Milchverarbeiter Cremo-Geschäftsführer Ralph Perroud mit sofortiger Wirkung abgesetzt Freitag, 28. November 2025 Nachdem Ende 2025 Cremo-Geschäftsführer Ralph Perroud mit sofortiger Wirkung abgesetzt worden war, folgt schon der nächste Knall: Der Molkereikonzern Cremo muss den Rücktritt von fünf seiner neun Vorstandsmitglieder hinnehmen.

Drei Vorstandsmitglieder gehen per sofort

Davon sind drei diese Woche mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. «Von den drei Rücktritten mit sofortiger Wirkung ist einer durch die kommunalpolitischen Tätigkeiten des Verwaltungsratsmitglieds begründet, das kürzlich wiedergewählt wurde. Zu den beiden anderen können wir uns nicht anstelle der betroffenen Personen äussern», sagt Cremo-Pressesprecher Alex Segovia gegenüber der BauernZeitung. 

Wie die BauernZeitung herausgefunden hat, soll es sich dabei um den Vizepräsidenten Bertrand Schrago, Gabriel Yerly und Jean-Louis Barras handeln. Die drei sollen eine enge oder indirekte Verbindung zum Verband der Fribourger Milchgenossenschaften (FSFL), dem Hauptaktionär von Cremo, unterhalten. 

Rücktritte haben keine Auswirkungen auf Produzenten

«Wir stehen in engem Austausch mit unserem Hauptaktionär. Alle Überlegungen der letzten Monate wurden mit dem Aktionär geteilt. Kürzlich hat die FSFL zudem ihre Unterstützung für die Reform der Unternehmensführung auch öffentlich zum Ausdruck gebracht», hält Segovia fest.

Nun sei eine umfassende Umstrukturierung der Leitung im Gange. Wie Alex Segovia, Pressesprecher der Cremo, gegenüber der BauernZeitung sagt, hätten die Rücktritte absolut keine Auswirkungen auf ihre Milchlieferanten: «Der Aktionär bleibt Eigentümer und ist im Verwaltungsrat vertreten. Zudem stehen wir auch mit Produzentenorganisationen wie APLC und VBMC in regelmässigem Austausch», hält Segovia fest.

Interne Differenzen seien nichts Ungewöhnliches

Nun kommen für Cremo, neben dem schwierigen Milchmarkt, auch noch interne Differenzen dazu. «Das ist nichts Ungewöhnliches», so der Pressesprecher. Solche Situationen könnten die Dynamik eines Gremiums naturgemäss auf die Probe stellen. «Es kann vorkommen, dass Einschätzungen oder Sichtweisen zu bestimmten Ausrichtungen vorübergehend auseinandergehen. Hinzu kommen in einzelnen Fällen auch persönliche Gründe», sagt er.

Eine Restrukturierung dieser Grössenordnung brauche Zeit, sei anspruchsvoll und erfordere einen langen Atem. «Wir müssen die eingeleiteten Massnahmen konsequent weiterführen und die Transformation beschleunigen», sagt Alex Segovia. 

Die Zusammensetzung des neuen Verwaltungsrates werde den Aktionären an der Generalversammlung vom 11. Juni 2026 zur Genehmigung vorgelegt.

Zu viel Milch, die nicht gekauft wird

Abo Wenig Anlass zur Hoffnung Die Lage auf dem Milchmarkt: Überproduktion hält an – noch ist keine Entspannung in Sicht Dienstag, 27. Januar 2026 Wie erwähnt ist der aktuelle Milchmarkt alles andere als rosig, auch bei Cremo: «Der Milchmarkt ist sicher eine grosse Herausforderung», sagt Segovia. Nach wie vor werden erhöhte Milchmengen (±5 % zum Vorjahr, aber bereits 0,5 % tiefer als 2024) angeliefert. «Wir haben in der Schweiz das Problem, dass wir mit einer guten Produktion einem schwachen Absatz gegenüberstehen», so der Sprecher.

Hinzu kommen reduzierte Exporte bei Schokolade und Biskuits sowie hohe Butterimporte und Magermilchpulver für den Veredelungsverkehr. 

«Die Cremo-Produzenten beteiligen sich solidarisch mit 10 % C-Milch daran, dass das Milchfett in kontrollierten und geordneten Bahnen exportiert wird. Das Schlimmste wäre, wenn solche Mengen die Segmentierung aushebeln würden», sagt Segovia.

Trotz Druck zahlt Cremo mehr für Milch

Eines muss man der Cremo lassen: Von verschiedenen Direktlieferanten hört man, dass sie gegenüber anderen Milchverarbeitern einen besseren Milchpreis von der Cremo erhalten würden. 

«Wir richten unsere Preise am Markt aus und verhandeln diese faktenbasiert quartalsweise und aktuell monatlich mit dem Komitee der Direktlieferanten», hält Alex Segovia fest. Er hofft, dass sich die internationalen Preise weiter erholen würden. Die aktuelle politische Lage in wichtigen Exportmärkten lasse aber keine verlässliche Prognose zu.

Weiter beteilige sich Cremo als Verarbeitungsdienstleister an der Regulierung von vertragslosen Milchmengen in der Schweiz. «Cremo geht kein Risiko bei solchen Mengen ein. Der Ertrag aus diesem Geschäft kommt den Milchproduzenten indirekt zugute, hat also nichts mit den ausbezahlten Milchpreisen zu tun», so seine Erklärung.