Jetzt gehe die Überproduktion zurück, sagte Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM). «Das Preissignal hat gewirkt. Ich glaube, die Situation entspannt sich etwas.» An der DV in Bern erklärte Hegglin, was aus Sicht der Branchenorganisation zur schwierigen Lage auf dem Milchmarkt geführt hat – und wie es weitergehen soll. «Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre die Situation viel schlimmer», zeigte er sich überzeugt.
Weniger Verarbeitungskapazitäten, vor allem im Regulierbereich
Am Anfang der Probleme stand eine Verkettung von gleichzeitigen Herausforderungen, führte Peter Hegglin aus: Die sehr hohen Milchmengen in der Schweiz und weltweit aufgrund der exzellenten Futtergrundlage Ende 2025, Schwierigkeiten im Aussenhandel wegen des Zollstreits sowie starken Frankens und nicht zuletzt ein Rückgang der Verarbeitungskapazitäten. «Die haben wir vor allem bei den Regulierprodukten verloren», so der BOM-Präsident. Es wurden Firmen geschlossen oder zusammengelegt. Laut TSM und einer Schätzung von Emmi geht man von derzeit rund 3650 Millionen kg im Inland produzierter Milch aus, die Verarbeitungskapazitäten von 3500 Millionen kg gegenüberstehen.
Die Branche hat bisher folgende Massnahmen ergriffen, um Markt und Wertschöpfung zu stabilisieren:
Fettmarktentlastung: Exportbeiträge für Butter- und Rahmexporte als Unterstützung für jene, die sich an der Fettmarktentlastung beteiligen.
Aufruf an Gross- und Detailhandel: Sie sollen mehr Schweizer Milchprodukte ins Sortiment nehmen und verkaufen, damit die Produzenten und Verarbeiter ihre Mehrproduktion absetzen können.
Preissignal: Zur Deckelung der Milchmenge bei 105 Prozent, um die Milchmenge über eine marktnahe Massnahme zu reduzieren.
Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit: Senkung des A-Richtpreises per Februar 2026 um vier Rappen. Das soll die Milchpreisdifferenz zum Ausland senken, um Marktanteile zu verteidigen.
Wie Peter Hegglin versicherte, ist die BOM früh aktiv geworden. Er wertet es als Erfolg, dass keine Milch weggeschüttet werden musste.
Vorschläge für Anpassungen zuhanden ausserordentlicher DV
Der BOM-Präsident ist sich aber bewusst, dass nun die Frage der Solidarität im Raum steht. Das habe man mehrfach diskutiert und werde es vertieft analysieren. Die Branchenorganisation müsse aber die ganze Branche im Blick behalten. «Wir können nicht Massnahmen für einzelne Betriebe ausgestalten», hielt Peter Hegglin fest. Die zuständige Kommission der BOM beschäftige sich jetzt mit der Analyse der Wirksamkeit der ergriffenen Massnahmen und arbeite an Verbesserungen. Allenfalls sollen entsprechende Vorschläge im Herbst einer ausserordentlichen DV vorgelegt werden. Hegglin öffnete nach diesen Ausführungen die Diskussion.
«Sonst wird die Politik reagieren. Und es wird Mehrheiten geben.»
Neben den genannten vier Massnahmen forderte Mooh-Präsident Martin Hübscher Anpassungen in der Umsetzung der Segmentierung. «Mehr Verbindlichkeit und Transparenz sind zwingend», meinte er. Es gelte, den gut laufenden Inlandmarkt für Molkereiprodukte nicht zu verlieren. Die Massnahmen müssten nicht nur analysiert, sondern umgesetzt werden. Hübscher, selbst SVP-Nationalrat, appellierte an die Branche, schnell zu sein: «Ich kann euch sagen, sonst wird die Politik reagieren. Und es wird Mehrheiten dafür geben.» Von der Politik übersteuert zu werden, komme nicht gut, warnte er und forderte seinerseits den Detailhandel auf, Schweizer Milchprodukte vermehrt zu verkaufen. «Jetzt gibt es befremdliche Aktionen, etwa für französische Milchprodukte von Président – das versteht niemand», betonte Hübscher. Peter Hegglin versprach, das Votum für die nächste Sitzung der BOM aufzunehmen.
Bereit sein für den nächsten Winter
BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler ging näher darauf ein, welche nächsten Schritte geplant sind. «Die Arbeitsgruppe hat bereits mit der Analyse der Marktlage begonnen», sagte er. Es gebe eine externe Begleitung durch einen Experten und eine klar strukturierte Marktanalyse, in der alle Zahlen zum Milchmarkt aufgearbeitet werden. «Unser Ziel ist, mit Anpassungen unserer Instrumente für den kommenden Winter parat zu sein.»

Spezielles Augenmerk auf Freiwilligkeit der C-Milch
2025 hatte die BOM ein besonderes Augenmerk auf die Freiwilligkeit der C-Milch. Diese Regel basiert auf der Überlegung, dass nicht produzierte Milch in jedem Fall die bessere Option wäre als C-Milch. Kontrollen zur Freiwilligkeit fanden im Vorfeld der C-Milch-Kampagne vom Winter 2025/2026 statt. «Alle Erstmilchkäufer mussten uns einen kurzen Bericht dazu schreiben, wie sie die C-Milch-Freiwilligkeit handhaben», schilderte Stefan Kohler. In drei Fällen habe man danach interveniert. Die Sanktionskommission der BOM entscheidet, ob die angewandten Modalitäten dem Reglement entsprechen oder ob es Anpassungen braucht. Sie legt allenfalls auch die Frist fest, bis wann eine neue Lösung umzusetzen ist.
Einen Teil des Veredelungsverkehrs zurückgewonnen
Aufgrund der Übermengen im Milchmarkt hatte die BOM im vergangenen Jahr mehr zu tun mit ihren beiden Fonds. Die Fettexporte wurden via Fonds Rohstoffverbilligung verstärkt gestützt, dafür flossen fast 60 Millionen Franken. «Auf diese Weise konnten wir einen ziemlichen Teil des Veredelungsverkehrs zurückgewinnen», erläuterte Stefan Kohler. 5,8 Prozent der Gesamtmilchmenge – 193 Millionen kg Milch – konnten ihm zufolge dank des Fonds Rohstoffverbilligung 2025 abgesetzt werden.
Im vergangenen Jahr kam zum ersten Mal die Milchfettbox des Fonds Regulierung zum Einsatz, um Fettüberschüsse auf dem Schweizer Milchmarkt zu regulieren. Die Delegierten stimmten zu, die Fettexportstützung bis Ende 2026 weiterhin befristet auf 32,4 Rp./kg erhöht zu halten.
Die Fonds der BOM werden über einen Einzug von 5 Rp./kg nicht verkäste Milch gespeist – «aus der Zulage für Verkehrsmilch des Bundes», betonte Stefan Kohler. Es handle sich somit um Steuergelder. Da die Einzahlungen für alle nicht verkäste Milch erfolgen, sieht Kohler im Fonds-System einen Beitrag zur Solidarität: Alle bezahlen und das Geld kommt jenen zugute, die im Regulierbereich aktiv sind. «Es könnte besser sein, es könnte aber auch schlechter sein», findet er.
Klimarechner auf Kurs
Der Klimarechner BOM ist ab dem 1. Juli 2026 einsatzbereit, informierte Stefan Kohler an der DV. «Es ist hervorragend gelaufen, wir hatten Zeit und Budget im Griff», bilanzierte er. Der Rechner sei benutzerfreundlich, die Dateneingabe einfach und es gebe Schnittstellen zu TVD und TSM. Damit soll jeder Betrieb seinen Klimafussabdruck in kg CO2/kg Milch rechnen können. «Wir würden jetzt gerne starten mit dem Klimarechner», so Kohler. «Die Frage ist, was die Produzenten zum Mitmachen motiviert.» Die finanzielle Entschädigung fürs Ausfüllen des Rechners und für positive Ergebnisse seien noch nicht klar – auch wenn es dazu an «fast jeder Sitzung» des Vorstands intensive Diskussionen gebe. Allerdings will die Milchbranche keinen Alleingang starten, sondern eine Lösung für den ganzen Sektor finden. Das gestaltet sich laut Stefan Kohler schwierig. Das Klimabündnis Lebensmittel (gegründet im Sommer 2025) sollte eigentlich für ein einheitliches Klimabilanzierungs- und Abgeltungssystem sorgen, um Treibhausgas-Emissionen ohne Reduktion der Inlandproduktion zu senken. «Ich bin nicht sicher, ob wir zum Ziel kommen», gab der BOM-Geschäftsführer zu. «Vielleicht müssen wir einmal die Grösse haben, alleine mit der Umsetzung zu starten.» Weitere Akteure könnten sich ja dann anschliessen.
Neu im Vorstand
Andreas Wegmüller (Cremo), Andreas Hinterberger (Berg-Käserei Gais), Hanspeter Egli (SMP), Marc Benoit (Prolait) und Benoît Kolly (Laiterie du Mouret) sind aus dem Vorstand der BOM zurückgetreten. Neu gewählt wurden Ernst Arn (Cremo), Micaël Müller (SMP), Peter Strähl (Strähl Käse AG), Matthias Wunderlin (Migros), Alexandre Fontannaz (Prolait) und René Pernet (Fromagerie du Haut-Jorat SA).

