werden», schildert er und zählt als weitere Beispiele den Flughafenausbau und das Nagra-Endlager auf. Hinzu kommen Flächen, die neuerdings als prioritäre Potenzialflächen für Feuchtgebiete gelten, und eben die Schutzverordnung um das Neeracherried.

«Wir von der IG wollten im Frühjahr eine Infoveranstaltung mit dem Kanton organisieren, an der wir die Amtsstellen über die Schutzverordnung zur Strassenverlegung und die zukünftige Schutzverordnung über das Neeracherried informieren.» Aber der Kanton stellte sich quer. Schreiber und seine Kollegen geben dennoch nicht auf. «Unser Ziel sind Schutz- und Pufferzonen mit Augenmass, sodass auch eine nährstoffreduzierte Düngung möglich wäre», sagt Beat Schreiber. Streue und Ökoheu könne niemand brauchen, das sei nur mit Aufwand verbunden. Aber es sei schwierig, Gehör zu finden.

Mit dem Rücken zur Wand

Was die Landwirtschaft betreffe, stehe man im Kanton Zürich mit dem Rücken zur Wand, stellt Beat Schreiber besorgt fest – und das beeinflusse auch die nachgelagerten Stufen. Das ist ihm als Verwaltungsratsmitglied der Landi Züri Unterland und Mitglied des Fenaco-Regionalausschusses Ostschweiz bewusst. Sehr am Herzen liegt ihm das Getreidezentrum der Getreide Züri Nord AG in Niederhasli ZH, wo er ebenfalls in der Verwaltung sitzt. «Für uns in der Region ist es wichtig, dass die Getreideabnahme in Niederhasli und Steinmaur erhalten bleibt und dass in die Modernisierung der Silos investiert wird», sagt er. Das sei nicht einfach umzusetzen, wenn die Anbaufläche im Kanton Zürich bei diversen Kulturen jährlich um bis zu ca. zwei Prozent abnimmt. Beim Raps ist der Flächenrückgang ebenfalls gravierend, da zunehmend wichtige Pflanzenschutzmittel wegfallen.

Munimäster Beat Schreiber: «Wir nutzen jede Stellschraube, um die Qualität zu verbessern»
Im Vordergrund Schreibers Acker, dann folgt das Selbstpflück-Blumenfeld und hinter der Strasse beginnt das Neeracher Ried. Beat Schreiber befürchtet durch die Pläne der Regierung und die Schutzverordnungen einen massiven Kulturlandverlust.

Ausgleich muss sein

Wer nun denkt, dass Beat Schreiber neben seinem vielfältigen Betrieb und den ausserbetrieblichen Engagements keinen Ausgleich findet, der irrt sich. Im Musikverein Neerach lässt er Munimast und kantonale Landwirtschaftspolitik hinter sich. Er bläst die Tuba und seine Frau Angela das Waldhorn. Der vierjährige Sohn Diego liebt neben den Kälbchen ebenso die Musik und will, wenn er grösser ist, zur Posaune greifen.

Betriebsspiegel

Angela und Beat Schreiber mit Sohn Diego (4) Ort: Neerach, ZH Ackerbau: Getreide, Zuckerrüben, Raps, Soja, Silo- und Körnermais Tierhaltung: 64 Kälber, 54 Vormast, 80 Ausmast, Jährliche Produktion: ca. 200 SQB Munis, 20 bis 30 Remonten Betriebszweige: Schnittblumenfeld zum Selbstpflücken und Weihnachtsbaumverkauf, Pflegearbeiten im Neeracherried Nebenerwerb: Derrer + Schreiber GmbH für Gartenunterhalt und landwirtschaftliche Lohnarbeiten Arbeitskräfte: Betriebsleiterfamilie, Vater Schreiber und ein Festangestellter

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