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Weil die Fenaco ihre Lieferanten mineralischer Dünger diversifiziert, hat sie vorerst ausgesorgt

80 Prozent der mineralischen Dünger bezieht die Agrargenossenschaft Fenaco aus Europa – nur 20 Prozent aus Nordafrika und anderen Ländern. Das erlaubt in der aktuell sehr angespannten Situation auf dem Düngermarkt ein leichtes Aufatmen.

Die Spuren der geopolitischen Herausforderungen machen auch vor der Fenaco-Genossenschaft nicht halt. An ihrer Bilanzmedienkonferenz in Bern musste sie einräumen, dass der Nettoerlös der Genossenschaft mit 7,21 Mrd. Franken knapp unter dem Vorjahr 2024 liegt. Das ist ein Rückgang von 1,1%, was auf die tiefen Preise im internationalen Getreidehandel und im Geschäft mit fossilen Energien zurückzuführen sei.

Zudem war die Konsumentenstimmung gedrückt und aufseiten der Kosten zeichnet sich keine Entspannung ab. Gleichzeitig konnte das Betriebsergebnis (EBIT) 2025 trotz anhaltend hoher Kosten um 3,2 % auf 110,6 Mio. Franken gesteigert werden.

Wirtschaftliche Erwartungen sind «verhalten»

Die wirtschaftlichen Erwartungen für das Jahr 2026 sind aufgrund der unsicheren Marktlage verhalten, wie Geschäftsführer Michael Feitknecht an der Konferenz ausführt. Dennoch gibt sich die Fenaco mit den präsentierten Zahlen selbstzufrieden: So sei die Genossenschaft 2025 in einer anspruchsvollen Marktsituation stabil unterwegs gewesen, heisst es.

Dazu beigetragen habe die breite Aufstellung entlang der Wertschöpfungskette. Auch wegen des Anstiegs der Eigenkapitalquote (66,5%) könne die Agrargenossenschaft langfristig in das Unternehmen und somit in die Basis investieren.

6,7 Millionen fliessen an die Basis zurück

Wie jedes Jahr verkündet die Fenaco den Rückfluss des Ergebnisses an die Basis. Dieses Jahr beläuft sich diese Position auf 36,3 Mio. Franken. Das macht in diesem Jahr ein Drittel des Ergebnisses aus.

Dieser Betrag wird in Form von Leistungsprämien und Zinsen auf Anteilscheine an die Landi-Genossenschaften ausbezahlt. 6,7 Mio. Franken erhalten die Mitglied-Landwirtinnen und Mitglied-Landwirte direkt über die Fenaco-Erfolgsbeteiligung.

Mineralische Dünger zu 80 Prozent aus Europa

Was die Basis und entsprechend die Fenaco‑Genossenschaft derzeit beschäftigt, sind die Verfügbarkeit und der Preis der mineralischen Dünger. Die Agrargenossenschaft hat sich für solche Krisenzeiten bewusst diversifiziert, betont Michael Feitknecht.

Mineralische Dünger beziehe man zu 80% aus Europa, 20% aus Nordafrika und «anderen Ländern». Bis zur Beschaffung der Düngemittel für die nächste Saison, also bis zum Start des Düngervorbezugs ab Sommer 2026, sei die Verfügbarkeit von mineralischen Düngemitteln gewährleistet, so Feitknecht.

Die Fenaco bekräftigt: «Die Versorgung mit Mineraldünger bis zum nächsten Düngervorbezug ist gewährleistet, aktuell aber zu höheren Preisen. Durch die Diversifikation bei den Quellen der Düngemittel sind unsere Kundinnen und Kunden kaum direkt von ausbleibenden Düngemittelexporten aus dem Nahen Osten betroffen», heisst es vonseiten der Genossenschaft. Da die Preise für Düngemittel stark von den Energiepreisen abhängig sind, sind die Auswirkungen aber dennoch auch hierzulande bei den aktuellen Düngemittelpreisen spürbar.

«Zu den Düngemittelpreisen für den nächsten Vorbezug können wir aktuell keine Aussage machen. Die Preise hängen von der Dauer des Konflikts ab und können bis zum Start vom Vorbezug auch wieder sinken», so Mediensprecher Samuel Eckstein.

Weil die Fenaco ihre Lieferanten mineralischer Dünger diversifiziert, hat sie vorerst ausgesorgt
DAP: Diammonium Phosphat; Urea: Harnstoff; MOP: Kaliumchlorid.

Düngemittelpreis-Höchststand seit 2022

Laut Daten der Weltbank stieg der Düngemittelpreisindex im ersten Quartal 2026 um mehr als 12 Prozent. Auf Monatsbasis erreichten die Preise im März 2026 ihren höchsten Stand seit 2022. Der Anstieg des Index spiegelt weitgehend die Auswirkungen der Sperrung der Strasse von Hormus auf die Exporte von Düngemitteln und Betriebsmitteln wider. Am stärksten waren die Preisanstiege bei Harnstoff, während andere Düngemittelsorten moderatere Zuwächse verzeichneten.

Für 2026 wird ein Anstieg des Index um mehr als 30 Prozent prognostiziert, gestützt durch höhere Produktionskosten – insbesondere für Stickstoff- und Phosphatdünger – sowie eine starke Nachfrage, wie einem Bericht der Weltbank zu entnehmen ist.

Es wird erwartet, dass die Preise 2027 nachgeben werden, wenn sich die Exporte erholen und zusätzliche globale Lieferungen verfügbar werden. Dennoch sind die Risiken für den Preisausblick weiterhin existent.

Vorwiegend wegen der hohen Energiepreise und weiterer Produktions- und Handelsstörungen im Zusammenhang mit anhaltenden Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus. Schäden an Produktions- und Exportanlagen für alle damit verbundenen Materialien verschärfen die Situation zusätzlich.

Investition in Bodenkartierungs-Sensor «Terra Scan»

Ein relevanter Ausgabepunkt ist die à-fonds-perdu-Investition in die Forschung. So flossen 4,7 Millionen Franken in Schweizer Hochschulen und in Projekte rund um neue Züchtungsverfahren, den alternativen Pflanzenschutz, die Digitalisierung und Automatisierung der Landwirtschaft sowie Innovationen in der Lebensmittelindustrie. Ein Projekt davon ist TerraScan.

Die Bodenkartierung «Landor Terrascan» erfolgt mithilfe eines Trägergeräts, etwa einer Drohne, die etwa zwei Meter über dem Feld fliegt und die natürliche radioaktive Strahlung von den Elementen Uran, Thorium, Kalium, und Cäsium misst.

Dies geschieht mit einem Analysemodell, welches mit mindestens drei Referenzanalysen kalibriert wird. Dazu gehören Kartierungen der Textur, des pH‑Werts und des Humusgehalts sowie die Messung der Hauptnährstoffe P, K, und Mg. Daraus entsteht eine digitale Karte, die Informationen zu Bodenzusammensetzung (Ton, Schluff, Sand), Humusgehalt, pH-Wert und Nährstoffgehalt liefert.

Terrascan ist auf dem Markt verfügbar und die Anwendung kann an den Feldtagen vom 10. bis 12. Juni in Kirchberg getestet werden.

Zum Programm der Feldtage

Energiequellen sind diversifiziert

Joëlle Hars, seit 1. Januar Leiterin der neu gebildeten Division Energie/Logistik, nutzte die Gelegenheit an der Konferenz, um zu betonen, dass sich die Fenaco auch hinsichtlich der Energiequellen diversifiziert. Dies, weil die Schweiz nach wie vor abhängig von fossilen Energieträgern ist.

Im Bereich der Energiekosten gab es laut der Geschäftsleitung eine leichte Entspannung, weil die Schweizer Landwirtschaft ein gutes Erntejahr verzeichnete, was bei der Genossenschaft in verschiedenen Segmenten zu überdurchschnittlichen Vermarktungsmengen führte.

Dennoch: Das Geschäft mit den erneuerbaren Energien entwickelte sich aufgrund von regulatorischen Unsicherheiten nicht wunschgemäss.

Weil die Fenaco ihre Lieferanten mineralischer Dünger diversifiziert, hat sie vorerst ausgesorgt
Entwicklung des Brent-Rohölpreises über die letzten drei Jahre. Die Einheit der linken Skala entspricht USD pro Barrel (158.9 Liter).

Fehlende langfristige Abnahmegarantien

Auf Nachfrage erklärt die Fenaco: Mit den regulatorischen Unsicherheiten sind unter anderem sinkende Rücknahme- und Einspeisetarife sowie fehlende langfristige Abnahmegarantien gemeint. Lokale Strommodelle wie virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV) oder lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) wurden erst Anfang 2026 gesetzlich konkret geregelt.

Diese fehlende Planungssicherheit führte insbesondere bei grösseren PV-Anlagen zu einer Zurückhaltung bei Investoren und Bauherren. Gleichzeitig verlagerte sich die Nachfrage zunehmend hin zu Lösungen zur Optimierung des Eigenverbrauchs – vorwiegend zu integrierten Systemen mit Batteriespeichern und intelligentem Energiemanagement.

Agrola bietet entsprechende Lösungen an, mit denen sich die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen trotz veränderter Rahmenbedingungen langfristig sichern lässt.

Joëlle Hars brachte auch die Grafik des Rohölpreises mit an die Konferenz. Diese macht deutlich, dass seit dem Angriff auf den Iran am 28. Februar 2026 der Brent-Ölpreis massiv angestiegen ist.


Weil die Fenaco ihre Lieferanten mineralischer Dünger diversifiziert, hat sie vorerst ausgesorgt
Pierre-André Geiser verabschiedet sich in einer turbulenten Zeit aus dem Präsidentensitz des Fenaco-Verwaltungsrats. Am 24. Juni 2026 entscheidet das Gremium im Rahmen der Delegiertenversammlung die Nachfolge. Nominiert ist Landwirt Jean-Daniel Heiniger, welcher seit 2018 als Vizepräsident amtiert.

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