Gemüseproduzenten kehren zum Bauernverband zurück
128 Delegierte und zahlreiche Gäste folgten der Einladung in die Limmatstadt. Gastgeber war die traditionsreiche Gemüseproduzenten-Vereinigung Zürich (GVZ), die seit 1906 besteht und heute zu den tragenden Kräften im Verband zählt.
Präsident Fritz Meier nutzte die Bühne, um die Leistungsfähigkeit seiner Sektion zu unterstreichen: 59 aktive Betriebe bewirtschaften rund 2200 Hektaren Freilandgemüse und 70 Hektaren geschützten Anbau. Trotz wachsendem Siedlungsdruck behauptet sich die Zürcher Produktion – nicht zuletzt dank offener Behörden und dem Strickhof als starkem Kompetenzzentrum.
Branche im Spannungsfeld
«Bewegte Zeiten»: Mit diesen Worten brachte VSGP-Präsident und Ständerat Werner Salzmann die aktuelle Lage auf den Punkt. Globale Unsicherheiten, steigende Anforderungen und ein zunehmend widersprüchliches Marktumfeld setzen die Produzenten unter Druck.
Ein zentrales Konfliktfeld bleibt das Projekt Digiflux. Der VSGP hatte sich als einziger Verband zunächst klar dagegengestellt. Die Kritik: zu hoher administrativer Aufwand und Vorgaben, die über den politischen Auftrag hinausgingen. Nach intensiven Verhandlungen wurde zwar eine Korrektur erreicht, doch die Skepsis ist nicht verschwunden. Salzmann machte deutlich, dass der Verband weiterhin wachsam bleibe – im Interesse der Produzenten.
Preisdruck trotz hoher Ansprüche
Besonders scharf fiel die Kritik an den Marktpartnern aus. Der abrupte Strategiewechsel einiger Abnehmer – weg von Nachhaltigkeitsprogrammen, hin zu Tiefstpreisen – sorgt für Unverständnis. Denn die Qualitätsanforderungen bleiben hoch. Für viele Betriebe entsteht so eine gefährliche Schere zwischen Aufwand und Ertrag.
Die Forderung nach fairen Preisen und verlässlichen Rahmenbedingungen zog sich entsprechend wie ein roter Faden durch die Versammlung. «Wir wollen Teil der Lösung sein», betonte Werner Salzmann – machte aber gleichzeitig klar, dass dies nur mit stabilen politischen und wirtschaftlichen Leitplanken möglich ist.
Marktsteuerung wird zur Schlüsselaufgabe
Direktor Matija Nuic zeigte in seinem Jahresbericht, wie sensibel das Marktgleichgewicht ist, am Beispiel der Cherrytomaten: Trotz ausgedehnter Anbauflächen musste die Branche zusätzliche Importkontingente sprechen, um die grosse Nachfrage zu decken.
Der VSGP koordiniert diese Prozesse gemeinsam mit den Marktpartnern – im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft. Der Dialog entlang der Wertschöpfungskette wird damit zur zentralen Aufgabe.
Innovation trifft auf regulatorische Hürden
Neben Marktfragen bleibt auch der Pflanzenschutz ein dominierendes Thema. 65 beantragte Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel im vergangenen Jahr sprechen eine deutliche Sprache: Die ordentlichen Zulassungsverfahren stocken; wirkungsvolle Mittel fehlen zunehmend. Die neuen Züchtungstechnologien wären, aus Sicht des Verbandes, ein Hoffnungsschimmer. Sie werden aber vom Bundesrat ausgebremst.
Fortschritte gab es mit den neuen Düngernormen und bei der Swiss-GAP-Revision, die insbesondere für Verarbeitungsgemüse spürbare Erleichterungen brachte.
Nachwuchs und Wettbewerb
Ein positives Signal kommt aus der Bildung: Die Zahl der Lernenden blieb stabil. Die Berufsprüfung bestanden drei und die Meisterprüfung elf junge Männer. An den SwissSkills zeigte der Nachwuchs eindrücklich sein Können. Mit Janik Guggisberg, Solène Luder und Johannes Majorek standen drei junge Talente auf dem Podest – ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Historischer Entscheid: Rückkehr zum Bauernverband
Für die grösste Diskussion sorgte jedoch ein strategischer Entscheid: der Wiedereintritt in den Schweizer Bauernverband (SBV). Nachdem der VSGP 2018 ausgetreten war – unter anderem wegen massiv erhöhter Mitgliederbeiträge und mangelnder Mitsprache – stand nun die Rückkehr zur Debatte.
Auslöser war ein Antrag der Feldgemüseproduzenten Zürich. Nach intensiven Verhandlungen einigten sich VSGP und SBV auf neue Rahmenbedingungen, die insbesondere die Eigenständigkeit des Gemüsebaus sichern sollen. Die Delegierten stimmten schliesslich mit 82 zu 31 Stimmen für die Wiederannäherung.
Die deutliche Minderheit der Nein-Stimmen – vor allem aus dem Seeland – zeigt jedoch: Die Vergangenheit ist nicht vergessen. Zu tief sitzt bei einigen die Erinnerung daran, dass sich die Gemüseproduzenten einst vom SBV im Stich gelassen fühlten.
Fazit: Zwischen Selbstbehauptung und Kooperation
Die Delegiertenversammlung in Zürich hat gezeigt, wie stark die Branche unter Druck steht – und wie entschlossen sie darauf reagiert. Zwischen politischem Engagement, marktwirtschaftlichen Herausforderungen und strategischen Allianzen sucht der VSGP seinen Weg.
Die Gemüsebranche ist im Umbruch. Doch eines wurde in Zürich deutlich: Sie will diesen Wandel nicht nur ertragen – sondern aktiv mitgestalten.

