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«Scharfe Messer senken den Leistungsbedarf deutlich», sagt Fachmann Fabian Koch

Landwirtschaftsbetriebe brauchen beträchtliche Mengen an Treibstoff. Hohe Dieselpreise machen nachdenklich. Sparpotenzial gibt es, sagt Lehrer und Berater Fabian Koch.

Rund 4000 Liter Diesel braucht ein durchschnittlicher Landwirtschaftsbetrieb gemäss Schweizer Bauernverband jährlich. Natürlich sind die Unterschiede von Betrieb zu Betrieb, je nach Ausrichtung und Grösse, riesig.

Treibstoff ist in jedem Fall ein erheblicher Kostenfaktor. Aktuell kostet der Liter 30 bis 40 Rappen mehr als noch Anfang Jahr. Einsparungen lohnen sich, sagt Fachmann Fabian Koch vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Luzern.

Fabian Koch, die Treibstoffpreise sind explodiert. Hatten Sie Reaktionen in Lehre und Beratung?

Fabian Koch: Ja, die eher schlechte Marktlage sowie die steigenden Treibstoffkosten machen nachdenklich und regen zum Handeln an. Diesel stellt einen grossen Kostenfaktor dar, man geht von rund 40 % der laufenden Traktorkosten aus.

Entsprechend wird das Einsparpotenzial aufgezeigt, auch ohne neue Technik, sondern durch angepasstes Verhalten, Wartung und Verfahrensentscheide.

Sparen ist also angesagt. Ein Thema ist die Drehzahl. Was empfehlen Sie?

Traktoren arbeiten am effizientesten bei etwa 70 Prozent der Nenndrehzahl, was in der Praxis meist zwischen 1500 und 1800 U/min liegt. Ein Blick ins Motorendiagramm zeigt, dass in diesem Bereich das Verhältnis zwischen Leistung und spezifischem Kraftstoffverbrauch am günstigsten ist.

Das bedeutet: Der Motor liefert ausreichend Leistung, benötigt dafür aber vergleichsweise wenig Diesel. Viele moderne Traktoren sind zudem so ausgelegt, dass sie ihr bestes Wirkungsfeld genau in diesem Drehzahlbereich haben.

Wer die Drehzahl bewusst etwas reduziert und die Arbeit daran anpasst, kann den Motor optimal auslasten und gleichzeitig Diesel sparen. Allein durch eine angepasste Drehzahl lässt sich der Verbrauch um bis zu 15 Prozent senken, ohne dass die Arbeitsleistung wesentlich darunter leidet.[IMG 2]

Sie sprechen auch von «vorausschauendem Fahren». Was ist damit gemeint in der Landwirtschaft?

Vorausschauendes Fahren bedeutet, den Traktor ruhig und gleichmässig zu führen. Dazu gehört, gleichmässig zu beschleunigen, die Geschwindigkeit der Situation anzupassen und unnötige Lastwechsel zu vermeiden.

Ziel ist ein gleichmässiger Arbeitsstil ohne hektische Gaswechsel, sodass der Motor möglichst konstant und effizient arbeiten kann. Dadurch wird nicht nur Diesel gespart, sondern auch die Maschine geschont.

Traktoren und Anbaugeräte werden grösser und schwerer. Ist «Ballast abwerfen» ein Thema?

Zusatzgewichte sollten gezielt und nur dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich notwendig sind, etwa bei schweren Zugarbeiten mit einer sinnvollen Gewichtsverteilung. Nicht benötigte Ballastgewichte sollten konsequent entfernt werden, da jedes zusätzliche Gewicht den Treibstoffverbrauch erhöht.

Als Faustregel kann man sagen, dass eine zusätzliche Tonne rund einen Liter Diesel pro Stunde mehr verbraucht. Entsprechend lohnt es sich, das Gewicht des Traktors möglichst effizient anzupassen.

Landwirte sind heute durch den Strukturwandel und teils entfernte Pachtland-Parzellen öfter auf den Strassen. Was gibt es hier für Empfehlungen? Etwa zum Reifendruck?

Bei häufigeren Strassenfahrten spielt der richtige Reifendruck eine wichtige Rolle für den Dieselverbrauch. Auf der Strasse sollte der Reifendruck eher höher gewählt werden, da dies den Rollwiderstand reduziert und somit Energie spart.

Im Feld hingegen sind tiefere Reifendrücke sinnvoll, da sie die Traktion verbessern und gleichzeitig den Boden schonen. Dort macht es sicherlich Sinn, auch den Reifendruck regelmässig anzupassen.

«Scharfe Messer senken den Leistungsbedarf deutlich», sagt Fachmann Fabian Koch
Werkstatt: Eine regelmässige und sorgfältige Wartung des Traktors ist entscheidend.

Sie empfehlen, auch die Verfahren zu überdenken? Haben Sie dazu Beispiele?

Sowohl im Futterbau als auch im Ackerbau lohnt es sich, die eingesetzten Arbeitsabläufe kritisch zu hinterfragen. Im Futterbau stellt sich beispielsweise die Frage, ob ein Mähaufbereiter wirklich immer notwendig ist und wie viele Durchgänge mit dem Kreisheuer sinnvoll sind oder ob sogar die angewendete Technik für den Betrieb die richtige ist.

Im Ackerbau geht es um die Wahl des richtigen Verfahrens, etwa ob mit Pflug, Grubber oder in reduzierter Bodenbearbeitung gearbeitet wird. Grundsätzlich gilt: Jede zusätzliche Überfahrt verursacht mehr Dieselverbrauch sowie höheren Zeit- und Maschinenaufwand.

Zusätzlich kann auch der Zustand der Geräte einen grossen Einfluss haben. Scharfe Messer beim Ladewagen oder Mähwerk senken den Leistungsbedarf deutlich und tragen dazu bei, den Treibstoffverbrauch zu reduzieren.

Zu einer schlagkräftigen Mechanisierung gehören auch grössere Traktoren. Im Gegensatz zu Anbaugeräten werden diese aber kaum überbetrieblich genutzt?

Es ist sinnvoll, die Maschinenkosten, einschliesslich der Treibstoffkosten, gesamthaft zu betrachten. Wo es möglich ist, können Kooperationen oder gemeinsame Nutzungslösungen helfen, die Auslastung zu verbessern und die Kosten pro Einsatz zu senken.

In diesem Bereich ist grosses Potenzial vorhanden, um Kosten zu senken. Es sind aber viele Faktoren, die passen müssen, nicht zuletzt die zwischenmenschliche Beziehung.

Treibstoff sparen lässt sich auch mit gut gewarteten Maschinen. Was ist hier wichtig?

Eine regelmässige und sorgfältige Wartung des Traktors ist entscheidend. Saubere Luftfilter sorgen für eine optimale Luftzufuhr zum Motor, während freie Kühler eine gute Kühlung gewährleisten. Ebenso ist eine korrekt eingestellte Einspritzung wichtig, damit der Kraftstoff effizient verbrannt wird.

Durch diese Massnahmen lässt sich der Dieselverbrauch um bis zu fünf Prozent senken. Gleichzeitig wird die Lebensdauer der Maschine verlängert. Auch der Zustand der angebauten Geräte spielt eine wichtige Rolle: Scharfe Messer beim Ladewagen oder Mähwerk reduzieren den Leistungsbedarf deutlich und tragen so zusätzlich zu einem geringeren Treibstoffverbrauch bei.

«Scharfe Messer senken den Leistungsbedarf deutlich», sagt Fachmann Fabian Koch
Sparen: Braucht es den Mähaufbereiter immer und wie viele Durchgänge mit dem Kreisheuer sind notwendig?

Gibt es weitere Tipps?

Wichtig ist, unnötige Leerlaufzeiten zu vermeiden, da der Motor dabei Treibstoff verbraucht, ohne dass eine Leistung erbracht wird. Auch die Klimaanlage sollte nur dann genutzt werden, wenn sie wirklich notwendig ist, da sie zusätzliche Energie benötigt.

Effizient ist es zudem, Arbeitsgänge möglichst zu kombinieren, um Überfahrten zu reduzieren und Zeit sowie Diesel zu sparen. Falls vorhanden, kann auch das Benutzen von ECO-Zapfwellen Sinn machen.

Wie lässt sich mittel- und langfristig sparen?

Beim Thema Dieselsparen lohnt es sich, den gesamten Betrieb im Blick zu haben. Oft sind es nicht einzelne grosse Massnahmen, sondern viele kleine Stellschrauben, die zusammen eine spürbare Wirkung erzielen.

Dazu gehört etwa, Arbeitsabläufe kritisch zu hinterfragen, Maschinen richtig einzusetzen und den Umgang mit Technik zu optimieren. Gerade bei Neuanschaffungen sollte nicht nur auf die Leistung, sondern auch auf Effizienz und Gewicht geachtet werden. Moderne, angepasste Technik kann helfen, den Energiebedarf zu senken.

Beispielsweise können je nach Betrieb Doppelmessermähwerke oder generell leichtere Maschinen eine interessante Alternative sein, da sie weniger Leistungsbedarf haben und somit den Treibstoffverbrauch reduzieren. Wer also ganzheitlich denkt und sowohl im Alltag als auch bei Investitionen bewusst entscheidet, kann langfristig Kosten sparen und gleichzeitig Ressourcen schonen.

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