25 Jahre nach der Gründung trafen sich die Delegierten der Interprofession du Gruyère (IPG) in Grandson VD. Während sich die Covid-19-Krise 2020 und 2021 positiv auf die Produktion und den Verkauf von Gruyère AOP ausgewirkt hat, wird die gute Dynamik nun durch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt gebremst.
Hohe Lagerbestände
Ende April musste man sich daher mit relativ hohen Lagerbeständen abfinden, während letztes Jahr um diese Zeit nicht alle Bestellungen zu 100 % ausgeliefert werden konnten, so Direktor Philippe Bardet.
Die Gründe für diesen Umschwung? Die Nachfrage ist in Europa um etwa 10 % zurückgegangen und verläuft auf dem heimischen Markt unregelmässig. Die April-Zahlen liegen zwar noch nicht vor, aber laut Affineuren sind die Exporte nach Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern und Grossbritannien rückläufig. Und in der Schweiz sind die Verkäufe laut Bardet seit Ostern weniger gut.
Mehrmenge wieder reduziert
Die Exporte erreichten 2021 mit 14'168 Tonnen, davon 8427 in Europa, einen neuen Rekord, so Bardet weiter. 2022 habe die Schliessung des russischen und des ukrainischen Marktes bisher Verluste von 300 bis 400 t zur Folge. Der gute Geschäftsgang anderswo, insbesondere in den USA, gleiche diese Rückschläge aber teilweise aus, so der Direktor weiter. Die Verkäufe auf den Exportmärkten wurden mit 13,2 Mio Fr. gefördert, wovon der Bund via Switzerland Cheese Marketing 6,4 Mio Fr. beitrug.
Im derzeit komplizierten Umfeld wurde die im Januar beschlossene vorübergehende Erhöhung der Produktionsrechte um 5 % im konventionellen Kanal wieder aufgehoben, teilte der Direktor weiter mit. Im Bio-Segment wurde diese Erhöhung hingegen beibehalten. Die Gesamtproduktion für 2022 wird auf knapp 33'000 t geschätzt, was etwas unter dem Wert von 2021 liegt.
Kritik zurückgewiesen
Bardet reagierte auch auf Kritik des Freiburger Bauernverbands, der die Preiserhöhung von 4,9 Rp./kg ab September als zu bescheiden betrachtet. Trotz allem, was gesagt und geschrieben werde, bleibe der Gruyère-Preis der höchste in der Schweiz.
Wichtigstes Ereignis der DV war der Rücktritt von Präsident Oswald Kessler. Zu seinem Nachfolger wurde Pierre-Ivan Guyot, der Leiter des Neuenburger Landwirtschaftsamts, gewählt. Die Feierlichkeiten zum 25-Jahr-Jubiläum werden Ende Jahr stattfinden.

