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«Der Tongehalt sagt, wie viel Humus der Boden enthalten sollte – nicht, wie viel er enthalten könnte»

Humus ist ein Schlüsselfaktor für Bodengesundheit und ‑fruchtbarkeit. Es gilt aber, den Humusgehalt richtig zu interpretieren, um entsprechend handeln zu können, meint Alice Johannes von Agroscope.

Organische Substanz – auch bekannt als Humus – macht Böden besser. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) definiert Humus in einem Merkblatt als die gesamte tote organische Substanz im Boden. Es ist pflanzliches und tierisches Material in verschiedenen Zersetzungsstadien.

Solange die Bedingungen mit ausreichend Sauerstoff und nicht zu tiefen Temperaturen stimmen, schreitet diese Zersetzung durch die Aktivität von Bodenlebewesen fort. Der Humus wird bewohnt und mineralisiert, wodurch Nährstoffe wie Stickstoff oder Schwefel für Pflanzen verfügbar werden.

Mit zahlreichen Bodenfunktionen verbunden

Humusaufbau und -erhalt gelten als klimafreundlich, sind aber auch für die landwirtschaftliche Produktion höchst relevant.

«Die organische Bodensubstanz, kurz OBS, ist der meistgenutzte Indikator für die Bodengesundheit – weil sie einfach mit so vielen wesentlichen Bodenfunktionen verbunden ist», verdeutlicht Alice Johannes, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gruppe Bodenqualität und Bodennutzung bei Agroscope.

Erheblicher Mangel in der Schweiz und weltweit

Humus oder die OBS beeinflusst demnach die meisten Prozesse, die zur Bodenfruchtbarkeit beitragen, sowie alle ökologischen Funktionen des Bodens. Sich zersetzende Ernterückstände oder Hofdünger sind Quelle und Reservoir für Nährstoffe, dienen als Lebensraum für Organismen im Untergrund und sind Teil geschlossener Kreisläufe.

Organische Substanz verbessert die Bodenstruktur und die Wasserspeicherfähigkeit einer Fläche. «Sie ist ein Schlüsselelement für Böden, die gegen extreme Klimaereignisse wie Trockenheit oder Nässe resilient sind», sagt Alice Johannes.

Umso beunruhigender ist der Befund, dass bei einem Teil der Ackerflächen in der Schweiz – genauso wie andernorts auf der Welt – ein erheblicher Mangel der OBS festgestellt wird.

Daher ist es aus Sicht von Agroscope besonders wichtig, dass Landwirt(innen) die OBS-Werte ihrer Böden richtig interpretieren und ihre Anbaumethoden entsprechend wählen können.

Das Verhältnis von Humus und Ton ist entscheidend

Wenn es um Pflanzenbaugrundlagen geht, gehören die «Grundlagen für die Düngung (GRUD)» zu den Standardwerken. Beim Thema OBS müssten sie aber aktualisiert werden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung von Agroscope.

Der OBS-Gehalt einer Fläche werde mit den GRUD-Angaben kaum einmal als unzureichend beurteilt – was dem erwähnten Befund grossflächigen Mangels widersprechen würde. Wichtiger als die absolute Menge OBS in einem Boden ist allerdings das Verhältnis von OBS und Tongehalt.

1:5,8 oder 17 Prozent gilt dabei laut Agroscope als realistisches Ziel für landwirtschaftliche Böden von guter Qualität. Unter 13 Prozent des Tongehalts an Humus sei ein Boden degradiert, über 22 Prozent des Tongehalts werde der OBS-Gehalt als «sehr gut» eingestuft.

Ein Boden mit 20 Prozent Tongehalt sollte daher 3,4 Prozent OBS-Gehalt (Humus) haben und nicht weniger als 2,6 Prozent. Um dieses Verhältnis überhaupt feststellen zu können, braucht es analytische Werte mit einer Bodenprobe aus dem Labor, keine Schätzungen aus Fühlproben.

Wenn die organische Substanz im Boden fehlt

«Es gibt seit Jahrzehnten viele Studien, die den Zusammenhang zwischen OBS und Tongehalt zeigen», hält Alice Johannes fest. «Das Neue hier ist einfach, dass man feststellen konnte, wie viel es für eine resiliente Bodenstruktur

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