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Christian Riggenbach probiert alles aus, was sich anbauen lässt – und weiss, dass das nicht jedem möglich ist

Der Solothurner Biolandwirt Christian Riggenbach sammelt Erfahrungen mit diversen Kulturen. Mit manchen hat er Erfolg, der Absatz ist meistens schwierig. Und die Voraussetzungen müssen stimmen, damit das Risiko tragbar ist.

«Produkte, die eine Bedienungsanleitung brauchen, haben es schwer am Markt», sagt Christian Riggenbach. Der Absatz von wenig bekannten Nischenkulturen sei harzig, die Verarbeitung z. T. zeitintensiv und das Ganze somit «Hochrisiko». Trotzdem hat der Biolandwirt aus Solothurn in den letzten Jahren so ziemlich alles ausprobiert, was ihm an speziellen Ackerkulturen in die Hände kam. «Ich liebe es, Dinge zu entwickeln», erklärt er seine Motivation. Das Ausprobieren liege ihm einfach. «Und es ist auch etwas Spekulation für die Zukunft», ergänzt Riggenbach. Die eine oder andere Kultur könnte schliesslich einmal wichtig werden. «Und solange ich es nicht versucht habe, weiss ich nicht, ob es hier wachsen würde.»

Flächen frei einteilbar und eigene Mechanisierung

Der Solothurner hat auf dem Rosegghof, den er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester betreibt, ideale Bedingungen für seinen experimentellen Ackerbau. «Wir haben fast 50 ha LN, wovon rund die Hälfte Ackerland ist», beschreibt er. Die Flächen sind grösstenteils arrondiert und grenzen an die Stadt Solothurn, statt an landwirtschaftliche Nachbarn. So kann Riggenbach die Flächen nach Lust und Laune aufteilen – oder je nachdem, wie weit das Saatgut reicht.

Ein kleiner, alter Mähdrescher macht den Landwirt flexibel beim Ernten. «Die Maschine haben wir auf Ricardo gefunden», berichtet er. Sie war fachmännisch instandgesetzt worden und lasse sich auf weniger Metern einstellen als grössere Modelle. Auch die kleine Getreidereinigungsanlage ist eine Occasion. «Sie stammt ursprünglich aus der DDR», so Riggenbach. Eine eigene, einfache Trocknungsanlage, bestehend aus einem Gebläse und fünf Paloxen, komplettiert seine Ausrüstung.

Viele Ideen aus verschiedenen Quellen

Ideen dazu, «was man noch alles essen» – und damit anbauen könnte – bekommt der Junglandwirt einerseits von Abnehmern wie Biofarm, andererseits aus seinem Umfeld. Informationen über die Ansprüche neuer Kulturen finde er beim FiBL, im Austausch mit Berufskollegen oder durch Internet-Recherche. «Im Biobereich ist Ausprobieren eher üblich und auch, dass man das Wissen anschliessend teilt», beobachtet er. Die Beschaffung von Saatgut könne indes eine Herausforderung sein.

An einem Holztisch vor dem Bauernhaus erklärt Christian Riggenbach ausführlich, was – unter anderem – auf seinen Feldern bisher alles gewachsen ist:

Quinoa: Das war vor 10 Jahren die erste Nischenkultur, die er ausprobiert hat. «In meiner jugendlichen Naivität damals gleich auf 2 ha», erinnert sich Riggenbach. Funktioniert habe es nicht, der Acker habe sich zur Unkrautwiese entwickelt. Rückblickend hätten die Saat- und Hacktechnik nicht gestimmt und das Wissen gefehlt. «Das Risiko war astronomisch, so was würde ich nie mehr machen.» Mit der eigenen anderen Sämaschine und durch ein Blech verkleinerter Tank, um die winzigen Körner exakter dosieren zu können, und auf der Hälfte der Fläche konnte der Solothurner später etwa 30 kg gereinigtes Quinoa ernten. «Es gab mir der Kopf nicht zu, das nicht abzugeben», sagt er lächelnd. Die Ernte habe in zwei Gemüsekisten gepasst.

Gewürzfenchel: Die Pflanze wird zur Samengewinnung und nicht als Gemüse angebaut. Der Fenchel blüht allerdings erst im zweiten Jahr und braucht zum Ausreifen lange Sommer. «Bei uns sind die Sommer zu kurz», stellt Christian Riggenbach fest. Ausserdem habe die Kultur fast einen Monat gebraucht, um zu keimen, und liess sich nicht blindstriegeln. Dadurch nahm das Unkraut Überhand. «Bei unserer Ackerverunkrautung muss ich nach 2–3 Wochen hineinfahren können», gibt er zu bedenken. Jäten von Hand wäre zu aufwendig gewesen. Nach zwei Versuchen hat Riggenbach den Gewürzfenchel aufgegeben. «Aber ich habe ihn immer noch auf den Feldern», bemerkt er zum hartnäckigen Durchwuchs.

Amaranth: Die Körner dieses Pseudogetreides sind kleiner als ein Stecknadelkopf und entsprechend schwierig zu säen. Für eine bessere Bodenbedeckung gegen Unkraut hat Christian Riggenbach auf 25 cm Reihenabstand gesät und ein passendes Hackgerät selbst gebaut. «Das hat eigentlich gut funktioniert», so sein Fazit. Nach dem Durchgang mit seinem kleinen Mähdrescher habe er «überall Kessel darunter stellen» müssen, weil Amaranthkörnchen aus allen Ritzen der Maschine rieselten. Zum Reinigen kam ein Sieb mit extra kleiner Lochung für die Reinigungsanlage zum Einsatz.

Goldhirse: Sie gelinge ausgezeichnet und habe sich als praktische Ausweichkultur erwiesen, wenn z. B. ein Feld Sonnenblumen den Krähen zum Opfer falle. «So kann man Ende Mai noch Fehler ausbügeln und Hirse säen», sagt Christian Riggenbach.

Buchweizen: Ebenfalls unkompliziert und als Knöterichgewächs eine willkommene Abwechslung in der Fruchtfolge.

Kornblumen: In Zusammenarbeit mit einem Kräuterbauer hat Christian Riggenbach Kornblumen für Kräutersalz oder Teemischungen angebaut. Weil er die Fläche ausdehnte und die Blumen als Ackerkultur behandelte, statt sie von Hand zu jäten und zu ernten, war die Qualität nicht besonders hoch. «Wir haben dreimal geerntet und es gab eine enorme Menge Blüten», schildert er. Vor allem im zweiten und dritten Durchgang seien aber viele weisse und rote Blütenblätter dabei gewesen und der Aufwand für die Ernte – drei Tage zu viert im Drei-Schicht-Betrieb mit 40 Traktorstunden – riesig. Am Ende entschied sich der Abnehmer, lieber auf handgepflückte Kornblumen zu setzen. Sie wachsen aber nach wie vor bei Riggenbach – als Beikraut aus der reich gefüllten Samenbank.

Speisesoja: Hier schätzt der Solothurner frühreife Sorten, um im Herbst vor der nächsten Saat noch eine Bodenbearbeitung durchführen zu können. «Im September möchte ich die Soja ernten», erklärt er. Zur externen Verarbeitung – z. B. zu Tofu – müsste Riggenbach das Erntegut allerdings weit transportieren und hat den Sojaanbau für die menschliche Ernährung daher nicht weiterverfolgt.

Auskernbohnen: Mit 1 ha gestartet, baute er bald 2 ha und später 3 ha verschiedener Bohnen an, etwa Borlotti oder rote Kidney. Das Saatgut, das mehrheitlich aus Italien stamme, erhielt er von Biofarm. «Im ersten Jahr war es gut, im zweiten so so lala und im dritten eine Grossernte», sagt Christian Riggenbach.

Braunsenf: 2025 gab es auf seinen 1,5 ha Senf Top-Erträge. Zuvor fiel die Ernte sehr mager aus und die Senfkörner waren rot statt braun. «Wir haben dann selbst Senf daraus gemacht für den Hofladen.» Das Produkt sei beliebt, weil dieser Senf zwar aromatisch, aber nicht allzu scharf sei.

Der Koriander ist geblieben

Zwar orientiert sich der Biolandwirt an der guten landwirtschaftlichen Praxis, was die Fruchtfolgegestaltung angeht. Eine fixe Fruchtfolge hat er aber nicht, da er seine Flächen immer wieder anders aufteilt und eben häufig andere Kulturen einbaut. 2026 ist die Zusammenstellung eher unspektakulär. Das Experimentelle beschränkt sich auf eine Mischkultur aus Platterbsen und Hafer. «Platterbsen gelten als sehr trockenresistent», erklärt Christian Riggenbach.

Fix ins Portfolio des Rosegghofs geschafft hat es Koriander. Diese Gewürzpflanze keimt relativ schnell und erlaubt daher zeitiges Hacken, um das Unkraut im Zaum zu halten. «Es kann gelingen, oder auch nicht – Koriander bleibt eine Risikokultur», sagt Christian Riggenbach. Er hat aber Freude daran. Auch, weil das Feld würzig duftet. Seinen Koriander verkauft der Solothurner an einen Tessiner Gewürzhändler.

Betriebsspiegel Rosegghof

LN: 50 ha, davon 27 im Ackerbau Kulturen (2026): Dinkel, Kartoffeln, Futtersoja, Speisehafer, Winterweizen, Roggen, Mischkulturen (Ackerbohnen-Hafer, Eiweisserbsen-Hafer, Platterbsen-Hafer), Koriander, Sonnenblumen Tiere: 9 Eringer-Mutterkühe, 80 Legehennen, 150 Mastpoulets, 2–3 Schweine pro Jahr Betriebszweige: Hofladen und Gastronomie (Eltern Ursula und Martin Riggenbach), Pensionspferde mit Reitschule und Pferdeausbildung (Schwester Denise Riggenbach), Ackerbau (Christian Riggenbach)

Fehlschläge muss man wegstecken können

«Ich spreche nicht von Innovation, sondern von Risikoverteilung», erklärt Christian Riggenbach seine Haltung. Er habe lernen müssen, dass bei so viel Ausprobieren praktisch immer etwas schiefgeht. «Ich habe lieber Freude an dem, was gut läuft, statt mich über das zu ärgern, was schiefgeht.» Seine Experimentierfreude beschränkt der Biobauer bewusst auf eine kleine Fläche. So, dass er Fehlschläge wegstecken kann. «Alles andere tut einem nicht gut und raubt den Schlaf.»

Gleichzeitig betont er seine guten Voraussetzungen für experimentellen Anbau. Das sind die erwähnten Strukturen wie Flächen und Maschinen, aber auch die Art und Weise, wie der Rosegghof als Ganzes funktioniert. Die einzelnen Betriebszweige sollen sich einzeln rentieren, können Defizite je nach Jahr aber auch untereinander ausgleichen. Die grosse Gesamtackerfläche lässt genug Platz, um verlässliche Kulturen für sicheres Einkommen neben kleinflächigen Risikokulturen zu haben.

Mit dem guten Geschmack statt mit «vegan» werben

«Das kann nicht jeder machen», ist sich Christian Riggenbach zusammenfassend bewusst. Dafür gibt es aber noch einen weiteren, entscheidenden Grund, mit dem die meisten seiner Anbau-Anekdoten enden: den fehlenden Absatz. «Die verarbeitende Industrie muss auf Schweizer Rohstoffe setzen», glaubt er. Es gelte, wegzukommen vom abgeflauten Vegan-Trend hin zu einer Argumentation, die den guten Geschmack eines Produktes ins Zentrum stellt. Und es müsse einfach in der Zubereitung sein. «Ich sehe das an mir selbst: Ich kaufe lieber Bohnen in der Dose, als sie einen halben Tag einzuweichen.» Bohnen würde er gerne im grösseren Stil anbauen und mit Schweizer Ware die Bohnen aus China ersetzen, über die er sich als Kunde im Detailhandel aufregt. Der Anbau hierzulande sei erprobt und funktioniere, betont der Biolandwirt.

Eine Lösung für die Absatzprobleme hat Christian Riggenbach nicht. Die Motivation zum Ausprobieren aber nach wie vor. Und für Quinoa gibt er doch noch eine kleine Bedienungsanleitung mit auf den Weg: «Das muss man vor dem Kochen waschen, um die Saponine zu entfernen. Sonst schmeckt Quinoa einfach nicht.»