AboSchnell noch ein Selfie: Vanessa Meli und Bastian Kressig verbringen den Sommer auf der Alp Mädems mit 184 Rindern und Kälbern.ÄlplerblogZäunen und ein ausgebüxtes KalbMontag, 26. Juni 2023Wir alle haben uns gut eingelebt. Beide kamen langsam in einen gewohnten Rhythmus. Unser Tagesablauf ist am Morgen nach dem Frühstück zuerst die Rinderkontrolle und nach dem Mittagessen meistens ins Obersäss zum Zäunen und Vorbereiten. Am späteren Nachmittag oder am Abend wandern wir nochmals zu den Rindern für einen kurzen Kontrollblick. Auch unsere drei Hühner lebten sich ein und legen fleissig jeden Tag drei Eier. Unsere 184 Rinder haben sich langsam an uns gewöhnt und sind zutraulicher als zu Beginn des Alpsommers.

Dank Glocke wieder gefunden

Nach etwa drei Wochen mussten wir den ersten Panaritium-Fall mit Antibiotika behandeln. Wir bekamen ziemlich Probleme mit dem «Riegel» und mussten eine gewisse Zeit fast jeden Tag ein bis zwei Tiere spritzen.

Nach einem Weidewechsel zählen wir immer unsere Rinder. Einmal kamen wir immer wieder auf 183. Das kann doch nicht wahr sein! Wo ist das 184. Rind? Irgendwo in der Menge wird es bestimmt sein. Wir liefen nochmals durch die Herde, aber fanden es trotzdem nicht.

Schliesslich begaben wir uns um 11 Uhr auf die Suche. Wir suchten die alte Weide ab und sahen auch dort nichts. Plötzlich hörten wir ein Glockengebimmel, welches aus dem Wald kam. Wir fanden das Rind im Gebüsch, eingeklemmt zwischen Ästen. Schnell begannen wir, mit dem Sackmesser die Äste abzusägen, und befreiten das Rind, das zu allem Glück unverletzt war.

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Durstig, aber unverletzt

[IMG 2] Das Rind hatte grossen Durst, sonst war alles in Ordnung. Jetzt musste es nur noch den Weg zu den anderen Rindern finden. Es stellte sich schnell heraus, dass das nicht so einfach war, wie gedacht. Um 14 Uhr waren bei uns die Puste und die Geduld draus­sen, wir brauchten eine Pause. Wir nahmen ein kurzes Mittagessen ein. Um 15 Uhr versuchten wir unser Glück nochmal. Ausgestattet mit einem Halfter und Viehsalz machten wir uns auf den Weg. Wir versuchten es immer und immer wieder, doch das Rind wollte nicht. Schlussendlich mussten wir Helfer organisieren, da es zu zweit unmöglich war. Zu fünft schafften wir es, dem Tier das Halfter anzuziehen und es so in die andere Weide zu geleiten. Um 18.30 Uhr war es endlich geschafft! Wir beide mussten schmunzeln. Wir hätten heute Morgen nicht gedacht, dass das so schwierig sein würde, ein einziges Rind wieder zur Herde zu bringen.

Spaghetti Bolognese nach dem Zügeln

Am 24. Juli ging es los mit Zügeln ins Obersäss. Wir hatten viel Gepäck, Esswaren, Kleider usw., welche  300 Höhenmeter in die nächste Hütte gezügelt werden mussten. Am 29. Juli gingen wir dann mit allen Tieren, inklusive den Hühnern, hoch. Wir organisierten viele Helfer, welche mit uns die restliche Ware nach oben transportierten, das Vieh zügelten und die untere Hütte putzten. Am Mittag gab es dann die wohlverdienten Spaghetti Bolognese. Am Abend gingen wir müde zu Bett, da der Tag anstrengend war. Jetzt kommt wieder eine neue Periode unserer Alpzeit, auf welche wir uns sehr freuen. [IMG 3]

Alperlebnisse 2023
Im Älplerblog berichten Älplerinnen und Älpler aus den Kantonen Graubünden und St. Gallen in loser Folge von ihren Erlebnissen während des Alpsommers.