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Szenarien bewerten: Gestalten Sie den Schweizer Zukunftskompass mit

Um die Zukunft selbstbestimmt zu gestalten, muss die Schweiz wissen, wohin es gehen soll. Zu diesem Zweck gilt es, Szenarien zu beurteilen: Womit könnten Sie leben, was lehnen Sie ab?

An manchen Tagen ist man einfach froh, alles Dringende abgearbeitet zu haben. Die Äcker sind bestellt, das Heu ist im Trockenen, die Tiere sind versorgt. So vergehen Tage, Wochen, Monate und Jahre. «Zukunft» ist da ein reichlich abstrakter Begriff, für den es kaum Raum gibt. Ganz zu schweigen von Visionen, die über den eigenen Betrieb oder die Landwirtschaft hinausgehen und die ganze Gesellschaft betreffen. «Ich habe das Gefühl, wir lassen uns als Gesellschaft richtiggehend treiben von äusseren Entwicklungen, die meist von grossen Tech-Konzernen stammen», sagt Raffael Wüthrich. Er hat die Organisation Monda Futura gegründet – um gemeinsam die Zukunft der Schweiz selbstbestimmt zu gestalten.

Menschen aus dem Alltag holen und gemeinsam träumen

Nur über Zukunft zu reden, ändert noch wenig. Dessen ist sich Raffael Wüthrich bewusst. Doch es war der erste Schritt, den Monda Futura gemacht hat. An Veranstaltungen in der ganzen Schweiz – von Städten über kleine Ortschaften bis auf eine Alp, in Form von Treffen, Wanderungen, Spaziergängen und Online-Formaten – wurde zusammen mit über 1300 Menschen geträumt. «Das ist gar nicht so einfach», bemerkt Wüthrich. Es galt, die Teilnehmenden aus ihrem Alltag zu holen, in eine lockere Stimmung zu kommen und Sorgen beiseitezulegen. Nur so konnten Visionen für eine lebenswerte Zukunft entstehen.

Repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung

Monda Futura hat 40 Szenarien entwickelt, aus den Ideen der erwähnten 1300 Menschen. Das Meinungsforschungsinstitut GFS Bern wurde zur Unterstützung beigezogen, damit die Studie wissenschaftlich und repräsentativ ist. «Wir haben die Aussagen aus den Zukunfts-Veranstaltungen in Einzelaussagen zerlegt und analysiert», beschreibt Raffael Wüthrich. Das ergab knapp 10 000 Fragmente, aus denen die Szenarien entstanden. In politisch links orientierten Kreisen habe er mit der Idee, über Zukunft zu visionieren, geradezu offene Türen eingerannt. Etwas mehr Rekrutierungsarbeit brauchte es in politisch weiter rechts gelegenen Bevölkerungsteilen. «Unsere Befragung ist jetzt aber repräsentativ, was Alter, geografische Herkunft, Geschlecht und politische Orientierung angeht», sagt der Monda-Futura-Gründer.

Szenarien bewerten: Gestalten Sie den Schweizer Zukunftskompass mit
Um die 40 Zukunftszenarien zu entwickeln, hat Monda Futura in der ganzen Schweiz Veranstaltungen durchgeführt. Es gab auch Spaziergänge oder eine Wanderung auf eine Alp.

Vier Szenarien speziell für die Landwirtschaft

Friede ist ein grundlegendes Anliegen, das alle zu teilen scheinen. Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung werden aber offenbar ebenso als zentral angesehen. Unter den 40 Zukunfts-Szenarien sind entsprechend vier, die sich ganz der Landwirtschaft widmen. Sie sind sehr unterschiedlich: Mal geht es primär um regionale Strukturen und Saisonalität, dann liegt der Fokus auf einer Produktion im Einklang mit natürlichen Kreisläufen, auf stark pflanzenbasierter Ernährung mit hohem Tierwohl oder man träumt von einer hoch technologisierten und effizienten Lebensmittelproduktion.

Grosse Visionen, zentral für den Fortschritt der Gesellschaft

Derzeit und noch bis am 14. Juni läuft die zweite Phase des Projekts von Monda Futura: die Bewertung der Szenarien. Dazu kann man via Online-Fragebogen sechs zufällig ausgewählte Zukunftsvisionen beurteilen. Sie sind in kurzen, eingängigen Situationen beschrieben und sollen danach bewertet werden, ob man persönlich damit leben könnte oder nicht. Viel möge aus heutiger Sicht unrealistisch erscheinen – gerade solch grosse Visionen seien aber zentral für den Fortschritt einer Gesellschaft.

Es geht nicht darum, Mehrheiten zu finden

Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, kann sich durch alle 40 Szenarien arbeiten. «Das dauert etwa 40 Minuten», sagt Raffael Wüthrich. Er ist erstaunt darüber, dass bisher mehr als die Hälfte der Teilnehmenden tatsächlich alles gelesen und bewertet haben. «Das ist sehr untypisch für unsere Zeit – und sehr erfreulich.» Er bekomme die Rückmeldung, dass die Möglichkeit zum Eintauchen in die sehr unterschiedlichen Visionen geschätzt wird. Noch im Sommer will Monda Futura bekannt geben, welche Szenarien am besten ankommen. «Wir suchen keine Mehrheiten, sondern jene Visionen, die am meisten Begeisterung und gleichzeitig am wenigsten Widerstand wecken», betont Wüthrich. Wichtig ist, auch für die zweite Phase möglichst viele unterschiedliche Menschen zur Teilnahme zu gewinnen – z. B. aus der Landwirtschaft.

Szenarien bewerten: Gestalten Sie den Schweizer Zukunftskompass mit
Raffael Wüthrich hat Monda Futura gegründet.

Der nächste Schritt: Gemeinsam in Richtung des gefundenen Ziels arbeiten

Weder allein durch Reden und Träumen noch durch Bewerten geraten die grossen Steine ins Rollen – auch wenn es hilft, Zukunftsszenarien überhaupt einmal Platz zu geben. Aber Monda Futura geht weiter. Wenn der «Zukunftskompass» steht, zeigt er ein repräsentatives Abbild dessen, wohin die Schweizer Bevölkerung sich entwickeln will. Zusammen mit Unternehmen, Gemeinden, Städten und Kantonen will Monda Futura im Anschluss daran arbeiten, in diese Richtung zu gehen. «Wir wissen dann, auf welches Zielbild es hinzuarbeiten gilt», fasst Raffael Wüthrich zusammen. Er ist zuversichtlich, dass das Projekt nicht im Sand verlaufen wird. «Je grösser die gesellschaftliche Debatte über den Zukunftskompass wird, desto grösser wird auch der Wunsch von Unternehmen, Gemeinden und Co., selbst Teil der Umsetzung zu werden.»

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