An der 26. Generalversammlung von Swisscofel bezeichnete Präsident Christian Bertholet das vergangene Jahr als Phase des Wandels und der Neuorientierung. Gleichzeitig habe 2025 gezeigt, wie leistungsfähig die Schweizer Früchte-, Gemüse- und Kartoffelbranche trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen sei. Für die Zukunft sieht Bertholet klare Schwerpunkte: Swisscofel will die Interessen der Branche noch konsequenter vertreten, Innovation und Digitalisierung fördern sowie als verbindende Plattform entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken.
Rekordernten und hohe Warenverfügbarkeit
Der Jahresbericht 2025 zeigte eine starke Produktion in nahezu allen Bereichen. Besonders im Früchtesektor konnten aussergewöhnlich hohe Erträge erzielt werden. Erdbeeren erreichten mit 7990 Tonnen den höchsten Ertrag der letzten zehn Jahre. Auch Aprikosen, Kirschen und Zwetschgen überzeugten sowohl mengenmässig als auch qualitativ. Schwieriger war die Situation bei den Tafeläpfeln: Der Ziellagerbestand wurde deutlich überschritten, während Exporte aufgrund ebenfalls guter Ernten im Ausland nur begrenzt Entlastung brachten.
Auch die Kartoffelbranche blickt auf ein erfolgreiches Erntejahr zurück. Die Erntemenge lag rund 20 Prozent über dem Vorjahr. Gleichzeitig führte die hohe Warenverfügbarkeit zu vollen Lagern, knappen Kapazitäten und erheblichem logistischem Druck. Positiv bewertet wurde das neue Richtpreismodell für Frühkartoffeln, das zur Marktstabilisierung beitrug.
Im Gemüsebereich standen hohe Erträge Qualitäts- und Lagerproblemen gegenüber. Besonders Karotten und Zwiebeln litten unter Hitzeperioden, Niederschlägen und Fäulnisproblemen. Zusätzlich erschwerten knappe Paloxen die Lagerung und Logistik. Fortschritte gab es hingegen bei der Importregelung: Die Zahl der Anträge konnte reduziert und die Planungssicherheit verbessert werden.
[IMG 2]
Politische und strukturelle Herausforderungen
Christian Sohm, der Ende 2025 als Direktor zurücktrat, bezeichnete das vergangene Jahr als «Jahr mit viel von allem»: grosse Warenmengen, intensive Diskussionen und hohe Informationsdichte. Politisch standen insbesondere die Agrarpolitik 2030+, Klimafragen, Food Waste, Pflanzenschutz sowie die Weiterentwicklung der Importregelung im Fokus. Kontrovers diskutiert wurde der Antrag des VSGP zur Erhöhung der Ausserkontingentszollansatz-Tarife (AKZA-Code-1-Tarife).
Seit dem 1. Januar 2026 führt Andreas Allenspach die Geschäftsstelle von Swisscofel. In seiner Ansprache blickte er bewusst nach vorn. In den ersten Monaten habe er vor allem zugehört und festgestellt, dass viele Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette ähnlich seien und nur gemeinsam gelöst werden könnten. Allenspach setzt dabei auf Zusammenarbeit, die Förderung der jungen Generation sowie gezielte Weiterbildung.
Ein besonderer Fokus liegt künftig auf der Stärkung der Mitgliederbasis und der Nachwuchsförderung. Programme wie «Jeunecofel» sowie bestehende Weiterbildungsangebote sollen weiter ausgebaut werden. Das Kurswesen entwickelte sich 2025 positiv: Insgesamt wurden 22 Kurse mit 196 Teilnehmenden durchgeführt, zwei Personen schlossen die Ausbildung zur Branchenspezialistin erfolgreich ab.
Finanzielle Situation des Verbandes stabil
Nach den Berichten des Präsidenten und des neuen Direktors wurden die statutarischen Geschäfte ordnungsgemäss behandelt und von der Versammlung genehmigt. Das neue Budget weist zwar einen Verlust aus, dieser wurde jedoch nachvollziehbar begründet. Insgesamt präsentiert sich die finanzielle Situation des Verbandes weiterhin stabil. Für die zurücktretenden Vorstandsmitglieder Stefan Giger und Werner Brunner wurden Daniel Buchmüller und Sylvain Agassis gewählt. Neuer Vizepräsident wird Michel Nick.
Bio Suisse setzt Schlusspunkt
Den Abschluss der Generalversammlung bildete ein Referat von Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse. In seinem Vortrag räumte er mit verbreiteten Fehlannahmen zur biologischen Produktion auf und zeigte anhand klarer Zahlen und Fakten die aktuelle Situation der biologischen Landwirtschaft in der Schweiz.
Brändli machte deutlich, dass die biologische Produktion und der Konsum von Bioprodukten weiter wachsen würden und die Marke «Knospe» bei den Konsumentinnen und Konsumenten ein hohes Vertrauen geniesse. Gleichzeitig stehe auch der Bio-Markt vor der Herausforderung, seine Position in einem dynamischen und anspruchsvollen Umfeld zu halten und weiter zu stärken.
Branche mit hoher Leistungsfähigkeit und wachsendem Anpassungsbedarf
Der Jahresbericht zeigt insgesamt eine Branche mit grosser Leistungsfähigkeit, aber auch mit zunehmendem Anpassungsdruck. Rekordernten und gute Qualität bestätigen die Stärke der Schweizer Wertschöpfungskette. Gleichzeitig verlangen Marktvolatilität, Klimafragen, regulatorische Anforderungen, Importmechanismen und steigende Kosten nach stärkerer Koordination und enger Zusammenarbeit innerhalb der Branche.