An der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL) in Zollikofen BE werden derzeit neue Pläne geschmiedet. Studiengangsleiter Sven Grossrieder muss nicht nur das bestehende Studienangebot attraktiv halten, seine Aufgabe ist es aktuell auch, das neue Studienangebot «Spezialkulturen mit Fokus Gemüse» aufzubauen.
Das ist eine Vertiefung, die die angehenden Agronominnen und Agronomen ab dem zweiten Studienjahr wählen können. Der detaillierte Inhalt wird derzeit noch zusammengestellt. Das Ziel sei es, die Branche frühzeitig in diesen Prozess einzubinden, stellt Grossrieder im Gespräch mit der BauernZeitung klar. «Das Paket wird erst jetzt geschnürt», sagt auch Peter Spring, der Leiter des Fachbereichs Agronomie der BFH-HAFL.
Spezialgebiet erfordert Spezialfachkräfte
Klar ist, dass der Bedarf für dieses Angebot auf Stufe Tertiärbildung vorhanden ist. Das hat die Hochschule klar beobachtet. «Der industrielle Gemüsebau in der Schweiz ist komplex und hochspezialisiert – das erfordert vermehrt spezialisierte Fachleute», so Sven Grossrieder. Die Gemüsebranche sei indes speziell, weil Betriebe durch die hohe Wertschöpfung auch ausgebildete Agronom(innen) anstellen könnten. «Oft stellt man auf einem Gemüsebetrieb grössere Strukturen und damit mehr Komplexität fest als auf herkömmlichen Landwirtschaftsbetrieben», sagt der Studiengangsleiter. Entsprechend hoch sei auf diesen Betrieben auch die spezialisierte Bildungsvoraussetzung. «Gemüsebetriebe brauchen Fachpersonen und leisten sich diese auch», stellt Grossrieder klar. Doch ebendiese Fachkräfte fehlten in der Schweiz aktuell.

Branche ist auf die BFH-HAFL zugekommen
Über den detaillierten Inhalt wird aktuell noch diskutiert. Die Entscheidungsträger seien hier offen für Inputs, betont Peter Spring. Schliesslich sei anfänglich die Gemüsebranche mit der Bedarfsanmeldung auf die BFH-HAFL zugekommen. Nun könne die Branche, welche die Fachkräfte später dann auch einsetzen will, mithelfen, das Programm zusammenzustellen, so die Haltung der Hochschule. Auch die Landwirtschaftszentren sowie der Gemüseverband hätten vermehrt festgestellt, dass Fachpersonen fehlen. «Letztlich ist der Bedarf an Fachwissen nicht nur auf den Betrieben gross, sondern auch in der Beratung», gibt Sven Grossrieder zu bedenken. Dort merke man den Beratungseinfluss aus den Niederlanden deutlich. Umso wichtiger sei es, ein auf die Schweiz angepasstes Portfolio aufzubauen, so der Studiengangsleiter.
Vertiefung läuft ab Herbst 2027
Fest steht, dass die neue Vertiefung Spezialkulturen mit Fokus Gemüse, für die man sich ab dem Studienstart Herbst 2027 einschreiben kann, inhaltlich die Produktion von Gemüse umfassen wird sowie die Pflanzenzüchtung, Bodenkunde, Pflanzenschutz und Ökologie. Zusätzlich sollen Vermarktung, Kosten und Investitionen thematisiert werden. Peter Spring bringt zum Schluss des Gesprächs auf den Punkt, warum sich die Hochschule dieser Herausforderung annimmt: «Die Schweizer Landschaft ist heute auch ausserhalb der traditionellen Anbaugebiete vermehrt vom Gemüsebau geprägt. Dort, wo auf guten Ackerböden früher teilweise Gusti weideten, setzt man heute Zwiebeln für den Detailhandel.» Mit diesem Trend müsse man nun auch in der Bildung Schritt halten, so Spring.

