Die Brandschutzrichtlinien zu gefährlichen Stoffen gehören zu jenen, die gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) für die Landwirtschaft relevant sind. Man kennt es von Pflanzenschutzmitteln: Die gehören in einen sicheren Schrank mit Auffangwanne. Aber auch andere gebräuchliche Chemikalien und Düngemittel können Gefahrengut sein. Ruedi Engg hat festgestellt, dass er diesen Punkt bei der Brandprävention bisher übersehen hat. «Wir sind ziemlich erschrocken», sagt der Landwirt, der in Wirklichkeit anders heisst und anonym bleiben möchte. «Bei Strom oder einer Heizung denkt man schneller an eine mögliche Brandgefahr», bemerkt Engg.
1000 Liter Reinigungsmittel auf Platz
Auf seinem Betrieb melkt ein Roboter, mit dem Ruedi Engg nach eigenen Angaben sehr zufrieden ist. Das Gerät arbeitet mit einem speziellen Bürstenreiniger. Sein Problem: Um Versandkosten zu sparen, bestellte er jeweils eine grosse Menge Reinigungsmittel, die aus dem Ausland importiert wurden. So standen 1000 l Ware auf Platz. Ein Gemisch aus verschiedenen Substanzen, die nach Brandvorschriften eigentlich getrennt und in eigenen Brandabschnitten gelagert werden sollten. Denn gewisse Komponenten sind leicht entzündlich, andere brandbeschleunigend.
«Die Menge ist das Problem», meint der Landwirt. Unter 100 kg könnte er die Reinigungsmittel ohne separaten Brandabschnitt aufbewahren, aber nicht eine ganze Tonne. Über 100 kg müsse eine Separatlagerung in einem EI 60-RF1-Raum oder einem EI 60-RF1-Schrank erfolgen. Fatalerweise ist es verlockend, den Reiniger dort hinzustellen, wo man ihn braucht – in der Nähe des Roboters. Ruedi Engg befürchtet, dass man sich auf vielen Roboterbetrieben dieser Gefahrenquelle nicht bewusst ist.
Säuren und Basen sind getrennt auf Wannen zu lagern
«Bei der Lagerung grosser Mengen Chemikalien, wie z. B. Reinigungsmittel, stehen primär der Umweltschutz und der Schutz der Personen bei deren Verwendung im Vordergrund», sagt Sicherheitsfachmann Heinz Feldmann von der BUL. Alle Arten von Chemikalien seien so zu lagern, dass sie bei einer Brandentstehung nicht als zusätzliche Brandbeschleuniger wirken. Die Lagermengen seien gemäss Herstellerangaben aufzubewahren. «Konkret frostsicher, unzugänglich für Dritte und getrennt nach Produkt.» So müssten z. B. Säuren und basische Produkte getrennt und auf separaten Auffangwannen stehen. Die Wannen müssen den Inhalt des grössten Gebindes bei einer Havarie aufnehmen können. «Bei Lagerung und Transport von Chemikalien jeglicher Art sind die produktspezifischen Sicherheitsdatenblätter entscheidend», ergänzt Feldmann. Die zugeteilte Lagerklasse lege fest, welche Lageranforderungen erfüllt werden müssen.
«Grundvoraussetzung für störungsfreien Betrieb»
«Wir empfehlen, Reiniger in einem frostsicheren Raum mit Auffangwanne zu lagern», erklärt Marcel Schwager, Leiter Kundenlösungen bei Lely auf Anfrage. Zwar rät die Firma, ausschliesslich Lely-eigene Ersatz- und Verschleissteile, Reinigungs- und Desinfektionsmittel für Lely-Roboter einzusetzen. «Original-Verbrauchsmittel wurden über die Jahre perfekt auf die Ansprüche unseres Melkroboters angepasst und weiterentwickelt», gibt Schwager zu bedenken. Damit seien sie die Grundvoraussetzung für einen störungsfreien Betrieb inklusive einwandfreier Milchqualität.
Webshop und Abholmöglichkeit
«Für unsere Schweizer Kundschaft bieten wir einen Webshop mit umfangreichem Sortiment mit allem an, was es für den Melkroboter braucht. So kommt die Kundschaft sehr schnell auf eine Bestellmenge, ab der die Lieferung kostenlos ist», so Marcel Schwager weiter. Damit sei es nicht nötig, zwecks Portosparens Reinigungsmittel in grosser Menge zu kaufen. Zusätzlich bestehe die Möglichkeit, sämtliche Artikel direkt im Lely Center abzuholen. «So entscheidet der Kunde selbstständig, was für ihn am besten zu seinen Gegebenheiten und den Lagermöglichkeiten auf seinem Betrieb passt», sagt Schwager.
Im Lely-Webshop sind jene Produkte und Gebinde, für die es einen Sondertransport braucht, mit einem grauen Balken gekennzeichnet.
«Um den Benutzer vor hohen Folgekosten zu warnen»
Könnte man es sich auch einfacher machen und einen anderen Reiniger einsetzen? Davon rät Marcel Schwager klar ab und erklärt: «Für unsere sehr heisse und kurze Reinigung sind spezielle Zusammensetzungen notwendig.» Gewisse Inhaltsstoffe wie Chlor oder Salpetersäure seien nicht zugelassen bzw. beschädigten kurz- bis mittelfristig wichtige und teure Komponenten des Melkroboters. «Entsprechend führt der Einsatz von Produkten mit falscher Zusammensetzung – was bei Nicht-Originalprodukten oft der Fall ist – zu hohen Folge- und Reparaturkosten am Melkroboter.» Das Gerät reagiert selbst mit einer Fehlermeldung, wenn es «fremde» Produkte registriert. «Um den Benutzer vor hohen Folgekosten zu warnen», sagt Schwager. «Zudem bieten wir mit unseren bewährten Lely-Markenprodukten ein erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis.»
Anderes System bei De Laval
De Laval verkauft ebenfalls massgeschneiderte Reinigungsmittel für seine Roboter. «Der Zitzenreinigungsbecher reinigt die Zitzen vor dem Melkvorgang mit Wasser und Luft», beschreibt Urs Schmid, Produktleiter Melken und Kühlen bei De Laval. Hier ist nicht zwingend Desinfektionsmittel nötig. Für den Standard-Reinigungsvorgang der milchführenden Teile des Melkroboters braucht es aber genau gleich wie bei den meisten anderen Herstellern alkalisches und saures Reinigungsmittel (blaue und rote Kanister). Ausserdem gibt es bei De Laval klassische Reiniger für andere Melksysteme zu kaufen. «Durch Grossbestellungen lassen sich keine Versandkosten sparen, weil bei einer Direktlieferung ab einer relativ kleinen Grundbestellmenge der Versand für den Kunden ohnehin kostenlos ist», so Schmid.
Keine grossen Mengen aufs Mal bestellen
Aus zwei weiteren Gründen empfiehlt De Laval, keine übermässig grossen Mengen an flüssigen Reinigungsmitteln aufs Mal zu beziehen und zu lagern. Erstens, um mit möglichst frischen Produkten ein optimales Reinigungsergebnis zu erzielen. Zweitens könne man – sollte die Mindestbestellmenge doch nicht erreicht werden – bei einem De-Laval-Handelspartner in der Region kleinere Mengen abholen.
Piktogramme und Sicherheitsdatenblätter beachten
Zur sicheren Lagerung verweist Urs Schmid auf die Gefahrenpiktogramme auf der Etikette, denn die Empfehlungen sind je nach Produkt unterschiedlich. Hinweise gibt ausserdem das jeweilige Sicherheitsdatenblatt, das auf der Website des Anbieters verfügbar ist.
Wie bei Lely heisst es auch bei De Laval, die firmeneigenen Reinigungsmittel seien optimal an die jeweiligen Geräte angepasst. Ihre Verwendung schütze vor Schäden und gewährleiste den störungsfreien Betrieb.
Ruedi Engg hat für sich eine Lösung gefunden, um für seinen Roboter nur kleine Mengen Reinigungsmittel zu lagern. Das erspart ihm die Investition in neue Brandabschnitte und macht seinen Betrieb sicherer. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», findet er.
