Die Liste der SF-Stiere ist lang: Anthony, Brooklyn, Obama P, Swanio, Djambo oder Stefano – man könnte die Auflistung noch beliebig erweitern und doch würde alles gleich bleiben. Denn in den Adern dieser Stiere fliesst das begehrte Blut von Hardy P. 

Hardy drückt der Zucht seinen Stempel auf

Als der Stier Trachsel's Hardy P am 22. Oktober 2013 auf die Welt kam, hätten wohl nicht viele gedacht, dass er zehn Jahre später die Swiss-Fleckvieh-Rasse prägen würde. Mehrere positiv getestete Söhne, viele Stierenmütter und auch viele Grosssöhne oder -töchter stammen von diesem hornlosen Stier ab. Hardy prägt zurzeit die Hitliste der SF-Stiere. Swissgenetics wie auch Select Star drückt er seinen Stempel auf. 

«Es war sicher auch sehr viel Glück mit dabei und Hardy kam vielleicht auch zur richtigen Zeit», sagt sein Züchter Urs Trachsel aus Oberbütschel BE bescheiden. Trachsel erzählt, wie er sich damals die Paarung LaddxTrachsel's Loyd Renate andachte. Dass er überlegte, wie er einen Stier kreieren könnte, der vielleicht den Sprung in die KB schaffen würde.

Samen von Rudolph war nicht mehr erhältlich

Die ganze Geschichte beginnt in den 1990er-Jahren. Im Stall von Trachsels steht die Caveman-Tochter Gabriela, eine 97-pünktige Kuh mit viel Milch und hohen Inhaltsstoffen. Zum Schluss überschritt die Ausnahmekuh auch noch die 100 000er-Milchmarke. Urs Trachsel setzte grosse Hoffnungen in seinen Schützling, sodass er seine Gabriela mit dem Rotfaktorstier Prism anpaaren liess. «Ich war damals begeistert vom Holsteinstier Rudolph, dem Vater von Prism», erzählt er. 

Doch Samen von Rudolph war nicht mehr erhältlich. Um doch noch an sein begehrtes Blut zu kommen, gab es nur den Umweg über seine Söhne. «Ich entschied mich für den RF-Stier Prism in der Hoffnung, dass eventuell doch noch ein rotes Kuhkalb auf die Welt kommen würde», so der Landwirt. Am 16. April 1999 sollte Tachsels Traum wahr werden: Im Stroh lag ein wunderschönes, rotes Prism-Kuhkalb. Dieses Kalb wurde auf den Namen Orelia getauft. Was damals noch niemand ahnte: Orelia sollte etwas Grosses werden; sie wurde die Stammkuh des Betriebs. «Sie war der Liebling von uns allen», schwärmt der Züchter heute noch.

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Hornlosigkeit als entscheidendes Kriterium

Orelia wurde mit 55 55 98 punktiert und mit EX-92 linear beschrieben. Sie leistete in ihrem Leben sage und schreibe 114 025 kg Milch und vererbte sich dazu noch gut. Orelia wurde als Rind mit dem Stier Loyd, einem Bemol-Sohn aus einer Fire-Kuh, angepaart. Daraus gab es dann das Kuhkalb Renate. Auf der Weide habe sie damals ihr Kalb auf die Welt gebracht. «Loyd war damals bei den Züchtern hoch im Kurs, vor allem auch wegen seiner Mutter Fire Elida, die im Jahr 1991 an der Expo Bulle Schöneuterkuh wurde», weiss Urs Trachsel noch. Loyd Renate wurde später mit 55 45 97 punktiert und hatte eine Lebensleistung von 81 500 kg Milch. 

Der damalige Swissgenetics-Sire-Analyst Hansueli von Steiger sagte zu Trachsel einmal, wenn Renate ein Stierkalb habe, solle er ihm Bescheid sagen. In der gezielten Paarung war die Kuh aber nie. Auch einen Anpaarungsvorschlag gab es vom Sire Analysten für Renate nicht. «Ich wusste: Wenn ich Renate mit einem Red Holsteinstier anpaare, wird der Nachkomme wegen des Blutanteils immer noch ein SF-Tier sein», sagt der Züchter. 

Trachsel wusste aber auch, dass es bald die letzte Möglichkeit sein würde, dass ein reines SF-Tier einen RH-Vater haben durfte. «Ich entschied mich damals für den RH-Stier Ladd P. Nicht nur wegen seiner Abstammung, sondern vor allem wegen seiner Hornlosigkeit», so Trachsel.

Wachsen Hardy Hörner oder nicht?

Neun Monate später gebar Renate dann ein Stierkalb mit dem Namen Hardy. «Es war von Anfang an ein grosses und aufgewecktes Kalb», erinnert sich Urs Trachsel. Hardy war zusammen mit drei Kuhkälbern in einem Laufstall untergebracht. «Jean-Louis Schrago, selig, sagte einmal zu mir: ‹Wenn du ein Kalb kaufen willst und du es auslesen darfst, dann achte immer, welches Kalb zuerst zum Fressen kommt›», erzählt Trachsel. Hardy sei so ein Kalb gewesen, habe schnell gelernt, sich durchzusetzen, und sei immer als erstes Kalb an der «Chrüpfe» gestanden. «Nach der Geburt von Hardy ging ich jeden Morgen zu ihm, spürte, ob bei ihm Hörner wachsen oder nicht», weiss der Züchter noch. Hardy wuchsen aber keine Hörner.

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Lange Jahre führend auf der Liste

Das junge Kalb war nicht nur genetisch hornlos, auch sein genomischer Zuchtwert war höher als erwartet. «Als Hansueli von Steiger dem Kalb Haare nahm, meinte er noch, dass die Zahlen wegen seiner Abstammung wohl zu tief sein würden», so Urs Trachsel. Doch der genomische Zuchtwert von Hardy P war so hoch, dass Swissgenetics nicht lange überlegen musste und das Kalb ankaufte. Hardy P absolvierte dann – wie alle anderen auch – den regulären Prüfeinsatz beim KB-Unternehmen. 

Im August 2018 schlug für Hardy P dann die Stunde der Wahrheit. Er bekam seinen ersten töchterbasierten Zuchtwert und der konnte sich sehen lassen: 83 Töchter waren im Leistungszuchtwert und 38 Töchter wurden linear beschrieben. Der Ladd-Sohn vererbte damals +398 kg Milch mit +0,23 % Fett und +0,24 % Eiweiss, was ihm einen Iset von 1204 einbrachte. Im Exterieur fielen damals vor allem die Traumeuter (Note 137) auf. Hardy führte dann viele Jahre die Zuchtwertliste der SF-Stiere an und wurde wegen seines hornlosen Gens ein wertvoller Stierenvater.

«Das kommt von seiner Mutterlinie»

Sieben Jahre später, bei der letzten Zuchtwertschätzung vom Dezember 2025, hat Hardy P immer noch einen Milchzuchtwert von +128 kg Milch bei positiven Inhaltsstoffen. Auch im Exterieur, wo mittlerweile über 3500 Töchter beschrieben sind, kann er noch einen Euterzuchtwert von 123 vorweisen. Sein aktueller Iset von 1267 ist sage und schreibe 63 Punkte höher als im Jahr 2018. 

Dazu vererbt Hardy P das gesuchte Kappa Kasein BB und die vorteilhafte Variante β-Casein A2/A2. «Hardy P war seinerzeit einer der ersten SF-Stiere, die hornlos waren. Seine Töchter sind sicherlich etwas spätreife Kühe. Das kommt von seiner Mutterlinie», berichtet Urs Trachsel. Warum die Kombination LaddxLoyd so gut funktionierte, könne er nicht genau sagen: «Von Loyd haben wir immer sehr schöne Kühe gesehen. Vielleicht hat auch das Rudolph-Blut in seiner Abstammung das Nötige dazu beigetragen», meint der Züchter.