Der gekühlte Car hält, und anstatt dass die eifrig interessierte Gruppe von Landwirten und Landwirtinnen aussteigt, steigt Warren, der Betriebsleiter des Feedlots in Mathoura, in den Bus. Erstens sind die Temperaturen draussen für Europäer fast unerträglich, andererseits möchte der Betriebsleiter biosicherheitstechnische Risiken möglichst eindämmen.
Warren Barnett leitet den australischen Car-Chauffeur Steve dazu an, auf seinem 2000 Hektar grossen Gelände eine Runde zu drehen. Hier ein Feedlot, da ein Wasserdamm, hier ein weiterer Feedlot, da eine Krankenbucht, hier die Futterküche.
Mortalitätsrate beträgt 0,5%
Die Gesichter nah an die getönten Scheiben des Cars geklebt, staunen die Besucher und Besucherinnen nicht schlecht: Die Schweizer Landwirte und Bäuerinnen, die Ende 2025 die dreiwöchige Leserreise der BauernZeitung angetreten sind, sind positiv überrascht von den Feedlots. Diese geniessen in Europa einen eher moderaten Ruf. Die Mortalitätsrate betrage hier lediglich 0,3 % bis 0,5 %.
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52 Mal pro Jahr verkauft der Betrieb eine Charge schlachtreifer Tiere, also wöchentlich. Warren lässt alle seine Tiere im Inland schlachten – auf den Live-Export, also den lebendigen Export via Übersee, verzichtet der Farmer. Das Fleisch allerdings verlässt Australien zu 70%. 30 % seiner Ware kann er im Inland über die gängigen Supermärkte verkaufen, sagt er.
Er erneuere seinen Betrieb ständig, wie Warren sagt. Dabei verfolge er die «high capital input cost»- Strategie. Also viel investieren, dafür auch viel erwirtschaften.
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8700 Tiere in den Feedlots
Warren Barnett kauft für die Ausmast in seinen Feedlots hauptsächlich Remonten von Milchviehbetrieben. 35 % davon sind weibliche, 65 % männliche, kastrierte Tiere. Auch diese Rasse wird mit der richtigen Fütterung «feiss», ist Warren überzeugt. Diese erfolgt lediglich einmal täglich und nimmt bei einer Tierzahl von aktuell 8700 Rindern 3,5 Stunden und zwei Lastwagen in Anspruch.
Die Anlage würde ein Maximum von 10 000 Tieren erlauben. Laut Angaben der Vereinigung hat sich die Industrie das Ziel gesetzt, bis 2026 alle akkreditierten Feedlots mit Beschattungssystemen auszustatten.
Stand Dezember 2025 machen bei der Initiative bisher 75 % der Betriebe mit. Die Branche schreibt dabei eine Mindestschattenfläche von 1,5m² pro Tier vor.
Auch schreibt die Gesetzgebung eine Mindestfläche von 9m² pro Tier vor. Laut der Australian Lot Feeders' Association (Alfa) planen Betriebsleitende im Schnitt eine Fläche von gar 13 bis 15 Quadratmetern pro Tier ein.
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125 Tonnen Futter gehen täglich über die Futtertische
Täglich verfüttert der Betriebsleiter eine Menge von 125 Tonnen Futter. Er rechnet mit einer Tageszunahme von 900 bis 1000 Gramm.
Die Futterstrategie: proteinreich, energiearm, mit Gerste, Getreide, Heu, Luzerne, Silage und Baumwollkernkuchen. Der Anteil dieser Komponente darf 15 % nicht übersteigen, weil der darin enthaltene Stoff Gossypol im Organismus toxisch wirken kann.
Bovaer-Einsatz aus Marketingzwecken
Warren Barnett setzt auf seinem Betrieb den synthetischen methanmindernden Futterzusatz Bovaer ein. Im Gespräch mit den skeptischen Landwirten im Car räumt der Betriebsleiter ein, dass das Mittel im Langzeitgebrauch zu Problemen führen kann – der Wasserstoffgehalt im Blut der Tiere kann erhöht werden.
Während der Lebensdauer eines Mastrinds stelle der Einsatz jedoch kein Problem dar, so Barnett. Er selbst glaube nicht wirklich an die methansenkende Wirkung des Mittels, doch um die Anforderungen eines gewissen Labels zu erreichen, müsse er Bovair einsetzen, so der Farmer.
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Warren produziert hormonfrei
In anderen Buchten mästet Warren Barnett eine Gruppe aus, welche er nach 115 Tagen Intensivmast verkauft. Diese Tiere erzielen ein Lebendgewicht von 380 bis zu 570 Kilogramm. Rinder anderer Gruppen schlachten sie nach 120 Tagen Intensivmast, mit einem Endgewicht von 680 Kilogramm.
Barnett produziert hormonfrei, das heisst, es werden keine synthetischen Hormone wie Östrogen, Progesteron oder Testosteron eingesetzt. Diese Hormon-Ergänzungsmittel werden in Australien seit 30 Jahren in der Fleischindustrie eingesetzt – in der EU sind sie verboten.
11 Festangestellte und 18 Kameras im Einsatz
Damit Harn in den Buchten gut abfliessen kann, sofern er nicht vorher evaporiert, müssen die Lots eine Neigung von drei Prozent aufweisen. Den Kot räumen sie in regelmässigen Abständen direkt mit dem Bagger und kompostieren das Material.
Den Dünger bringen sie danach wieder auf die Raps- und Getreidefelder aus. Der Familienbetrieb beschäftigt 11 Festangestellte sowie 2 beratende Tierärzte. 18 Kameras unterstützen den Betriebsleiter in seiner Aufgabe, alles im Blick zu halten.
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«Die Kinder kommen zurück»
Obwohl in Australien der Preis für Ackerland steigt, schaut Warren zuversichtlich in die landwirtschaftliche Zukunft des Landes. «Die Kinder kommen zurück aufs Land», sagt er und klettert wieder aus dem stark heruntergekühlten Bus.
Das sind aktuelle Eckpunkte der Australischen Feedlot-Vereinigung:
– 96 % der Mastbetriebe befinden sich in Familienbesitz
– 2–3 % des australischen Rinderbestands befinden sich in Mastbetrieben
– In Australien gibt es bis zu 400 zugelassene Mastbetriebe mit Kapazitäten von 500 bis über 50 000 Tieren
– Der Grossteil bzw. 60 % der Mastbetriebe in Australien befindet sich im Staat Queensland, gefolgt von 30 % in New South Wales
– Die australischen Mastbetriebe tragen in etwa mit 4,6 Milliarden Dollar zur australischen Wirtschaft bei
– Die Mastbetriebe beschäftigen direkt 2 000 Menschen
– Getreidegefüttertes Rindfleisch macht über 50 % der gesamten australischen Rindfleischproduktion aus