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Barbara Niederberger: Ihr Podcast vernetzt Bäuerinnen

Bäuerin Barbara Niederberger aus Buochs NW vernetzt mit ihrem Podcast «ausSicht der Bäuerinnen» Schweizer Bäuerinnen – und zeigt als dreifache Mutter mit bewegter Betriebsgeschichte, dass sich Durchhalten lohnt.

Als hätte Barbara Niederberger nie etwas anderes getan als Podcast-Gespräche zu führen, so routiniert klingt sie bei ihren Interviews. Heute hat die 35-Jährige ihr Mikrofon, ihren Laptop und ihre Kopfhörer in die Stube gezügelt – eine Ausnahme für die BauernZeitung. Denn hier sitzt die Bäuerin mit Aussicht auf die Berge und spricht mit Bäuerinnen über deren Aussicht oder eben aus ihrer Sicht.

Tönt ein wenig kompliziert, ist aber ganz einfach: «Ich spreche mit meinem Gegenüber, das meistens bei sich zu Hause sitzt, über Themen, die sie beschäftigen (also ihre Sicht) und deren Aussicht. Darum auch meine Titelwahl: ‹ausSicht der Bäuerinnen›, erklärt die junge Bäuerin.

Podcast-Gedanke vor drei Jahren

«Meine ersten Gedanken, einmal einen eigenen Podcast zu führen, kamen mir nach der Geburt des ältesten Sohnes im Jahr 2018. Damals hörte ich einen Podcast nach dem anderen: von Babysachen bis Elternsein. Cool, dachte ich. Hier bekommst du wichtige Informationen von Müttern und Fachpersonen. So etwas müsste es doch auch für Bäuerinnen geben.»

Sie informierte sich und stellte fest, dass solches in der Schweiz noch nicht existiert. Das ist mein nächstes Ziel, war sie sich sicher. Es passte damals noch nicht – das Projekt wurde auf Eis gelegt – oder: Die Zeit war noch nicht reif.

Sie hat viel erlebt und möchte anderen Mut machen

Die gelernte Augenoptikerin und Bäuerin mit Fachausweis ist auch als Expertin bei der Berufsprüfung der Bäuerinnen tätig. Mit ihrem Mann Armin, gelernter Landwirt und Agro-Techniker, bewirtschaftet Barbara Niederberger einen Bio-Milchwirtschaftsbetrieb in Buochs NW.

Das junge Paar hat aber schon viel erleben müssen. Steinig war der Weg, eine eigene Existenz aufzubauen. Sie weiss, dass sie nicht die einzigen sind, und möchte anderen Mut machen, nicht aufzugeben.

Aussiedeln oder enteignet werden

«Mein Mann Armin und ich wollten im Jahr 2019 in Büren NW den Betrieb seiner Eltern übernehmen, inklusive des Bergbetriebes auf Wiesenberg. Im Herbst 2018 wurden wir informiert, dass für das Hochwasserschutzprojekt Buoholzbach unser Talbetrieb in Büren benötigt werde. Gleichzeitig erhielten wir vom Kanton das Angebot, einen Betrieb in Buochs als Tausch zu übernehmen», blickt Barbara Niederberger zurück.

Und zwar die Vorder Loren, unmittelbar oberhalb der Autobahn, wo sie nun wohnen. «Wir wurden quasi vor die Tatsache gestellt: entweder aussiedeln oder enteignet werden.»Sie seien danach wie gelähmt gewesen. Von einer Minute auf die andere wurden ihre Pläne in Luft aufgelöst. Zudem durften sie die Hiobsbotschaft ein halbes Jahr lang niemandem erzählen.

«Wir wussten, entweder machen wir mit, sprich, gehen auf das Angebot und den Tausch ein, oder wir haben nichts mehr.» Es sei sehr schlimm gewesen, berichtet die Bäuerin.

Barbara Niederberger: Ihr Podcast vernetzt Bäuerinnen
Backen mit Leidenschaft: Für Gäste, die den «Gade» besichtigen gibt’s Lebkuchen mit eigenem Most.

Gutes Weideland musste aufgegeben werden

«Uns war klar, wenn wir den Betrieb in Buochs annehmen, müssen wir schon im Frühjahr 2019 dessen Land bewirtschaften. Der Termin war gesetzt, weil die ehemaligen Bewirtschafter dann aufhörten. Beide Betriebe zu führen, war für uns zu viel, darum gründete Armin mit seinem Bruder eine Gebrüder-Betriebsgemeinschaft.» erzählt sie.

In Büren führten sie einen Milchwirtschaftsbetrieb, der Betrieb in Buochs war für Mutterkuhhaltung ausgerichtet. Es musste eine neue Scheune, beziehungsweise deren Umbau geplant werden, parallel zu den laufenden Verhandlungen mit den Projektverantwortlichen vom Hochwasserschutzprojekt Buoholzbach.

«Für meinen Mann war es eine extreme Herausforderung, der Betrieb in Buochs ist steil und schattig. Die bisher praktizierte Weidehaltung konnte nicht mehr so weitergeführt werden.»

Wir verstanden die Welt nicht mehr

2021 entschieden sich Barbaras Eltern, ihren 18 ha grossen Pacht-Betrieb weiterzugeben. «Die rettende Lösung, dachten wir. Das Land ist ideal zum Weiden und alles arrondiert. Hier können wir unser neues Betriebszentrum errichten und von hier aus auch das Land in Buochs bewirtschaften. Überglücklich haben wir mit dem Kloster die Baueingabe für einen neuen Stall gemacht.»

Dann kamen jedoch Einsprachen, das Kloster stand plötzlich nicht mehr hinter dem Projekt. Sogar die Pacht wurde infrage gestellt und der Betrieb öffentlich ausgeschrieben. «Für uns ein absoluter Tiefschlag. Leider bekamen wir sehr lange keine Gelegenheit, am runden Tisch alles zu besprechen», bedauert die Bäuerin aufrichtig.

«Wir waren sehr nahe dran, alles hinzuschmeissen, denn wir verstanden die Welt nicht mehr. Zudem hatten wir schon mehrere zehntausend Franken investiert. Es kostete uns auch sehr viel Zeit und Nerven», schaut sie nachdenklich zurück.

Betriebsspiegel

Name: Barbara Niederberger Ort: Buochs NW Betrieb: Bio-Milchwirtschaftsbetrieb mit Betriebszentrum in Buochs NW (zusätzlich Land in Büren und Stans) Ackerfläche: 37 ha, 11 eigen, Rest Pacht Viehbestand: 40 Kühe (Braunvieh und 1 Swiss-Fleckvieh) Melkroboter und automatisierte Fütterung, 35 Rinder (Eigenaufzucht)

Situationen, in denen Frauen unterschätzt werden, nerven

«So blieb uns nichts anderes übrig, als die Umbaupläne in Buochs fortzusetzen. Mein Mann plante den Scheunenumbau mit Melkroboter und automatischer Fütterungsanlage und ich den Hausumbau mit drei Wohneinheiten», erzählt Barbara Niederberger.

Leider musste sie in diesem Projekt spüren, dass es nicht selbstverständlich ist, dass eine Frau einen Umbau plant und die Ansprechperson ist. Immer wieder wurde sie gefragt, wo ihr Mann sei, um das Projekt zu besprechen. «Ich bin gewiss keine Feministin. Aber solche Situationen, in denen wir Frauen immer wieder unterschätzt werden, nerven.» Das sei ein weiterer Grund, weshalb sie Anfang dieses Jahres mit dem Podcast gestartet habe.

Das Glück war dann doch noch auf ihrer Seite: Anfang 2023 konnten sie mit dem Kloster alles besprechen und ein neues Konzept für die Bewirtschaftung des Landes einreichen. Kurz danach kam die Zusage.

Neue Heimat in Buochs

Sehr froh war das junge Paar, dass in Buochs alles reibungslos vonstatten ging: «Im November 2023 war der Stallumbau fertig und das Vieh gezügelt. Im März 2024 durften wir dann in unser Haus einziehen. Wenn ich zurückschaue, frage ich mich oft, wie wir das alles geschafft haben.»

Barbara Niederberger: Ihr Podcast vernetzt Bäuerinnen
Dank dem modernen Umbau kann Barbara Niederberger viele Arbeiten im Gade alleine bewältigen, was sie sehr gerne macht.

Dann war die Zeit reif. Die vielseitige Bäuerin realisierte Ende 2025 endlich ihr Herzensprojekt. Im Januar 2026 schaltete Barbara Niederberger ihren ersten Podcast auf. «Ich habe mich sehr gut vorbereitet. Besuchte einen Onlinekurs, kaufte ein Mikrofon und fragte die ersten Bäuerinnen an. Alle waren von Anfang an begeistert» erzählt sie voller Freude.

Der Podcast erfordert Organisation

«Als Ergänzung zu den Gesprächen mit den Bäuerinnen gibt es jeden Monat einen Podcast mit einer Fachperson. Dabei werden für die Bäuerinnen relevante Themen besprochen und wichtige Inputs weitergegeben.» So erhielten die Zuhörerinnen und Zuhörer viele wichtige Inputs, erklärt Barbara Niederberger.

Die Podcasts dauern 50 Minuten, brauchen aber mit Vorbereiten, Aufnehmen, Schneiden und Bearbeiten sieben bis zehn Stunden. «Immer am 1. und 15. des Monats erscheint ein neuer Podcast. Bis Ende Jahr sind die Themen geplant und Gesprächspartner(innen) schon ausgewählt», erzählt Niederberger strahlend.

Die Bäuerin ist sehr gut organisiert. Damit sie ein wenig dazuverdienen kann, wirbt sie Sponsoren an. Sie sei sehr zufrieden mit ihrem Start. Die ersten Folgen wurden bis zu 2000 mal angehört und sie habe auch schon über 500 Follower.

Weder Hofladen noch Garten, dafür einen Podcast

Die Rückmeldungen seien positiv und viele Bäuerinnen glücklich, weil sie hiermit erfahren, dass sie mit ihren Herausforderungen, nicht allein sind. «Ich bin halt eine etwas andere Bäuerin, die weder einen Hofladen noch Garten besitzt: dafür einen Podcast», sagt Barbara Niederberger schmunzelnd.

Ideen hat die dreifache Mutter noch ganz viele. «Alles der Reihe nach. Denn ich möchte meine Arbeit im Haushalt und Stall nicht missen und genügend Zeit für unsere Kinder haben.» Trotz der vielen Arbeiten findet die 35-Jährige Zeit, ihrem Hobby, dem Nähen, nachzugehen, zu backen oder ein gutes Buch zu lesen.

Augenoptikerin ist ihr Traumberuf

Ein grosser Wunsch der Bäuerin Barbara Niederberger ist jedoch, irgendwann wieder ihrem Traumberuf als Augenoptikerin nachzugehen und Schule auf ihrem Bauernhof (SchuB) anzubieten.

Sie freue sich, nach den sehr intensiven Jahren, mehr Zeit für die Familie zu haben und auch mal für ein paar Tage in die Ferien zu fahren. Sie seien nun sehr gut positioniert und all die Erfahrungen hätten die Familie noch mehr zusammengeschweisst.

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