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Wenn der Rohstoff knapp wird und die Bürokratie wächst – was den Viehhandel beschäftigt

Volatilere Märkte, wachsender Regulierungsdruck, sinkende Rinderbestände, eine Ernährungsinitiative, die nach einem wuchtigen Nein verlangt und nun auch noch PFAS: Die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Viehhändlerverbandes 2026 hat ein breites Themenspektrum abgedeckt.

Präsident Otto Humbel liess keinen Zweifel daran, dass sich die Rahmenbedingungen für den Viehhandel grundlegend verändert haben. Der Vieh- und Fleischmarkt ende nicht an der Landesgrenze, mahnte er einleitend.

Handelsströme würden neu geordnet, das Marktumfeld werde immer volatiler, die Regulierung immer strenger. Der Händler sehe sich zunehmend mit Auflagen und Kosten konfrontiert, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Eines aber habe sich nicht verändert, hob Humbel hervor: das Vertrauen.

Der Viehhandel passiere auf dem Handschlag, und das sei in Zeiten der Digitalisierung etwas Besonderes.

Transparenz muss kosten

Die Schere zwischen dem, was der Handel leiste, und dem, was er dafür erhalte, gehe aber immer weiter auseinander. Konsumentinnen und Konsumenten verlangten nach Transparenz, Tierwohl und Regionalität, so Humbel. Das sei eine Chance, denn wer wisse besser darüber Bescheid als die Händler selbst?

Aber das Kostenbewusstsein müsse mitsteigen. Der Handel dürfe nicht zur Gratisdienstleistung verkommen. Sein Appell an die Branche war klar: «Mut zum fairen Preis.»

Auf der politischen Seite machte Humbel deutlich, dass der Verband mit Nachdruck daran arbeite, die Bürokratie im Tierverkehr und bei den Kontrollen auf ein vernünftiges Niveau zu bringen. Die Ernährungsinitiative verlange ein wuchtiges Nein, nur das setze ein Zeichen für eine echte Stärkung der Viehwirtschaft in der Schweiz.

40 000 Stück Bankvieh fehlen

Geschäftsführer Peter Bosshard zeichnete anschliessend ein nüchternes Bild der Marktlage. Wer sich ein wenig mit den Statistiken der Identitas auskenne, der wisse, wohin die Reise gehe. Die Geburten seien rückläufig, Rindfleisch sei gefragt, aber dem Schweizer Markt fehlten schlicht rund 40 000 Stück Bankvieh pro Jahr.

Die Kuhpopulation bilde die Grundlage, und genau hier liege das Problem: Jedes Jahr werde der Kuhbestand weiter abgebaut, weil mehr Kühe geschlachtet würden, als Nachschub heranwachse.

Der Milchviehbestand sei dabei doppelt so schnell abgebaut worden, wie der Mutterkuhbestand aufgebaut werden konnte. Die Milchwirtschaft sei der Motor des Fleischsektors. Kämpfe man nicht gegen diesen Abbau an, werde das Problem gross.

Wenn der Rohstoff knapp wird und die Bürokratie wächst – was den Viehhandel beschäftigt
Die Bernerin Jill Maria Blum wurde als erste Frau in den Vorstand des SVV gewählt. Die junge Mutter ist gelernte Winzerin und Landwirtin und arbeitet im Viehhandelsbetrieb ihres Vaters in Jegenstorf.

Bosshard stellte den Befund auch in einen globalen Kontext: «Gemäss einer Analyse steht der US-amerikanische Rinderbestand auf dem tiefsten Stand seit 75 Jahren.» Und die erhoffte Herdenrekonstruktion verzögere sich weiter.

China führe 2026 zudem ein dreijähriges Importquotensystem ein, was zu höherer Volatilität, steigenden Preisen und einer Umlenkung von Warenströmen führe, mit direkten Auswirkungen auf Europa. Das Fazit lautete: begrenztes Angebot, steigende Viehpreise, hohe Beschaffungskomplexität.

PFAS und Biosicherheit als Brennpunkte

Intensiv beschäftigt den Verband das Thema PFAS. Im Parlament seien zahlreiche Motionen eingereicht worden, berichtete Peter Bosshard, mit dem Ziel, eigenständige Schweizer Grenzwerte anstelle einer schlichten Übernahme der EU-Richtwerte zu etablieren.

Für Rindvieh, Schweine und Geflügel etwa sei ein Grenzwert von 120 Nanogramm pro Kilogramm Frischgewicht vorgesehen. Bosshard mahnte, die Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Tendenz zu Selbstkontrollen, die sich aktuell abzeichne, könne gefährlich sein. Es brauche eine gemeinsame Interessengemeinschaft mit den Bäuerinnen und Bauern, um gegenüber der Politik und der Verwaltung mit mehr Gewicht aufzutreten.

Was die Biosicherheit angeht, sprach Bosshard von einem offenen Prozess. Der Begriff «Vollzugsschwerpunkt» solle künftig durch «Biosicherheit» ersetzt werden, wobei Wissenschaft und Branche noch nicht auf dem gleichen Stand seien.

Die aktuell vorliegenden Unterlagen seien für die Praxis nicht umsetzbar. Es gehe nicht um mehr Kontrollen, sondern um gelebte Biosicherheit im Berufsalltag. Bosshard zeigte sich zuversichtlich, dass man einen gemeinsamen Weg finden werde.

Erste Frau im SVV-Vorstand

Im Rahmen des ordentlichen Wahljahres standen mehrere Erneuerungen an. Bruno Käser, Walterswil BE, und Rolf Rickenbacher, Sissach BL, traten aus dem Vorstand zurück und wurden mit Applaus verabschiedet.

Als Nachfolgerin für Käser wurde Jill Maria Blum aus Jegenstorf BE gewählt, die erste Frau im SVV-Vorstand. Philippe Studer aus Schüpfheim LU, der das Präsidium der Sektion Zentralschweiz übernimmt, rückt für Rickenbacher nach. Otto Humbel wurde zudem als Präsident und Thomas Achermann als Vizepräsident bestätigt.