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Alpine Milchviehhaltung im Laufstall – der Walliser Bergbauer Fabian Lengen lebt seinen Traum von der Viehzucht

Fabian Lengen wollte schon als Kind Bauer werden – doch erst nach Jahren als Chemikant wagte er den Schritt. Heute führt der Walliser auf 1370 m ü. M. in der Bergzone 4 einen modernen Milchwirtschaftsbetrieb. Der neue Laufstall brachte Effizienz, doch Wetter, Wasserknappheit und Bodeneigenheiten stellen Herausforderungen dar.

«Ich wollte schon mein Leben lang Bauern. Doch es hiess: ‹Lern zuerst etwas Rechtes.›» Heute lebt der Walliser Bergbauer Fabian Lengen seinen Kindheitstraum. Im Bergdorf Zeneggen, oberhalb des Visper- und Rhonetals und am Fusse der Moosalp, bewirtschaftet er mit seiner Frau Sabine einen modernen Milchwirtschaftsbetrieb.

Sie erfreuen sich seit Oktober 2024 an einem neuen Laufstall. Dort wurde eine automatische Entmistung eingebaut, gibt es einen Futtermischwagen und einen Zuschieber. Gemolken wird in einem Tandem-Melkstand. Doch der Weg zum modernen Stall und überhaupt zu einem eigenen Milchviehbetrieb war alles andere als einfach.

«Wir konnten viel aufbauen»

Heute schätzt der Landwirt, was er hat, und sagt, auf die persönlichen Ziele der nächsten Jahre angesprochen: «Wir konnten viel aufbauen und haben viel erreicht. Das wollen wir nun halten und möchten auch mal Zeit haben, um das Erreichte zu geniessen.» Von diesem Wunsch zeugt ein Schaukelstuhl im Aufenthaltsraum oberhalb des Stalles. Dieser Raum ist auf drei Seiten komplett verglast und erlaubt den Blick hinunter in den Stall. Noch ist das regelmässige Benutzen dieses Stuhls Zukunftsmusik, verrät der Hausherr.

Alpine Milchviehhaltung im Laufstall – der Walliser Bergbauer Fabian Lengen lebt seinen Traum von der Viehzucht
Der Hof der Familie Lengen ist modern eingerichtet. Dennoch ist in den steilen Berghängen viel Handarbeit für die Futtergewinnung nötig.

Mit Milchkühen fliesst jeden Monat Geld

Fabian Lengen wuchs in Glis im Rhonetal auf. Nach einigen Berufsjahren als Chemikant bei der Lonza zog es Lengen in die Landwirtschaft. Im Jahr 2008 konnte er den Mutterkuhbetrieb seines Onkels und seiner Tante sowie einen Schafbetrieb in Zeneggen übernehmen. Sofort begann er, den Schafstall für Milchkühe umzubauen, und absolvierte parallel dazu bis 2011 die Zweitausbildung zum Landwirt. Sabine lernte er während dieser Ausbildung kennen.

«Mit Milchkühen kommt jeden Monat Geld rein. Mit Mutterkühen nicht», begründet er seinen damaligen Entscheid, auf Milchvieh zu setzen. Das Paar konnte die ursprüngliche Betriebsfläche wegen Betriebsaufgaben von Berufskollegen im Dorf stetig vergrössern. 2012 konnten sie ein Wohnhaus erstellen. 2016 wurde die alte Scheune erhöht, um mehr Volumen für das Heu zu haben, und ein Heukran montiert.

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Die Plaketten zeugen von den Erfolgen in der Viehzucht und werden stolz präsentiert.

Separierte Gülle für die Bergweiden

Mehr Fläche und mehr Tiere in unterschiedlichen Ställen bedeuteten eine immer grösser werdende Arbeitsbelastung für das Paar. Zudem wurde der auf drei Lägern anfallende Mist des Anbindestalls zunehmend zum Problem. Fabian Lengens Vision war damals, eine kleine Biogasanlage zu bauen.

Ein neuer Stall, gar ein Laufstall, war kein Thema. Der Besuch der Agrimesse in Thun BE brachte aber die Wende. «Plötzlich hat es mich gepackt und ich dachte, ein neuer Stall könnte die richtige Lösung sein», erinnert sich Fabian Lengen.

Im September 2023 wurde das Baugesuch eingereicht und vom Kanton Wallis gutgeheissen. Finanzielle Unterstützung bekamen Lengens von der Schweizer Berghilfe. Ende Oktober 2024 konnte der neue Stall bezogen werden. Die Biogasanlage hingegen wurde nicht realisiert. Die im Laufstall anfallende Vollgülle wird nun separiert. «Diese Gülle ist perfekt für die Bergweiden», erklärt der Landwirt. Sie sei dünner, klebe nicht und versickere besser im Boden. Ausgebracht wird sie teilweise durch einen Lohnunternehmer.

Alpine Milchviehhaltung im Laufstall – der Walliser Bergbauer Fabian Lengen lebt seinen Traum von der Viehzucht
Sabine, Fabian und Tim Lengen (v. l.) sind stolz auf ihre Zuchtfamilie um Stammkuh Flora.

Handarbeit gehört in den steilen Hängen dazu

Die Herausforderung im Alltag sei, dass der Stall zwar so modern gebaut wurde, wie es im Flachland bei Neubauten üblich ist. Die Arbeit der Futtergewinnung sei in den Bergen jedoch eine andere und nicht so maschinell möglich wie im Flachland. Der grösste Teil der Futtergewinnung ist Handarbeit. Dazu helfen bislang noch Familienangehörige wie Eltern, Geschwister, Neffen, Onkel und Tante. Doch die familiären Kräfte werden immer weniger. Altershalber oder weil die Interessen woanders liegen.

Auch das Wetter und die Trockenheit bringen Probleme mit sich. Zwar sei es südlich mild. Schon Mitte Mai könne er, trotz der Höhe, heuen. Aber: «Unser Wasser kommt nur vom Schnee. Wir benötigen schneereiche Winter. Ist der Frühling zu trocken, ist das ein Problem», erklärt Fabian Lengen. Und: «Wenn das Gras im Frühling direkt von Braun in Rot, statt zu Grün übergeht, weil es verbrennt, machst du dir schon Gedanken, ob im Winter genug Futter da sein wird», erklärt der Bergbauer.

Wenn der Frühling wie heuer trocken und kalt ist und kein Schnee liegt, fehlt das Wasser schon früh im Jahr. Dann muss von der Wasserfassung im Augstbord auf über 2100 m ü. M. Wasser in die Suonen abgeleitet werden. Wenn weiter oben die Schneeschmelze während der Sommerhitze von Juni bis Ende Juli stattfinde, sei zu viel Wasser da. Ab August fehle das Wasser wieder. Grund ist, dass die Böden fast keinen Humus haben und Wasser nicht gespeichert werden kann. Ideal wären jede Woche 10 bis 15 Liter Niederschlag. Doch dem ist nicht so. Und daher müssen Fabian Lengen und seine Frau Sabine während der Trockenzeiten die Bewässerungen täglich von einer Stelle zur anderen zügeln. «Zwei bis drei Stunden nimmt das jeweils in Anspruch – wenn es optimal läuft», erklärt der Landwirt schulterzuckend.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter und Familie: Fabian und Sabine Lengen, Sohn Tim (11 J.) Ort: Zeneggen VS, 1370 m ü. M. Zone: Bergzone 4 Fläche: 53 ha Tiere: 60 Grossvieheinheiten (GVE) Rindvieh, 4 GVE Zwergesel Stalldurchschnitt: 9268 kg Milch, 4,22 % Fett, 3,37 % Eiweiss

Zwergesel für die Weidepflege

Das Paar führt grösstenteils einen intensiven Betrieb. Doch einige Flächen werden extensiv bewirtschaftet. Denn auch die Biodiversität sei wertvoll. Auf diesen Flächen weidet im Frühling das Jungvieh. Danach kommen die Zwergesel zum Einsatz, was gut gegen die Verbuschung sei. Das Futter sei zudem ideal für die genügsamen Tiere.

Die Kuhherde besteht je zur Hälfte aus Tieren der Rassen Swiss-Fleckvieh (SF) und Red-Holstein/ Holstein (RH/HO). Gestartet ist der Viehzüchter ursprünglich mit RH/HO‑Tieren. Schnell habe er aber gemerkt: «Für unsere Gegebenheiten sind SF besser geeignet.» Er mag grossrahmige Kühe, die Milch geben. Zwar gebe es wegen der Grösse gelegentlich etwas Knatsch beim Linearen, erzählt er.

Die Kühe werden energiebetont gefüttert. Die Energie in der Futtermischung stammt aus getrocknetem Mais und Raigras aus den eigenen Wiesenbeständen. «Raigras bringt Struktur und die Kühe fressen es gern», erklärt Fabian Lengen. Seit dem Einzug in den Laufstall sei die Milchmenge ein wenig gesunken. Dennoch benötige er gesamthaft weniger Kraftfutter. Pro Tier und Jahr werden etwa eine Tonne eingesetzt. Die Milch wird täglich abgeholt und in der Augstbordkäserei in Turtmann zu Raclette und Tomme verarbeitet.

Alpine Milchviehhaltung im Laufstall – der Walliser Bergbauer Fabian Lengen lebt seinen Traum von der Viehzucht
Die Kühe von Fabian Lengen haben eine grandiosen Ausblick.

Zeneggen liegt am Rande der Augstbordregion. Diese ist für ihr Wolfsrudel bekannt. Bislang sei das Wildtier bei ihnen noch kein grösseres Problem, betont Fabian Lengen. Doch trotzdem sei die Unsicherheit da, ob die Wölfe nicht plötzlich Jagd auf Kälber machen könnten. «Denn wolfssicher zäunen ist hier schlicht unmöglich.» Nicht einmal Stecken einstecken gehe wegen der Bodenbeschaffenheit und Trockenheit, erklärt er.

Die erste Zuchtfamilie wurde präsentiert

Trotz aller Widrigkeiten sagt Fabian Lengen: «Wir haben an der Viehzucht uhuere Fröid. Unser Leben dreht sich nur um die Viehzucht und die Landwirtschaft.» Das Strahlen in seinem Gesicht verrät, dass das nicht einfach leere Worte sind. Gross ist daher auch die Freude an der ersten Zuchtfamilie, die dieses Jahr präsentiert werden konnte. Die 13-jährige SF-Kuh Tonto Flora holte mit ihren Nachkommen 84 Punkte, zeigt sich der Viehzüchter, der auch Präsident von Swissherdbook Wallis ist, zufrieden.

Stolz ist er auch auf die im vergangenen Jahr erhaltene Swissherdbook-Auszeichnung «Bestes Betriebsmanagement». Diese Erfolge seien nicht selbstverständlich, weiss Fabian Lengen. Leider bleibe zu wenig Zeit, um die Erfolge zu geniessen. Der Schaukelstuhl mit Blick in den Stall muss wohl noch weiter auf eine Benutzung durch den Hausherrn warten.

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