Fromarte: Schweizer Käsebranche wächst trotz Zöllen und Unsicherheit
Präsident Hans Aschwanden begrüsste am 8. Mai 2026 im Espace-Bulle 52 stimmberechtigte Delegierte sowie zahlreiche Gäste. Am selben Tag wurden die Absolventinnen und Absolventen der höheren Fachausbildung als Käser- und Molkereimeisterinnen und -meister gefeiert.
13 von 15 Diplomierten nahmen ihr Diplom persönlich entgegen. Die Feier zeigte eindrücklich, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte für die Zukunft der Schweizer Milch- und Käsewirtschaft bleiben.
Gute Produktion in schwierigem Umfeld
Für Fromarte war 2025 ein Jahr voller Gegensätze: Einerseits profitierten die Milch- und Käseproduzenten von hervorragenden Wetterbedingungen und hochwertigem Futter. Andererseits sorgten internationale Handelskonflikte und ein zunehmend unsicheres Exportumfeld für grossen Druck auf die Branche.
Hans Aschwanden sprach von einem «Jahr der Kontraste und Wendepunkte». Besonders belastend seien die stark schwankenden amerikanischen Importzölle gewesen. Für exportorientierte Käsehersteller bedeutete dies erhebliche Unsicherheit.
Fromarte vertritt heute rund 450 gewerbliche Käsereien mit insgesamt 391 Mitgliedern. Die Betriebe verarbeiteten rund eine Milliarde Kilogramm Milch und produzierten etwa 120 000 Tonnen Käse.

Strukturwandel belastet Emmentaler
Innerhalb der Branche setzte sich der Strukturwandel weiter fort. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Emmentaler AOP. Die Einstellung der Produktion in der Schaukäserei Affoltern im Emmental sowie die Kündigung von Käsekaufverträgen durch die Cremo SA seien laut Fromarte alarmierende Signale.
Gleichzeitig führten hohe Milchmengen zu zusätzlichem Marktdruck. Die Branchenorganisation Milch reagierte darauf mit einer Senkung des A-Milch-Richtpreises um vier Rappen per Februar 2026.
Zusätzliche Sorgen bereitete die Ausbreitung der Lumpy-Skin-Disease (LSD). Das führte zu Exportstopps für Rohmilchkäse nach Kanada sowie zu Überwachungszonen in Genf und der Waadt. Obwohl in der Schweiz keine Fälle festgestellt wurden, zeigte die Situation deutlich, wie verletzlich exportorientierte Käseproduzenten geworden sind.
Neue strategische Ausrichtung
Mit Paul Meier trat im Frühjahr 2025 ein neuer Direktor offiziell an die Spitze der Geschäftsstelle von Fromarte. Sein erstes Amtsjahr stand im Zeichen organisatorischer Anpassungen und strategischer Neuausrichtungen.
Weitere Schwerpunkte lagen auf der Digitalisierung und der Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements «QM Fromarte». Intensiv diskutiert wurde auch das neue Energiemodell mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Dieses bringt für die Betriebe deutlich höhere Anforderungen und zusätzlichen administrativen Aufwand mit sich.
Millioneninvestitionen in Infrastruktur
Auch bei den Beteiligungen des Verbandes laufen umfangreiche Investitionen. Die Käser Treuhand AG bezog 2025 einen neuen Standort in Bern BE, modernisierte ihre IT-Infrastruktur und eröffnete zusätzlich eine Niederlassung in Wil SG. Trotz leicht rückläufigem Umsatz konnte erneut ein positives Ergebnis erzielt werden.
Bei der Liebefeld Kulturen AG wurde Ende des Jahres die Baubewilligung für den neuen Standort in Grangeneuve FR erteilt. Dort sollen künftig Kulturen für die Schweizer Käsebranche entwickelt werden.
Ebenfalls stark investiert wurde bei der Milka Käse AG. Mehrere Millionen Franken fliessen in den Umbau der Kühl- und Befeuchtungsanlagen. Gleichzeitig wurde die Lagerkapazität für Emmentaler AOP reduziert, um mehr Platz für Spezialitätenkäse zu schaffen.

Schweizer Käsemarkt wächst weiter
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen entwickelte sich der Schweizer Käsemarkt insgesamt positiv. Die Produktion stieg von 204 326 Tonnen im Vorjahr auf 214 981 Tonnen im Jahr 2025.
Besonders bedeutend blieben Halbhart- und Hartkäse. Le Gruyère AOP erreichte eine Produktion von 30 817 Tonnen, Emmentaler AOP kam auf 12 867 Tonnen und Raclettekäse auf 16 613 Tonnen.
Auch die Exporte nahmen zu. Insgesamt exportierte die Schweiz 81 084 Tonnen Käse gegenüber 79 268 Tonnen im Vorjahr. Besonders gefragt blieben Le Gruyère AOP mit über 12 000 Tonnen Exportmenge sowie Emmentaler AOP mit rund 7 650 Tonnen. Gleichzeitig erreichten jedoch auch die Käseimporte mit 80 368 Tonnen ein sehr hohes Niveau.
Wechsel im Vorstand
An der Delegiertenversammlung kam es zudem zu mehreren personellen Veränderungen im Vorstand. Andreas Hinterberger, Pierre Reist und Markus Liecht traten aus dem Gremium zurück. Neu in den Vorstand gewählt wurden Philippe Favre, Roland Rüegg und Cédric Spielhofer.
Zuversicht trotz Herausforderungen
Für 2026 erwartet Fromarte weitere grosse Herausforderungen: Neben Marktunsicherheiten dürften Tierseuchen, PFAS-Diskussionen, Umweltauflagen und die Stabilisierung des Milchmarktes die Branche weiterhin stark beschäftigen.
Trotz aller Unsicherheiten zeigte sich der Verband zuversichtlich. Die Schweizer Käsebranche verfüge über eine starke regionale Verankerung, hohe Qualität und grosse Innovationskraft – Eigenschaften, die auch künftig entscheidend bleiben dürften.
«Vom Gras ins Glas» braucht gut ausgebildete Profis
Zu Beginn der Diplomfeier erzählte der Milchtechnologe und Spitzensportler Claudio Imhof von seiner Ausbildung in der Käserei, bevor er ein erfolgreicher Radrenn-Profi wurde. Diese Lehre habe ihm die nötige Ausdauer und den Durchhaltewillen gegeben, die es brauche, um im Spitzensport erfolgreich zu sein.
Bernhard Brönnimann, Präsident des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins (SMV), würdigte den Einsatz der Absolventinnen und Absolventen und bezeichnete ihren Beruf als anspruchsvoll, aber sinnstiftend und zukunftsorientiert.
Produktion macht Milch erst vielfältig
Brönnimann erinnerte daran, dass rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz aus Grasland bestehen. Kühe würden daraus Milch machen – doch erst die Verarbeitung schaffe daraus hochwertige Produkte mit Qualität, Sicherheit und Vielfalt.
Die Branche befinde sich im Wandel. Proteinreiche Produkte, funktionale Lebensmittel, Trinkmahlzeiten und fermentierte Spezialitäten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Tierwohl und Transparenz. Innovation sei deshalb keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Besonders betonte er die Rolle der Milchtechnologinnen und Milchtechnologen: «Ohne euch gibt es kein ›vom Gras ins Glas‹. Und ihr schafft das Vertrauen in unsere Produkte.»
Die höhere Fachprüfung:
- Eidgenössischer Fachausweis als Milchtechnologe/Milchtechnologin - 18 Monate Praxiszeit nach der Berufsprüfung EFZ - Abschlussprüfung mit Businessplan oder Diplomarbeit Die diplomierten Käser- und Molkereimeister/innen - Lorenz Berger, Mamishaus Käse AG, Mamishaus; Julien Coigny, Fromagerie de Penthéréaz Sàrl, Penthéréaz ; Jan Durtschi, Simmental Switzerland AG, Oey; Luca Gonzalez, Fromagerie d'Ussières, Ropraz; Arnaud Guichard, Fromagerie Fleurette Arnaud Guichard Sàrl, Rougemont; Jacqueline Habegger, Emmentaler Dorfkäserei AG, Koppigen; Lucas Limacher, Fromagerie de Pampigny, Pampigny; Kilian Lütscher, Emmi AG, Landquart; Miranaj Miran, Elsa Group SA, Estavayer-le-Lac; Guillaume Pachoud, Elsa Group SA, Estavayer-le-Lac; Théo Piller, Fromagerie de Châtonnaye, Châtonnaye; Simon Schärli, Emmi Schweiz AG, Kaltbach; Matthias Thoma, Anton Birrer AG Tannenberg Käserei, Andwil; Baptiste Stéphane Volery, Fromagerie Michaud, Combremont-le-Grand; Isaline Zufferey, Fromagerie d'Anniviers, Vissoie.

