Schweizer(innen) essen zu viel Süsses, zu viel Fleisch, zu viele tierische Fette, zu wenig Gemüse und zu wenig Pflanzenöl. 43 Prozent der Erwachsenen hierzulande sind übergewichtig oder adipös. Rund ein Viertel der Bevölkerung über 18 Jahren bewegt sich weniger als empfohlen. Denselben Anteil haben Lebensmittel am gesamten Umweltfussabdruck der Schweiz und noch immer gibt es Berge von Food Waste. So schildert die Schweizer Ernährungsstrategie des Bundes die Lage. Sie definiert drei zentrale Stossrichtungen:
- Verbesserung des Ernährungswissens: Die Bevölkerung soll besser Bescheid wissen über eine ausgewogene, nachhaltige und pflanzenbasierte Ernährung und den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln.
- Bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr gewährleisten: Etwa dem Alter entsprechend.
- Verbesserung der Rahmenbedingungen: Förderliche Ernährungsumgebung, auch durch Einbindung der Lebensmittelwirtschaft (z. B. durch die Anpassung von Rezepturen).
Der kürzlich publizierte Aktionsplan enthält die Massnahmen, mit denen der Bund in diese Richtungen arbeiten will. Er ist ausgerichtet für den Zeitraum bis 2028 und wie bei Ernährungs- oder Konsumthemen häufig, enthält der Plan viel Freiwilligkeit.
Wie schaffen wir ein gesundes Ernährungssystem? «In der Politik will niemand gross denken»
Die Landwirtschaft soll vielfältig und schonend produzieren, die Bevölkerung sich ausgewogen ernähren: Keine leichte Aufgabe für alle Akteure in der Wertschöpfungskette. Ein Agronom, eine Elsa-Vertreterin und der stellvertretende BLV-Direktor diskutieren Lösungen.Gesundheitsförderlicheres Angebot an Lebensmitteln schaffen
Zur Verbesserung des Ernährungswissens setzt der Bund ausschliesslich auf digitale und soziale Medien, da dies die meistgenutzten Kanäle seien. Der Zugang zu den relevanten Informationen soll kostenlos und niederschwellig sein. Weiter laufen bereits Arbeiten zur Entwicklung alterspezifischer Ernährungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche und man will die freiwilligen «Reformulierungsinitiativen» der Lebensmittelindustrie weiterverfolgen. Dabei verpflichten sich die Unternehmen – freiwillig – z. B., den Zucker-, Salz- oder Fettgehalt ihrer Produkte zu senken. Bisher gibt es die «Erklärung von Mailand» zur Reduktion des Zuckergehalts. Insgesamt verspricht sich der Bund davon ein «gesundheitsförderlicheres Lebensmittelangebot».
Empfehlungen für Kantinen und Mensen
Freiwillig geht es im Aktionsplan weiter mit Mindeststandards für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Gemeinschaftsgastronomie. Es gibt bereits Qualitätsstandards des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) für Kantinen, Mensen usw., sie sind aber reine Empfehlungen. Als erwartetes Ergebnis dieser Massnahme ist im Aktionsplan vermerkt, die Unternehmen der Gemeinschaftsgastronomie würden die vom BLV definierten Mindestkriterien der Qualitätsstandards setzen und das ebenfalls vom BLV entwickelte Instrument zur Selbstbeurteilung nutzen. Das erlaube, national die Fortschritte zu erfassen.
Massnahme 5 ist die freiwillige Selbstregulation der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung. Die Lebensmittelbranche soll sich selbst dazu verpflichten, weniger Werbung für Produkte mit «ungünstigem Nährwertprofil» für Kinder zu schalten. Das werde der Entwicklung ungesunder Ernährungsgewohnheiten bei Kindern entgegenwirken.
Nur, was das BLV selbst tun kann
Im Weiteren nennt der Aktionsplan die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bundesämtern, die Kooperation mit Kantonen, Städten und Gemeinden, die Vertretung und Vernetzung des BLV in internationalen Expertengruppen, die Planung und Durchführung der Nationalen Ernährungserhebung sowie die Datenbereitstellung für Forschung und Öffentlichkeit. Zu beachten ist, dass der Aktionsplan nur Massnahmen umfasst, die in die Zuständigkeit des BLV fallen sowie von diesem initiiert oder umgesetzt werden können. Planung und Durchführung orientierten sich an den Ressourcen des BLV.
«100 Prozent Selbstversorgungsgrad wären möglich»: Was die Forschung sagt und was ein Bauer davon hält
Ein Forscherteam legt eine Studie dazu vor, wie sich der Schweizer Selbstversorgungsgrad mit Gewinn für die Umwelt mittelfristig markant steigern liesse. Für Stefan Krähenbühl ist klar: Diese Landwirtschaft kann oder will sich der heutige Konsument nicht leisten.LesenAuch in der Agrarpolitik angekommen
Die Ernährungsstrategie betont indes ebenfalls Koordination und Kooperation: «Es gilt nun, für die kommenden Jahrzehnte die notwendigen Strukturen für eine Ernährungspolitik zu schaffen, die den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt Rechnung trägt.» Zu diesem Zweck müssten Aktivitäten und Strategien der verschiedenen Akteure abgestimmt werden, heisst es in der Strategie. Das passt zum Motto der AP 30+: «Mehr Handlungsspielräume, mehr Verantwortung – für die Ernährungssicherheit der Schweiz und eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft.»
Unter dem Punkt «Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette fördern» enthält auch die AP 30+ die Sensibilisierung für ausgewogene Ernährung. Dazu soll ein «kleiner Teil» des Budgets für die Absatzförderung fliessen – in «Kommunikationsprojekte zu den Vorzügen einer ausgewogenen Ernährung mit Schweizer Qualitätsprodukten».

