Mehr als zwei Höfe pro Tag haben im Jahr 2025 für immer die Tore geschlossen. Gemäss einer eigenen Berechnung der Kleinbauern-Vereinigung auf Basis der neuen Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) gaben 805 Landwirtschaftsbetriebe ihren Betrieb auf. Schweizweit gibt es noch 46 270 Landwirtschaftsbetriebe, 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr – so das BFS in seiner publizierten Strukturerhebung.
Keine neue Erscheinung
Seit dem Jahr 2000 sind laut Kleinbauern-Vereinigung 24 267 Höfe verschwunden, das entspricht einem Rückgang von 34 Prozent. Gleichzeitig hat die durchschnittliche Nutzfläche je Betrieb in dieser Zeit um 7,3 Hektaren auf heute 22,5 Hektaren zugenommen, ein Zuwachs von 48 Prozent. Der Strukturwandel ist keine neue Erscheinung, aber er bleibt ein stetiges, unerbittliches Hintergrundgeräusch im Schweizer Agrarleben.
Die Betriebe, die überleben, wachsen. Während die Zahl der Betriebe unter 30 Hektaren um 2,7 Prozent zurückging, nahm jene der grösseren Betriebe um 1,4 Prozent zu, wie das BFS schreibt. Das Flächenwachstum der Überlebenden finanziert sich damit nicht zuletzt aus dem Land der Aufgebenden.

Die Altersstruktur als unterschätztes Warnsignal
Wer sich die Altersverteilung der Schweizer Bewirtschaftenden im Vergleich der Jahre 2000 und 2025 ansieht, erkennt eine dramatische Verschiebung. Die BFS-Grafik zeigt es klar: Die Jahrgänge 55 bis 64 sind heute deutlich stärker vertreten als vor einem Vierteljahrhundert, während die Jüngeren – unter 35 Jahren – markant an Gewicht verloren haben.
Gemäss BFS-Strukturerhebung 2025 werden 42 Prozent der Betriebsleitenden in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen oder haben es bereits erreicht.
Wer übernimmt diese Höfe?
Die Kleinbauern-Vereinigung verweist in ihrer Reaktion auf die neue Erhebung auf eine BFS-Zusatzerhebung zur Landwirtschaftlichen Betriebszählung aus dem Jahr 2016. Damals gaben über 50-jährige Betriebsleitende an, dass bei nur 44 Prozent eine familieninterne Nachfolge als wahrscheinlich galt, bei 21 Prozent war sie unwahrscheinlich und bei 35 Prozent ungewiss.
Ob sich diese Verhältnisse seither verändert haben, lässt sich mangels neuerer Erhebung nicht sagen – die Tendenz dürfte aber kaum besser geworden sein.
Kleinbauern-Vereinigung schlägt Alarm
Die Kleinbauern-Vereinigung hat umgehend auf die neue Erhebung reagiert und warnt vor einer agrarpolitischen Weichenstellung, die das Hofsterben bewusst in Kauf nimmt. Präsident und Nationalrat Kilian Baumann kritisiert, dass der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2030+ die Schwellenwerte für den Bezug von Direktzahlungen und Strukturverbesserungen anheben will, um «Flächenwachstum zu ermöglichen».
Dafür müssten kleine Betriebe weichen. Mehrere Tausend Bauernbetriebe würden dadurch von heute auf morgen keine Direktzahlungen mehr erhalten und wären in ihrer Existenz bedroht.
Die Vereinigung hat drei parlamentarische Vorstösse eingereicht: eine Strategie für den Generationenwechsel (Motion 26.3429), die Anhebung der Altersgrenze für die Starthilfe von 35 auf 40 Jahre (Motion 25.3735) sowie eine degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen mit einem Sockelbeitrag (Motion 25.4212).
Die Anhebung der Altersgrenze findet breite Unterstützung, die Strategie für den Generationenwechsel lehnte der Bundesrat kürzlich ab. Dass an Nachwuchs kein Mangel herrscht, zeigt laut Kleinbauern-Vereinigung die eigene digitale Hofplattform: Im vergangenen Jahr erstellten 194 Hofsuchende ein Profil, aber nur 76 Hofabgebende. 30 erfolgreiche Übergaben konnten vermittelt werden.
Milchkuh verliert an Boden, während Mutterkuh gewinnt
Wohl am auffälligsten in der BFS-Erhebung ist der stille Umbau in der Rindviehhaltung. Der Milchkuhbestand sank 2025 auf 524 400 Tiere, ein Rückgang von 0,6 Prozent. Über zehn Jahre betrachtet hat er um 10 Prozent abgenommen.
Im gleichen Zeitraum hat der Mutterkuhbestand um 26 Prozent zugelegt. Das ist keine zufällige Gegenbewegung, sondern ein struktureller Strategiewechsel vieler Betriebe: weg von der aufwendigen, preisdruckgeplagten Milchproduktion, hin zu einer extensiveren Mutterkuhhaltung.
Geflügel ist die grosse Ausnahme
Während die meisten Tierbestände stagnieren oder rückläufig sind, hat die Geflügelhaltung seit 1996 den Bestand mehr als verdoppelt. Der BFS-Index (Basisjahr 1996 = 100) liegt aktuell bei rund 210. Die Zahl der Legehennen stieg 2025 um 1,9 Prozent, jene der Mastpoulets um 2,2 Prozent. Ein Fünftel der Mastpoulets wurde unter dem Bio-Label aufgezogen, so das BFS.
Der Schweinebestand setzt seinen Rückgang fort: 1 257 700 Tiere wurden 2025 gezählt. Nach einer Wachstumsphase 2022 sinken die Zahlen seither wieder.
Bio: Weniger Betriebe, mehr Fläche
Erstmals seit 2010 ist laut BFS die Zahl der Biobetriebe zurückgegangen. 7819 Betriebe wirtschaften biologisch, 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Doch die biologisch bewirtschaftete Nutzfläche wuchs weiter auf 192 300 Hektaren, was 18,5 Prozent der gesamtschweizerischen Nutzfläche entspricht.
Auch der Biosektor erlebt damit die gleiche Konsolidierung wie die Gesamtlandwirtschaft: weniger, aber grössere Betriebe. Besonders stark zugelegt haben Biozuckerrüben (+23,9%), Bioraps (+17,1%) und Biosoja (+5,1%). Regional wuchs die Biofläche in Neuenburg am stärksten (+6,1%), während Jura, Wallis und die Zentralschweiz leichte Rückgänge verzeichneten.
Soja und Gemüse: Wo die Fläche wächst
Zwei Anbaukulturen stechen bei der Ackerfläche besonders hervor. Die Sojaanbaufläche ist laut BFS seit 2020 um 67 Prozent auf 3400 Hektaren gewachsen. Das ist bemerkenswert für ein Land, das Eiweissfuttermittel traditionell importiert. Hier entsteht langsam eine inländische Versorgungskette.
Die Gemüsebaufläche hat 2025 erneut zugelegt auf 13 400 Hektaren (+5,0%), besonders in den Kantonen Bern, Zürich und Aargau. Die Zuckerrübenfläche bestätigte mit 17 500 Hektaren (+4,5%) die seit 2023 laufende Aufwärtsbewegung. Und die Kartoffelfläche überschritt erstmals seit 2018 wieder die 11 000-Hektar-Marke.
Was bleibt?
Die Strukturerhebung 2025 ist kein Alarmzeichen, das man noch nicht kannte. Wer die Zahlen seit Jahren verfolgt, sieht einen Trend, der sich nicht ändert: weniger Betriebe, grössere Betriebe, ältere Bewirtschaftende, ein Umbau in der Tierhaltung weg von Milch und Schwein, hin zu Mutterkuh und Geflügel.
Was neu ist: Die Altersstruktur rückt die Frage des Generationenwechsels in die unmittelbare Zukunft. 42 Prozent der Betriebsleitenden stehen in den nächsten zehn Jahren vor der Übergabe. Was mit diesen Höfen passiert, dürfte die Landwirtschaft der Schweiz stärker verändern als jede Agrarpolitikreform.

