Im Monitoringjahr 2025/26 wurden hierzulande nach den aktuellen Zahlen des Bundes 350 Wölfe nachgewiesen. Es gab 155 Welpen und 13 neue Rudel, drei Rudel lösten sich auf.
In der Bilanz gibt es somit derzeit – nach der dritten präventiven Regulierungsperiode per 1.Februar 2026-30 vollständig in der Schweiz lebende Wolfsrudel und zehn mit grenzüberschreitendem Streifgebiet.
Mehr Rudel, mehr Wölfe, mehr Welpen, mehr Abschüsse
«Die Anzahl Rudel hat sich nach drei Regulierungsperioden nur wenig verändert», so das Fazit des Bundesamts für Umwelt (Bafu) in seinem kürzlich veröffentlichten Bericht.
Es gibt leicht mehr Wolfsrudel in der Schweiz (2025/26 plus vier gegenüber dem Vorjahreszeitraum) und auch der Gesamtbestand steigt: 2023 wurde die Präsenz von 301 Individuen nachgewiesen, 2024 waren es 319, nun 350. Parallel gibt es mehr Wolfswelpen und mehr präventive Abschüsse.
Weniger Risse: von 1157 Rissen auf 808
«Das exponentielle Wachstum des Bestandes scheint gebremst zu werden», so das Bafu. Der Trend zu mehr Rudeln lasse sich erst nach mehreren weiteren Regulierungsperioden mit Sicherheit bestätigen. Jedoch sinken gemäss Bericht die Risszahlen nach einem Peak 2022 und nähern sich den Werten von 2020/21 an – als es in der Schweiz rund 10–15 Wolfsrudel gab.
Der Rückgang der Risse bedeutet für den Bund aber keine Einsparungen, denn 2025 wurden vermehrt Rinder gerissen. Für diese Tierkategorie sind die Entschädigungen höher angesetzt als für Schafe und Ziegen.
Insgesamt beantragten die Kantone in der letzten Abrechnungsperiode Rückerstattungen für 808 gerissene Nutztiere, die sich auf insgesamt rund 700 000 Franken belaufen. 2024 hat der Bund 1157 Schadensfälle durch Wölfe an Nutztieren vergütet, im Rekordjahr 2022 waren es 1798.
Weniger geschossen, als freigegeben worden wären
Zwar zeigt die präventive Regulierung laut Bafu bisher die erwünschte Wirkung, einfach in der Umsetzung ist sie aber nicht. Entsprechend hinkt die Ausführung der bewilligten Abschüsse den Freigaben hinterher. So waren im vergangenen Winter 115 Wölfe zum Abschuss freigegeben, inklusive der vollständigen Entnahme von acht Rudeln.
Erfolgt sind 76 proaktive Abschüsse, ein Rudel konnte entnommen werden. Rudelregulierungen seien besonders schwer, weil sie zwecks Lerneffekt im sozialen Kontext erfolgen sollten, ist im Bericht des Bafus zu lesen. Weiter werde es im Verlauf des Winters immer schwieriger, die zum Abschuss freigegebenen Welpen von älteren Rudelmitgliedern zu unterscheiden.
Grenzüberschreitende Rudel erfordern Zusammenarbeit
«Was die Entnahme eines ganzen Rudels betrifft, so ist es kaum möglich, alle Individuen zu erlegen», hält das Bafu fest. Möglicherweise löse sich das Rudel nach einem Teilabschuss auf, weil sich die Wölfe trennen. «Es ist gegenwärtig noch unklar, welche Entwicklungen sich daraus ergeben.»
Die Kantone investieren «erhebliche Ressourcen» in das Wolfsmanagement, so der Bericht weiter. Bei grenzüberschreitenden Rudeln kommt hinzu, dass Eingriffe im Ausland einzubeziehen sind. Das setze eine enge und koordinierte Zusammenarbeit mit den Behörden des Nachbarlands voraus.
Herdenschutz bleibt wichtig und wurde gestärkt
«Die Wolfsregulierung gemäss angepasstem Recht zeigt Wirkung», schlussfolgert das Bafu. Der Vollzug werde insbesondere für die Kantone weiterhin anspruchsvoll und aufwendig bleiben.
Für das Bundesamt steht indes ausser Frage, dass bei aller Regulierung – egal ob proaktiv oder reaktiv aufgrund erfolgter Schäden – der Herdenschutz ein integraler Teil des Umgangs mit dem Wolf in der Schweiz bleibt. Das Parlament hat in dieser Sache den Bundesrat zurückgepfiffen, der zu Sparzwecken den Anteil des Bundes an der Finanzierung von Herdenschutzmassnahmen von 80 Prozent auf 50 Prozent reduziert hatte.
Ausserdem haben die Räte den Bundeskredit «Wildtiere und Jagd» um 3,6 Millionen erhöht. «Der Herdenschutz trägt wesentlich dazu bei, Schäden an Nutztieren zu verhindern», schreibt das Bafu.
Paradigmenwechsel naht
Es kommt immer wieder vor, dass identische Vorstösse sowohl im National- als auch im Ständerat eingereicht werden. So auch im Fall einer Motion, die die Einführung von regionalen Maximalbeständen für Wölfe fordert. Ist dieser Schwellenwert erreicht, wären Abschüsse zulässig.
Für das Anliegen stehen die beiden Tessiner Fabio Regazzi (Mitte-Ständerat) und Alex Farinelli (FDP-Nationalrat) ein. Ihre Motionen wurden in den jeweiligen Kammern angenommen. Somit ist die Einführung von Maximalbeständen quasi in trockenen Tüchern – denn als Zweitrat stimmen National- und Ständerat schliesslich nochmals über dasselbe ab, was sie bereits angenommen haben.
Die Einführung von Maximalbeständen für Wölfe wird als Paradigmenwechsel bezeichnet, ihre Wirkung ist umstritten. Bundesrat Albert Rösti hat sich dafür ausgesprochen, denn es gebe nach wie vor ein «massives Wachstum» der hiesigen Wolfspopulation. Er wolle angesichts dessen nicht mehr zuwarten mit neuen Massnahmen.

