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«Respekt davor habe ich jedenfalls»: Martina Neff ist neu höchste Bäuerin in Appenzell Ausserrhoden

Die 31-jährige Schreinerin Martina Neff ist neue Präsidentin der Landfrauenvereinigung Appenzell Ausserrhoden. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb in Gais (AR) und setzt sich für Vereinsengagement von Frauen ein.

Dicker Nebel liegt über den Appenzeller Hügeln, vom Säntis ist heute weit und breit nichts zu sehen. «Eigentlich hätte man von hier aus eine tolle Sicht auf den Alpstein», sagt Martina Neff lachend. Die 31-Jährige, die mit ihrem Mann Andreas auf einem Milchviehbetrieb auf rund 1100 m ü M. hoch über Gais lebt, wurde kürzlich zur höchsten Bäuerin von Appenzell Ausserrhoden gewählt.

Damit ist sie die Nachfolgerin von Simone Bischofberger, die das Präsidium der kantonalen Landfrauenvereinigung nach neun Jahren abgegeben hat.

Privilegiertes Leben auf dem Bauernhof

Aufgewachsen ist Martina Neff im rund 20 Kilometer entfernten Oberegg im Kanton Appenzell Innerrhoden. Ihre Eltern bewirtschafteten einen Bauernbetrieb mit Schafen und Geissen, später kam auch Rindvieh dazu.

«Wenn ich als Kind zuhause beim Heuen helfen musste, war ich nicht immer glücklich», erinnert sie sich. «Bei heissem Wetter wäre ich lieber schwimmen gegangen.» Erst als Jugendliche habe sie gemerkt, was es für ein Privileg ist, auf einem Bauernhof zu leben. «Dazu gehörte beispielsweise die Gelegenheit, direkt aus dem reichen Garten meiner Mutter frische Beeren pflücken oder Rüebli ziehen zu können.»

Von Appenzell Ausserrhoden nach Innerrhoden

Nach der Ausbildung zur Sportartikelverkäuferin arbeitete Neff zuerst eine Saison lang als Skilehrerin und hängte anschliessend die dreijährige Lehre als Schreinerin an.

«Ich hatte damals ein Innenarchitekturstudium im Auge», erzählt sie. Doch zuerst wollte sie nach dem Lehrabschluss eine Zeit lang im Beruf tätig sein, um Geld zu verdienen. Sie fühlte sich im Schreinerberuf aber so wohl, dass sie dabeigeblieben sei.

«Am allerschönsten ist es an der frischen Luft»

Nachdem die Innerrhoderin ihren Mann Andreas Neff kennengelernt hatte, zog sie vor fünf Jahren zu ihm ins Ausserrhoderische Gais. Zurzeit ist sie in einem 50-Prozent-Pensum als Schreinerin in einer nahen Zimmerei tätig. Daneben unterstützt sie ihren Mann auf dem Betrieb mit Milchkühen und eigener Aufzucht, Mastsauen und Legehennen.

«Meine Hauptverantwortung sind die Hühner», verrät Martina Neff. So sei sie unter anderem für die Administration der Direktvermarktung sowie für das Ausliefern der Eier in der Umgebung zuständig.

Auch im Stall treffe man sie an, die Arbeit mit den Tieren gefalle ihr gut. «Am allerschönsten ist es an der frischen Luft, wenn ich kurz innehalte, um zum Säntis hinüberzuschauen und dem Gezwitscher der Vögel zuzuhören», erzählt sie. Sie sei überzeugt, dass man sich im oftmals strengen Bauernalltag Zeit nehmen dürfe, um solche Momente zu geniessen.

Planung ist die grösste Herausforderung

«Ich bin gerne zu Hause, doch ich brauche auch Abwechslung», sagt Martina Neff. Damit meint sie, dass sie auch gerne andere Orte sehe und Neues erlebe. Dabei sei es egal, ob in der Schweiz oder im nahen Ausland. Gelegentlich begleitet sie ihren Mann zum Biken und im Winter fährt sie gerne Ski.

«Die grösste Herausforderung in unserem Alltag ist die Planung», meint die Bäuerin. So sei es oftmals schwierig, allem gerecht zu werden. Nicht nur den alltäglichen Aufgaben, sondern auch den ausserbetrieblichen Terminen und sozialen Kontakten. «Besonders, wenn man zu Zeiten im Stall sein muss, während andere beim Abendessen sind», bemerkt sie.

«Respekt davor habe ich jedenfalls»: Martina Neff ist neu höchste Bäuerin in Appenzell Ausserrhoden
Martina Neff ist auf dem Betrieb vor allem für die Legehennen und die Direktvermarktung der Eier zuständig.

Sie hat Respekt vor öffentlichen Auftritten

Die Bäuerinnen und Landfrauen kennt Martina Neff seit ihrer Kindheit, als die Mutter Mitglied war. «Wir Kinder halfen manchmal bei Anlässen», erzählt sie. Sie selbst trat vor drei Jahren in den Landfrauenverein Gais ein und wurde aktives Mitglied. Ende Dezember rief Simone Bischofberger an, die sie vom Sehen her kannte.

Diese teilte ihr mit, dass sie einen Job zu vergeben habe – das Amt der Präsidentin. «Es brauchte eine Weile, bis ich zusagte», so Neff. Zunächst habe sie mehr über die Aufgabe erfahren wollen und an einer ersten Vorstandssitzung teilgenommen.

Überzeugt habe sie schliesslich, dass sie als Präsidentin von einem Netzwerk profitiere, das bis zum Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) reiche. «Zudem kann ich viel Neues lernen». Es sei etwa für sie noch eine Herausforderung, vor einem grossen Publikum zu sprechen. «Respekt davor habe ich jedenfalls», gibt die neue Präsidentin zu.

Guter Altersmix im Vorstand

Im Vorstand der Landfrauenvereinigung sei sie bereits herzlich aufgenommen worden, so Neff. Als jüngere Vertreterin im Vorstand bringe sie frischen Wind mit, ältere Vorstandsfrauen dafür ihre Lebenserfahrung. «Es ist ein guter Altersmix», findet sie. «Im Idealfall können alle voneinander profitieren.»

«Respekt davor habe ich jedenfalls»: Martina Neff ist neu höchste Bäuerin in Appenzell Ausserrhoden
Das Haus von Martina und Andreas Neff befindet sich oberhalb von Gais auf 1100 m ü M.

Es braucht engagierte Mitglieder

Martina Neff bringt bereits viel Erfahrung in der Vereinsarbeit mit: Jahrelang war sie bei Jungwacht Blauring aktiv. Zunächst neun Jahre lang als Leiterin, anschliessend während zwei Jahren in der Regionalleitung. «Schon damals habe ich gemerkt, dass man miteinander viel Gutes bewirken kann. Indem man gemeinsam diskutiert und Entscheidungen fällt», stellt sie fest.

Deshalb seien Vereine wichtig für die Gesellschaft und eine Form der Demokratie. Ob den Landfrauen nicht allmählich der Nachwuchs fehlt? «Es kommt auf die einzelnen Vereine an», sagt sie. «Bei uns in der Sektion Gais beispielsweise haben wir einige junge Mitglieder.»

Das Problem sei eher, dass sich nicht mehr Frauen für die Vereinsarbeit verpflichten wollten. Doch Männer stellten sich eher dazu zur Verfügung und seien häufig gut vernetzt. Wieso sollten Frauen das nicht auch können?

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