Der Anbau von Linsen passt gut in Peter Mäders Konzept. Aber seine Idee war es nicht. «Ich habe drei Kinder und eine Tochter isst kein Fleisch», erklärt Ursula Güder-Schwab, die bis 2025 einen eigenen Betrieb in Kallnach BE geführt hat. Besagte Tochter tischte Linsen auf – die mundeten. Die Landwirtin beschloss, selbst Linsen zu produzieren. Auch wenn ihr alle davon abrieten. Von Anfang an arbeitete Güder-Schwab mit Peter Mäder aus Siselen BE zusammen. «Niemand wollte die Linsen trocknen und Pesche ist ein Maschinentüftler», erinnert sie sich.

Von 50 Aren auf vier Hektaren

Die beiden starteten 2017 mit 50 Aren. Heuer bauen sie zum ersten Mal auch für die Landi an, die Linsen wachsen jetzt auf 4 ha. Bisher waren es 1–2 ha. Ursula Güder-Schwab hat die Direktvermarktung ihrer braunen, schwarzen und grünen «Kallnacher Linsen» über die Jahre aufgebaut. Sie sind in Hof- und kleineren Läden in der Region erhältlich, ebenso im «Gmüesgarte» in der Stadt Bern. Ausserdem verkauft die Landwirtin ihre Linsen über ihre Website sowie seit zwei Jahren auf dem Berner Märit. Alles in allem seien es etwa zwei Tonnen, die bisher jeweils haben vermarktet werden können, schätzt sie.

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«Ich spritze da gar nichts»

Ein Hindernis für die Vermarktung war zu Beginn, dass die Linsen nicht biozertifiziert sind. «Ich spritze da gar nichts», bemerkt Peter Mäder. Er stärkt die Kultur lediglich mit einem Spurennährstoffdünger übers Blatt.

«Es gibt kaum eine extensivere Kultur oder eine, die dem Boden besser tut», sagt Mäder. Oberirdisch sind die feinen Linsenpflanzen eher unscheinbar, auch wenn die Reinsaat bald einen ansehnlichen Teppich bildet. «Aber nie ist der Boden krümeliger als nach Linsen», schildert der Landwirt und Lohnunternehmer.

In die Fruchtfolge eingepasst

Eben weil Linsen eine derart extensive Kultur sind, passen sie zu Peter Mäders Betrieb. Er baut eine breite Palette von Ackerfrüchten an, darunter Kartoffeln (Speise-, Industrie- und Frühkartoffeln) sowie Winterzwiebeln. Im Gegensatz zum pestizidfreien IP-Suisse-Getreide sind das intensive Kulturen, hält er fest. «Wenn man sehr intensive Kulturen hat, muss man auch sehr extensive haben», findet er. Ausserdem tragen die Linsen – auch wenn ihr Ertrag von Jahr zu Jahr stark schwanken kann – zur Diversifizierung von Mäders Betrieb bei. «Es geht immer etwas schief», meint er. Bei einem Verkaufspreis von 13 Franken pro Kilo rechnen sich die Kallnacher Linsen.

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Mit dem Pflug – aber bodenschonend

In der Fruchtfolge des Berners stehen Linsen nach Getreide und vor Kartoffeln. Um das Unkraut nach pestizidfreiem Weizen zu kontrollieren, pflügt Peter Mäder die Parzelle. «Wir pflügen generell mehr als auch schon», schildert er. «Weil Herbizide und Fungizide zunehmend fehlen.» Er arbeitet 20 cm tief und hat keinen Onland-Pflug, ist aber überzeugt: «Zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt ist ein Pflug überhaupt nicht schädlich.» Das heisst für ihn, mit leichten Traktoren nur in abgetrocknete Flächen zu fahren. Mit einem Onland-Pflug könne man quasi immer pflügen, «wir fahren jedoch nur, wenn die Bedingungen stimmen.» Anschliessend lässt er die Krume 10 Tage trocknen, bevor gefräst wird. Blanke Böden über den Winter sind für Peter Mäder ein No-Go – er setzt auf artenreiche, abfrierende Gründüngungen mit Leguminosen.

Auf den so vorbereiteten Flächen kommen die Linsen mit einer normalen Getreidesämaschine in den Boden. Stützkulturen, also eine Mischung aus Linsen und Getreide,  haben Peter Mäder und Ursula Güder-Schwab aufgegeben. «Wir hatten zum Teil mehr Getreide als Linsen», beschreibt der Landwirt. Güder-Schwab ergänzt, dass die Kallnacher Linsen dank Reinsaat nun auch glutenfrei sind.

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Wenn Regen droht, lieber früher ernten

Die feinen Pflänzchen brauchen ein ebensolches Saatbett. Es muss eben und steinfrei sein, damit die Ernte gelingt. «Die Schoten hängen einen Zentimeter über dem Boden», gibt Mäder zu bedenken. Das Ernten übernimmt ein spezialisierter Lohnunternehmer aus der Region mit einem normalen Drescher. Anders als Getreide reifen Linsen allerdings nicht gleichmässig ab. Die Pflanze wächst kontinuierlich weiter und trägt immer sowohl reife als auch unreife Schoten. So ist es schwierig, den richtigen Erntetermin festzulegen. Das übernimmt jeweils Ursula Güder-Schwab. «Man muss auch auf die Wetterprognose achten», sagt sie. «Wenn Regen kommt, nehmen wir die Linsen lieber schon bei 17 Prozent Feuchtigkeit.» Getrocknet wird das Erntegut bei Peter Mäder, in einem Trockner, den er aus einer Heubelüftung gebaut hat. Das Reinigen übernimmt die ASS in Moudon VD.

20 Prozent der Ware bleibe auf dem Feld, schätzt der Landwirt. Auch ein erfahrener Drescher erwischt nicht alles. Der Ertrag liege zwischen 800 und 1600 kg/ha. «In einem ganz nassen Jahr hingegen dreschen wir gar nichts.»

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Linsen als Winterkultur zeigen sich frosthart

Üblicherweise sät man Linsen im Frühling, von Mitte März bis Ende April. Ein Teil der Kallnacher Linsen wächst aber als Winterkultur. Die Sorten sind jeweils dieselben. «Wir säen dann etwa zur gleichen Zeit wie den Winterweizen, ab Mitte Oktober», erläutert Peter Mäder. Einjähriges Unkraut sei so kaum ein Problem. Für einen guten Start gibt er wenig P und K bzw. 30 kg N oder 30 m³ Gülle. Danach sind die Linsen quasi sich selbst überlassen. 

Wenn sie Ende Mai blühen, ist meist noch genügend Feuchtigkeit im Boden vorhanden. Sommertrockenheit kann Linsen nichts anhaben. «Sie werden oft auch in Indien unter sehr kargen Verhältnissen angebaut», sagt Ursula Güder-Schwab. Eine Exotin seien sie deshalb trotzdem nicht: Bis vor 50 Jahren habe man Linsen hierzulande angebaut, «sie haben somit Tradition in der Schweizer Landwirtschaft». Sie hofft, dass künftig mehr Menschen nicht nur davon sprechen, weniger Fleisch zu essen – sondern sich auch einheimischen Hülsenfrüchten zuwenden.

Leichte Rübenroder, kleine Güllefässer und bei Bedarf mit Raupen

Linsen in der Fruchtfolge bringen Peter Mäders Böden eine Pause. Schonende Bodenbearbeitung ist ihm aber in all seinen Kulturen ein Anliegen, weshalb er z. B. auf leichte Rübenroder mit sehr kleinen Bunkern und kleine Güllefässer setzt. Je nach Bodentyp bezahlt er gerne den Aufpreis für den Raupendrescher, wenn es an die Getreideernte geht. «Auf den Boden zu achten, zahlt sich aus, jedes Jahr», ist er sicher. Woanders bleibe Regenwasser vom Frühling mitunter das ganze Jahr stehen, ohne zu versickern.

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Netzschwefel gegen Getreidehähnchen und Braunrost

Im Pflanzenschutz sind sich Peter Mäder und Ursula Güder-Schwab einig, dass der richtige Zeitpunkt entscheidend ist. «Vor allem bei Insektiziden ist das wichtig, weil die noch verfügbaren Wirkstoffe ohnehin nur noch eine Teilwirkung haben – bei optimalen Bedingungen», sagt der Landwirt. Er orientiert sich an den Empfehlungen eines Beraters, der jeweils den ganzen Tag in der Gegend unterwegs sei und die Felder beobachte. 

Im pestizidfreien Getreide macht er gute Erfahrungen mit Netzschwefel gegen Getreidehähnchen und Braunrost. Lieber aber beugt Mäder mit diversen Pflanzenstärkungsmitteln vor, von Brennnesselextrakt bis Blattdünger. «Wenn der Schaden da ist, kann man schliesslich nichts mehr machen», so sein Credo.

Die Kallnacher Winterlinsen mussten in diesem Winter –13 Grad durchstehen. Sie haben augenscheinlich keinen Schaden genommen. «Sie sehen wirklich gut aus», freut sich Peter Mäder und begutachtet mit Ursula Güder-Schwab das Feld. Nebenan trocknet ein frisch gepflügter Acker ab. Auch dort gibt es demnächst Linsen – in der Sommervariante.

Betriebsspiegel Peter Mäder, Siselen BE
 
LN: 48 ha
Kulturen: Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Sonnenblumen (alles IP-Suisse), Mais, Raps, Kartoffeln, Winterzwiebeln, Linsen (grüne, schwarze und braune)
Tierbestand: Munimast wird demnächst wegen veraltetem Stall aufgegeben, weiterhin Bezug von Hofdüngern aus der Region
Weiteres: Lohnunternehmen (Säen, Düngen, Pflanzenschutz), Zuckerrüben-Rodegemeinschaft