Urs Winzeler aus Barzheim SH war einer von vielen unzufriedenen Milchbauern an der Generalversammlung der Mooh Genossenschaft: «So einen schlechten Milchpreis hatten wir noch nie», bemerkte er in seinem Votum in der Markthalle Rothenthurm. So habe die nächste Generation Milchbauern keine Perspektiven mehr. «Wenn unsere Organisationen nicht fähig sind, das Beschlossene umzusetzen, muss ihnen das Geld gestrichen werden», kritisierte Urs Winzeler die BOM und die SMP. Einzelne Milchbauern im Saal forderten gar einen Austritt aus diesen beiden Organisationen.
Bestellmengen bei Mooh reduziert
Für Mooh-Geschäftsführer René Schwager ist ein Austritt aktuell kein Thema. Aber auch er wählte klare Worte: «In der Branche fehlt momentan der Wille, die C-Milchmengen solidarisch zu verteilen, die BOM und die SMP präsentieren sich aktuell als nicht handlungsfähig.» Im SMP-Vorstand würden Eigeninteressen vor das Wohl der ganzen Milchbranche gestellt. Organisationen wie Cremo, Hochdorf oder Migros würden ihre Direktlieferanten von C-Milch verschonen. Im Gegenzug hätten diese aber die Bestellmengen bei der Mooh gegenüber dem Vorjahr reduziert, was ein Grund für die hohen C-Milchmengen bei Mooh sei.

Zukünftig präsenter im Schweizer Markt
«Wir erhielten im letzten Jahr von Teilen unserer Marktpartner eine schwere Klatsche», so René Schwager selbstkritisch. Einzelne Verarbeiter hätten Mooh in dieser Ausnahmesituation bewusst geschwächt, weil Mooh in den vergangenen Jahren massgeblich zu verbesserten Milchpreisen beigetragen habe, betonte René Schwager weiter. «Aktuell beträgt der Mooh-Milchpreis noch 49 Rappen, so können wir den Auftrag unserer Produzenten, einen kostendeckenden Milchpreis zu realisieren, nicht mehr wahrnehmen.» Mooh wolle zukünftig im Schweizer Markt noch präsenter sein und Marktanteile zurückerobern. «Auch wenn wir damit auch unsere Kunden konkurrenzieren», so René Schwager. So werde die Kapazität der Mooh-Tochtergesellschaft Käserei Laubbach AG in Waldkirch SG, die im Jahr 2025 schon 26 Millionen Kilogramm verarbeitet hat, massiv ausgebaut. «Zukünftig könnte dort insbesondere bei saisonalen Milchspitzen täglich 250 Tonnen Milch verarbeitet werden.» Aber auch die Exportbemühungen würden intensiviert: Über die Tochtergesellschaft Swiss Mooh AG seien letztes Jahr schon 3000 Tonnen Käse und 1400 Tonnen Rahm exportiert worden.

Liquidität der Mooh strapaziert
Die hohen C-Milchmengen führen nicht nur zu tiefen Milchpreisen, sondern bei der Mooh Genossenschaft selber zu einem Jahresverlust von rund 626 000 Franken. Dazu wurde auch die Liquidität strapaziert, da die Stützungsgelder für die C-Milch erst ausbezahlt werden, wenn der Export stattgefunden hat.
«Mooh wird ihren Lieferanten den massiv überproportional hohen Anteil an C-Milch kein zweites Mal zumuten. Wir werden nicht noch einmal den Winkelried spielen», zeigte sich auch Mooh-Präsident Martin Hübscher kämpferisch. Wenn man die Lastenverteilung in der Milchbranche zukünftig nicht fairer gestalte, sei letztendlich der Richtpreis und die Segmentierung gestorben, so der Zürcher Nationalrat. In den vergangenen Monaten sei in der Milchwirtschaft zu viel Wertschöpfung unnötig vernichtet worden.

Anpassung bei den Einkaufskonditionen
Die 242 stimmberechtigten Genossenschaftler sprachen sich mit grossem Mehr für die vom Vorstand vorgeschlagene Resolution zuhanden der BOM und SMP aus (Kasten). Ebenfalls angenommen wurde nach intensiven Diskussionen eine Anpassung bei den Einkaufskonditionen. Dadurch erhalten grosse Produzenten und Milchbauern, die ihre Milch an Sammelplätze liefern, höhere Zuschläge. Zudem wählten die Stimmberechtigten Manuel Ender aus Büsserach (SO) und Peter Nüesch aus Widnau (SG) neu in den Verwaltungsrat. Gustav Fitze aus Bühler AR schlug an der GV als zusätzlichen Kandidat direkt noch Willy Preisig-Baumann aus Herisau vor. «Die Bergbetriebe sind aktuell im Vorstand zu wenig vertreten», begründete Fitze seinen Vorschlag. Willy Preisig-Baumann schaffte allerdings trotz 100 Ja-Stimmen die Wahl nicht. Das zurückgetretene Verwaltungsratsmitglied Hans Tanner aus Degersheim, SG, wurde für seine Verdienste von Martin Hübscher ausgezeichnet. Im Anschluss der über dreistündigen Versammlung referierte Mathias Binswanger zum Thema: «Wie müssen sich die Milchbauern aufstellen, dass sie in der Schweiz mit der Milchproduktion längerfristig Geld verdienen können?»
Resolution der Mooh-Genossenschaft
• Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) müssen jetzt Verantwortung wahrnehmen und dafür sorgen, dass alle Milchproduzenten in gleichem Ausmass einen Beitrag zur Marktentlastung leisten. • Die BO-Milch (BOM) hat für die Umsetzung der von ihr beschlossenen Massnahmen verbindliche Spielregeln zu definieren, wie die Marktentlastung von den einzelnen Mitgliedern umgesetzt und der minimale A-Milchanteil von 60% garantiert werden kann. • Die BOM muss Transparenz schaffen, welche Organisation beschlossene Massnahmen zur Marktentlastung oder Mengenreduktion umsetzt und fehlbare entsprechend sanktionieren.

