«Zwar haben wir goldene Preise beim Kalbfleisch, aber der Konsum nimmt laufend ab und die Tränker sind sehr teuer», brachte Marcel Dettling, Präsident des Schweizer Kälbermästerverbands, die Marktsituation an der Jahresversammlung am 17. April vor 51 Delegierten auf den Punkt. Schon Anfang 2025 waren Tränkekälber knapp, auch wegen weniger Geburten, verursacht durch die Blauzungenkrankheit. Im traditionell geburtenschwachen Sommer mussten die Mäster die Tränker deshalb sehr teuer zukaufen. Zwar sanken dann im geburtenstarken Herbst passend zum Jahreszyklus die Preise, allerdings hätten die Geburtsbetriebe wegen des angekündigten Milchpreiszerfalls zunehmend Kälber zurückgehalten, um überschüssige Milch selbst zu vertränken, heisst es im Jahresbericht. «Die Folgen dürften für die Kälbermäster im Jahr 2026 richtig spürbar werden.»
Weniger Produktion, aber gute Preise
Grundsätzlich konnten die Mäster letztes Jahr aber von hervorragenden Preisen für Schlachtkälber profitieren. Allerdings seien die auch nötig gewesen, um die hohen Tränker- und Futterkosten decken zu können, heisst es weiter.
Im Inland wurden 2025 gemäss Zahlen der Proviande noch rund 17 000 t Kalbfleisch produziert, ein Minus von über 8 Prozent (1500 t weniger als im Vorjahr). Dafür stiegen die Importe von rund 400 auf rund 720 t, der Inlandanteil sank damit leicht auf 96 Prozent. Pro Kopf werden weniger als zwei Kilo Kalbfleisch konsumiert.
Jährlich werden rund 170 000 Kälber geschlachtet. Innert zwei Jahren seien die Schlachtungen um 17 000 Tiere zurückgegangen, der Rückgang halte weiter an, sagte Geschäftsführerin Andrea Wiedmer. Von Januar bis Mitte April 2026 sind es schon wieder fast vier Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Saisonalität der Produktion brechen
In der Diskussion wurde gefordert, dass der Saisonalität mit den stark schwankenden Preisen begegnet werden sollte, um mehr Konsumanreize zu schaffen, zumal der Fleischmarkt insgesamt ja zunehme. Angeregt wurde, in knappen Monaten mehr Tränker zu importieren – und das Marketing für Kalbfleisch zu forcieren. Ein weiterer Votant rief dazu auf, die Milchbauern aufzufordern, auf saisonale Abkalbungen zu verzichten.
Immer mehr Mäster hören auf
Der Verband kämpft mit einem Mitgliederschwund. Vor fünf Jahren waren es noch 893 Mitglieder, nun sind noch 711. Immer mehr Betriebe geben die Kälbermast auf.
Diesem Rückgang soll mit Werbemassnahmen begegnet werden. So wurde letztes Jahr ein Flyer für die Mitgliederwerbung lanciert, und auf einem WhatsApp-Kanal werden monatlich Beiträge zur Kälbermast veröffentlicht. Dieses Angebot werde ab diesem Frühjahr allerdings nur bei genügend Abonnenten weitergeführt. Mit gezielten Promotionen wird versucht, den Absatz von Kalbfleisch anzukurbeln, so vor allem in der Gastronomie, wo 50 Prozent des Kalbfleisches konsumiert werden.
Die Jahresrechnung schliesst mit einem kleinen Gewinn von rund 5300 Franken, bei einem Gesamtertrag von rund 71 000 Franken. Davon machen die Mitgliederbeiträge rund 47 000 Franken aus, die Sponsoringbeiträge fast 21 000 Franken.
Tiefere Preise, höhere Mortalität
Die Tagung in Reiden LU wurde von der Sektion IG Kalbfleisch organisiert, welche von Jörg Oberle von Gefu Swisskalb präsidiert wird. Darin vertreten sind rund 200 meist gebundene Mäster, welche Milchnebenprodukte verwerten. Auch Oberle bedauerte die rückläufige Produktion und den von der Milchbranche verursachten Mangel an Tränkern für die Profimäster. Auch wenn die goldenen Zeiten der Kälbermast vorbei schienen, stünden die hiesigen Produzenten noch gut da. Auf einer kürzlichen Italienreise des Verbandes wurde berichtet, dass die Kalbfleischpreise dort dreimal tiefer seien als in der Schweiz. Die Kälbermortalität ist dort allerdings wegen des viel restriktiveren Antibiotikaeinsatzes mit zehn Prozent deutlich höher als in der Schweiz mit drei Prozent.
Chip stellt Tierbewegung fest
Im Anschluss informierte Christian Hofer vom Bundesamt für Landwirtschaft über die neue Agrarpolitik und die Herausforderungen für Kälbermäster. Die Kalbfleischproduktion bleibe wertschöpfungsmässig und für den Ausgleich in der Milch- und Fleischproduktion wichtig: mit Milchrassenkälbern, die nicht in die Aufzucht gehen, und mit Mastrassenkälbern, die nicht in die Grossviehmast gehen. Herausforderungen in Zukunft blieben wohl die sinkende Nachfrage nach Kalbfleisch und der Antibiotikaeinsatz.
Die geplante Stärkung der Nachhaltigkeit in der AP 2030+ diene auch den Kälbermästern: ökonomisch durch bessere Perspektiven für Milchbetriebe, ökologisch durch eine stärkere Berücksichtigung der Lebtagesleistung und sozial durch mehr Handlungsspielraum dank ergebnisorientierter Direktzahlungen. So könnte etwa das Raus-Programm durch automatisierte Tierbewegungen vereinfacht werden, indem per GPS und Chip festgestellt wird, ob ein Tier drinnen oder draussen ist.
Positive Erfahrungen mit Impfung auf Geburtsbetrieben
Seit letztem Sommer müssen Kälber, die den Geburtsbetrieb im Alter von weniger als 57 Tagen verlassen, gegen fieberhafte Atemwegserkrankungen geimpft werden. Diese QM-Bestimmung gelte vorderhand für drei Jahre, dann soll je nach Erfahrungen über eine Weiterführung ab 2029 entschieden werden, erklärte Geschäftsführerin Andrea Wiedmer. Und die ersten Erfahrungen seien gut, «80 Prozent der Rückmeldungen von Mästern sind positiv», informierte Tierärztin Corinne Bähler. Zwar sei bisher nicht feststellbar, ob auf den Mastbetrieben die Menge an Antibiotika zurückgehe. Aber dank der Impfung bekomme man Infektionsausbrüche schneller in den Griff. Ziel der Impfung sei, dass das körpereigene Immunsystem gestärkt werde, indem der Körper eine durch verabreichte Erreger verursachte leichte Infektion selbst bekämpfe. Eingesetzt würden vor allem Lebend-Impfstoffe (zwei Komponenten gemischt, mit abgeschwächten lebenden Erregern). Die würden besser wirken als Totimpfstoffe (eine Komponente, mit toten Teilen von Erregern). Allerdings müsse bei den Lebendimpfstoffen der Körper mehr kämpfen. Diese stünden wohl auch deshalb mehr in der Kritik, weil teilweise von mehr Stress und einem suboptimalen Gesundheitsstatus der so geimpften Tränker berichtet werde.

