Ein ausgeklügeltes Koppelsystem, saisonale Abkalbung und eine auf Weidehaltung abgestimmte Herde bilden die Grundlage für eine wirtschaftliche und arbeitswirtschaftlich attraktive Milchproduktion. Das demonstriert Familie Burger auf ihrem Betrieb inhttps://burgershof.ch/ Friedlisberg AG.
Gras als wichtigste Kulturpflanze
Auf 630 Metern über Meer bewirtschaften Ana und Lukas Burger mithilfe einer Lehrlingsperson einen 45 Hektaren grossen Biobetrieb. Die Milchwirtschaft liegt vollständig in Anas Verantwortung, während Lukas Burger den Acker- und Futterbau sowie ein Lohnunternehmen mit Schwerpunkt Güllemanagement führt. Die Biomilch wird über Mittelland Milch an Emmi geliefert.
Im Zentrum des Betriebssystems steht das Gras. Rund 65 Kiwi-Cross (eine Kreuzung von Neuseeländischen Holstein- und Jersey-Kühen) und 20 Aufzuchttiere bilden die Herde. Die Wahl dieser neuseeländisch geprägten Kreuzungsrasse ist kein Zufall: Die Tiere sind auf hohe Grundfutterverwertung und Weidetauglichkeit ausgelegt und liefern trotz vergleichsweise moderater Milchmengen beachtliche Inhaltsstoffe. Die durchschnittliche Jahresleistung liegt bei rund 5900 Kilogramm Milch pro Kuh, gehaltskorrigiert sogar bei gut 6000 Kilogramm. Mit fünf Prozent Fett und vier Prozent Eiweiss erreicht die Herde Werte, die für die Wirtschaftlichkeit der Weidemilchproduktion entscheidend sind. Dazu meint Ana Burger: «Unsere Kiwi-Cross sind der Ferrari unter den Weiderassen!»
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Konsequent auf Koppelweide setzen
Die Grundlage der Fütterung bildet ein intensives Rotationsweidesystem. Insgesamt stehen den Kühen 24 Koppeln mit Flächen von rund 70 Aren zur Verfügung. Nach jedem Melkgang wird eine neue Koppel geöffnet. Mit mobilen Zwischenzäunen passt Ana Burger die verfügbare Futtermenge flexibel an den Grasaufwuchs und den Bedarf der Herde an.
Die Ruhezeiten der Weiden liegen zwischen 18 und 25 Tagen. In trockenen Phasen werden die Umtriebszeiten gezielt verlängert, damit die Pflanzen ihre Reserven wieder aufbauen können. Gerade auf den eher schweren Böden des Betriebs habe sich dieses Vorgehen bewährt, sagen Burgers. Trockenere Jahre brächten oft bessere Bedingungen als niederschlagsreiche Perioden, in denen Trittschäden und Bodenverdichtungen stärker ins Gewicht fallen.
Im Frühjahr wird ein Teil der Flächen konserviert oder vom Jungvieh genutzt, um den sogenannten Futterberg abzubauen. Die Jungtiere verbringen den Sommer auf der Alp, wodurch dann zusätzliche Weidekapazitäten für die Milchkühe frei werden.
Die Weidepflege als Erfolgsfaktor
Nach drei bis vier Beweidungsdurchgängen werden die Flächen gepflegt. Dazu werden die Bestände tief vorgemäht, sodass die Kühe das angewelkte Material fressen können. Ziel ist dabei nicht die Gewinnung hochwertigen Futters, sondern die Förderung eines gleichmässigen und leistungsfähigen Pflanzenbestandes.
Auch die Düngung ist auf die Weiden abgestimmt. Eingesetzt wird separierte Gülle mittels Verschlauchung. Auf Ausbringung bei grosser Hitze wird bewusst verzichtet. Ergänzend erfolgt alle zwei Jahre eine Übersaat mit speziellen Weidemischungen, die unter anderem Zichorien und Spitzwegerich enthalten. Diese Arten gewinnen im Hinblick auf zunehmende Trockenperioden an Bedeutung, da sie tief wurzeln und die Futterproduktion auch unter schwierigen Bedingungen stabilisieren können.
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Die Milch aus Gras gewinnen
Die Fütterungsstrategie auf Burgers Hof orientiert sich konsequent am Grundfutter. Während der Galtphase im Winter erhalten die Kühe hauptsächlich Öko-Heu. Ergänzend wird teilweise Heu von anderen Biobetrieben zugekauft, die viehlos sind und wegen der Bio-Richtlinien Kunstwiesen in der Fruchtfolge ausweisen müssen. Die Weidesaison beginnt in der Regel Anfang März. In den ersten Wochen wird das Grasangebot mit einer Mischration aus dem Harvestore-Silo ergänzt. Ab Ende März decken die Kühe ihren Nährstoffbedarf praktisch vollständig auf der Weide.
Kraftfutter spielt auf dem Betrieb kaum eine Rolle. Ein Raufutterwürfel, bestehend aus Kleie und Zuckerrübenschnitzeln, dient im Melkstand als Lockfutter und Träger für die Mineralstoffversorgung. Bei ungünstiger Witterung wird Heu zugefüttert.
Saisonale Abkalbung schafft Freiräume
Ein zentrales Element des Betriebskonzeptes ist die saisonale Abkalbung. Die Kühe werden Mitte November trockengestellt, sodass die Familie bis Anfang Januar eine melkfreie Zeit geniessen kann. Diese Phase bringt nicht nur arbeitswirtschaftliche Vorteile, sondern ermöglicht auch die gezielte Durchführung von Unterhaltsarbeiten und schafft Freiräume für Familie und Erholung.
Ab dem 10. April beginnt die Besamungssaison. Während drei Wochen kommen KB-Stiere zum Einsatz, anschliessend läuft ein geleaster Angus-Stier mit der Herde mit. Ein Vorteil der Kiwi-Cross-Genetik sind Stiere, die eine «kürzere» Trächtigkeit vererben; diese werden in der zweiten Hälfte der KB-Zeit eingesetzt. Die bis zu zehn Tage kürzeren Trächtigkeiten erlauben es, das Abkalbefenster kompakt zu halten. «Jeder Tag, den die Kuh früher abkalbt, ist ein Tag, den sie länger Milch gibt, und darum ein Gewinn in diesem System», sagt Ana Burger dazu.
Technik unterstützt die Natur
Trotz des stark grasbasierten Produktionssystems setzt Ana Burger auch gezielt moderne Hilfsmittel ein. Sämtliche Kühe tragen Ohrmarkensensoren, die Aktivität und Wiederkauverhalten überwachen. Abweichungen werden direkt auf das Mobiltelefon der Betriebsleiterin gemeldet. Dadurch lassen sich Brunstereignisse zuverlässig erkennen und Gesundheitsprobleme oft bereits im Frühstadium feststellen.
Gerade in einem saisonalen Abkalbesystem mit engem Besamungsfenster ist eine präzise Brunsterkennung von grosser Bedeutung. Die Sensorik hilft dabei, Fruchtbarkeitsprobleme frühzeitig zu erkennen und den Arbeitsaufwand zu reduzieren. Gleichzeitig können Erkrankungen schneller behandelt werden, was Tierwohl und Wirtschaftlichkeit verbessert.
Ein Betriebssystem mit Zukunft
Der Betrieb von Ana Burger zeigt eindrücklich, dass erfolgreiche Weidemilchproduktion weit mehr bedeutet, als Kühe auf die Weide zu lassen. Entscheidend sind ein konsequent umgesetztes Weidemanagement, eine auf das System abgestimmte Genetik, eine durchdachte Fruchtbarkeitsstrategie und die Fähigkeit, die Bewirtschaftung laufend an Witterung und Futterangebot anzupassen.
Während viele Milchviehbetriebe versuchen, Leistung über zusätzliche Inputs zu steigern, setzt Ana Burger auf die optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Das Ergebnis ist ein robustes Produktionssystem mit tiefen Futterkosten, hoher Arbeitswirtschaftlichkeit und einer Milchproduktion, die direkt auf dem wertvollsten Futtermittel des Betriebs basiert: dem Gras.

