Der Werbefilm für Käse zu Beginn der Jahresversammlung sei bewusst eingeblendet worden, meinte Thomas Grüter, Präsident der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) vor den 190 Delegierten. Der Käseabsatz sei schwieriger. Trotzdem sei der Luzerner Rahmkäse nach wie vor ein florierendes Flaggschiff beim Absatz durch die Emmi AG.
Gutes Futter führt zu mehr Milch
Derzeit beschäftigt die Milchproduzenten vor allem die Regulierung der Milchmenge. Die Produktion sei nach wie vor sehr hoch. In der Zentralschweiz waren es letztes Jahr 526 Mio. kg durch die 2706 ZMP-Mitglieder. Eingekauft hätten die ZMP 446 Mio. kg Milch, deutlich mehr als im Vorjahr. Davon waren 380 Mio. kg von den Direktlieferanten Suisse Garantie und 41 Mio. kg Biomilch, wie Geschäftsführer Pirmin Furrer aufzeigte. Weiter rückläufig ist hingegen der Anteil Käsereimilch, die machte noch rund 102 Mio. kg aus.
Die Gründe für die hohe Produktion sind hinlänglich bekannt, so wegen des letztjährigen guten Futterbaujahres, aber auch wegen reduzierter Verarbeitungskapazitäten, steigender Käseimporte und rückläufigem Veredelungsverkehr.
Nicht nur die Milchbauern sind schuld
Zur «Milchschwemme» meinte Pirmin Furrer, dass nicht nur die Bauern daran schuld seien, sondern auch einige externe Faktoren wie die US-Zölle, die Frankenstärke, die hohe Produktion und die tiefen Preise in Europa, die fehlende Wirtschaftlichkeit einiger Milchverarbeiter sowie die Folge der Milchknappheit in den Vorjahren.
Zum oft kritisierten Veredelungsverkehr wies Furrer darauf hin, dass dieser stark rückläufig sei. «Zudem sind das kleine Mengen im Vergleich zu den Käseimporten.» Furrer mahnte, mehr die Zusammenhänge zu beachten statt zu polemisieren.
Gute Preise bei den ZMP
Preislich zahlten die ZMP schweizweit überdurchschnittlich. 68,4 Rappen waren es im Schnitt letztes Jahr für Milch Suisse Garantie und 94 Rappen für Biomilch. Immer besser werde die Milchqualität, sodass immer mehr Produzenten für viele Jahre einwandfreie Milch geehrt werden könnten, freute sich Furrer.
Aktuell seien die Milchlieferungen europaweit noch immer sehr hoch, ebenso in den USA und auch global. Ein Prozent globales Wachstum liege drin, aber nicht über vier Prozent wie aktuell. «Erstmals kamen sogar Milchprodukte von den USA nach Europa», erklärte Furrer.
Im März lagen die Einlieferungen in der Zentralschweiz noch immer mehr als sieben Prozent über dem Vorjahresmonat. Die Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahr seien nun aber leicht rückläufig.
Höhere Preise sind in Aussicht
Die B-Preise der BOM seien auf tiefem Niveau wieder leicht steigend. «Auch wir realisieren eher wieder bessere Preise beim Milchverkauf», sagte Pirmin Furrer. Positiv entwickle sich in den letzten Monaten der Käseexport, allerdings auch der Käseimport. Die Verarbeitungskapazitäten bleiben angespannt. «Bald kommt die Zeit, in der die Milchmengen wieder knapp werden», meinte Furrer.
Für das laufende Jahr rechnet Furrer mit einem rund fünf Rappen tieferen ZMP Basis Milchpreis als 2025. Auch bei Bio rund zwei Rappen weniger. Mittelfristig würden die Milchpreise ZMP aber stabil bleiben. Bis Ende Mai könne die Mengenbegrenzung wohl wieder aufgehoben werden.
Emmi-Verwaltungsratspräsident Urs Riedener wies auf den guten Absatz und die guten Prognosen für die Zukunft hin. «Milchprodukte liegen dank der Megatrends Genuss und Gesundheit wieder sehr im Trend.»
Rekordumsatz wegen hoher Milchlieferungen
Finanziell erzielten die ZMP einen Rekordumsatz von 325 Mio. Franken (Vorjahr 310 Mio.). Davon machte der Beteiligungsertrag 32,7 Mio. aus. 29,6 Mio. Franken davon wurden an die Produzenten rückvergütet. Der Jahresgewinn lag bei rund 890 000 Franken.
In der Diskussion wurde unter Applaus gefordert, den Spielraum bei der Rückvergütung der Emmi Dividende an die Milchbauern zu nutzen, das heisst mehr auszuzahlen, zumal ja dieses Jahr mit weniger Milchpreis gerechnet werden müsse.
Emmi-Aktien schenken ein
Die ZMP Invest AG hält 53,4 Prozent der Emmi-Aktien, die Dividendenerträge davon lagen bei 47 Mio. Franken. Gut laufe es bei der Beteiligung Neue Napfmilch AG, während das Geschäftsergebnis der Bergkäserei Marbach AG weiterhin unbefriedigend sei.
Genehmigt haben die Delegierten eine neue Vision ZMP 2035+. Demnach soll eine standortangepasste, ressourceneffiziente und tierwohlorientierte Milchproduktion gefördert werden. Und den Mitgliedern sollen Perspektiven durch gute Lebens-, Arbeits- und Einkommensgrundlagen geboten werden.
Raumplanungsgesetz vernünftig anwenden
Hella Schnider, Mitglied der Kommission Raumplanung, Umwelt und Energie des Luzerner Kantonsrates, orientierte über die Auswirkungen des revidierten Raumplanungsgesetzes auf die Landwirtschaft. Sie wies auf die angespannte Stimmung beziehungsweise den grossen Frust der Luzerner Landwirtschaft über die Vollzugspraxis beim Bauen ausserhalb der Bauzonen hin. Dazu hat der Regierungsrat ja kürzlich eine Task Force eingesetzt. Neu gilt aufgrund des neuen Raumplanungsgesetzes künftig ein Stabilisierungsziel. Neue Gebäude sind nach der wohl bald erreichten Überschreitung des Zieles nur mehr mit Kompensationen, das heisst Abbruch eines anderen Gebäudes, möglich. Der finanzielle Anreiz der Abbruchprämie sei begrenzt, die Wirkung stark abhängig vom Vollzug, so Schnider. Zusammenfassend meinte sie, dass das neue Gesetz zwar mehr Klarheit und den Vorrang der Landwirtschaft in der Landwirtschaftszone bringe, die neuen Instrumente aber auch Unsicherheiten bergen. «Entscheidend ist nicht das Gesetz, sondern wie es angewandt wird», meinte sie an die Adresse der Verwaltung. In der Diskussion bemängelten mehrere Votanten unter Applaus die Luzerner Vollzugspraxis. Die Politik sei nun gefordert, zu handeln.





