Steckbrief
Name: Michelle Fahrni
Alter: 20 Jahre
Wohnort: Rumisberg BE
Lehrjahr: 3. Lehrjahr
Ausbildungsbetrieb: Alexander und Claudia Schmitz, Wiedlisbach BE
«Letzte Woche waren wir gerade an der Viehschau und Tansania hat den ersten Platz gemacht.» Mit einem gewissen Stolz in der Stimme tätschelt Michelle Fahrni den Hals ihrer Lieblingskuh auf dem Lehrbetrieb. «Sie hat einen tollen Charakter und gefällt mir auch vom Erscheinungsbild her – die Flecken, die Grösse, alles.»
Kaum beginnt Michelle Fahrni mit dem Einstreuen, ist die Holsteinkuh meist schon zur Stelle. «Sie kommt immer schauen, was ich mache, kommt etwas mit dem Gring ranggen und lässt sich gut streicheln. Auch in den Melkstand geht sie gerne», sagt die Kandidatin von «Lernende des Jahres» über die junge Kuh in der ersten Laktation.
Als Kind Ferien auf dem zukünftigen Lehrbetrieb
Michelle Fahrni stammt aus Rumisberg BE und absolviert derzeit ihr drittes Lehrjahr als Landwirtin EFZ bei Alexander und Claudia Schmitz in Wiedlisbach BE. «Der Seniorchef, Hanspeter Schmitz, ist mein Götti. Ich war schon als Kind hier oft in den Ferien.»
Der Lehrbetrieb ist vielseitig aufgestellt. Die rund 65 Holstein- und Red-Holstein-Kühe liefern Industriemilch, dazu werden Munis ausgemästet. Bewirtschaftet werden etwa 40 Hektaren Land, produziert werden Silomais und Getreide. Auch erneuerbare Energie gehört dazu: Der Betrieb produziert eigenen Strom mit einer Solaranlage.
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Draussen auf dem Feld, statt im Büro
Dass sich Michelle Fahrni für den Beruf Landwirtin entschieden hat, kommt nicht von ungefähr: Zuhause bewirtschaftet ihre Familie ebenfalls einen Hof. «Ich bin gerne draussen, arbeite gerne mit Tieren und mag die Abwechslung. Kein Tag ist wie der andere», zählt sie auf die Frage auf, was ihr am Beruf besonders gefällt.
Vorher hat Michelle Fahrni bereits eine KV-Lehre absolviert, ebenfalls mit Landwirtschaftsbezug, beim Futterhersteller Melior.
Arbeitsbeginn um 5.30 Uhr
Der Arbeitstag beginnt früh. Um 5 Uhr steht Michelle Fahrni auf dem elterlichen Hof auf. Kurz tauscht sie sich zuhause mit ihrem Vater am Küchentisch aus, dann fährt sie los. Arbeitsbeginn ist um 5.30 Uhr. Am Abend dauert der Einsatz bis 18.30 Uhr.
Jedes zweite Wochenende übernimmt sie Stalldienst, hat dafür abwechselnd drei Tage frei. Die langen Arbeitstage machen ihr nichts aus: «Meine Motivation ist es, jeden Tag ein qualitativ hochwertiges und möglichst nachhaltiges Produkt herzustellen, dafür stehe ich gerne auf.»
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Auch die Arbeiten mit Traktor und Maschinen erledigt Michelle Fahrni gerne. «Ich nehme mir immer genug Zeit und steige lieber einmal mehr ab beim Rückwärtsfahren mit der Viehbänne, damit nichts kaputtgeht.»
Die Berufsschule besucht die 20-Jährige am Inforama Rütti in Zollikofen BE. Das Lernen fällt ihr leicht, besonders gerne mag sie das Fach Tierhaltung. Aber auch Pflanzenbau, Ackerbau und Arbeitsumfeld seien wichtig. «Ich gehe recht gerne in die Schule.»
Bewerbung spontan mit der Mutter gedreht
Zur Teilnahme am Wettbewerb «Lernende des Jahres» der BauernZeitung kam die Bernerin eher spontan. Auslöser war das Werbevideo des Schwingers Michael Ledermann, das dem jungen Schwingfan natürlich besonders ins Auge stach.[IMG 3]
«Meine Verwandten sagten auch: ‹Michelle, mach doch da mit.›» Auch ihr Lehrmeister sei sofort einverstanden gewesen. Also griff sie gemeinsam mit ihrer Mutter zur Kamera. An einem «grusigen» Samstagmorgen drehten die beiden das Bewerbungsvideo auf dem Lehrbetrieb. Geschnitten hat Michelle Fahrni alles selbst – an einem Dienstag nach der Berufsschule, kurz bevor sie zur Jodelprobe musste.
Jodeln und Fussball als Ausgleich
Wenn Michelle Fahrni Freizeit hat, verbringt sie diese oft singend oder auf dem Fussballplatz. Sie jodelt «für ihr Leben gerne» im Jodlerclub Wangenried. «Da kann ich den Kopf abschalten und einfach drauflos singen.»
Daneben spielt Michelle Fahrni beim FC Riedholz Fussball. Als Innenverteidigerin ist sie Captain des Teams in der 3. Liga. Im Sommerhalbjahr stehen fast jedes Wochenende Meisterschaftsspiele an.
Fünf Fragen an Michelle Fahrni
Deine liebste Arbeit?
Am liebsten bin ich im Stall, besonders gerne bei den Kälbern.
Was machst du am wenigsten gerne?
Blacken stechen.
Was sind deine Lieblingstiere?
Kälber, die sind einfach «cheibe härzig».
Was ist dein Lieblingsessen?
Ich esse alles sehr gerne, mir ist vor allem wichtig, dass es regional und saisonal ist. Wenn ich bei der Chefin etwas wünschen kann zum Zmittag: Cordon bleu. Dies hat immer Saison.
Welche Superkraft möchtest du gerne?
Die Zeit stoppen, dann könnte ich noch schnell ein Fuder Heu reinbringen, bevor es zu regnen beginnt.
Zu Hause übernimmt der Bruder
Zuhause hält die Familie Fahrni rund 20 Milchkühe, 40 Stück Jungvieh, dazu 20 Mutterschweine und 15 Schafe, um «die Börter zu putzen». Bewirtschaftet werden 30 Hektaren Land auf 900 Metern über Meer. Neben Grünland werden auf dem Betrieb 2 Hektaren Triticale angebaut. 6 Hektaren Wald gehören auch dazu.
Den elterlichen Betrieb wird später voraussichtlich ihr Bruder übernehmen. Doch Michelle Fahrni sagt mit einem Schmunzeln, dass sie einem eigenen Hof sicher nicht abgeneigt wäre. Nach dem Lehrabschluss im Sommer plant die angehende Landwirtin bereits den nächsten Schritt: die Agrotechnikerschule. Daneben wird sie weiter im Beruf arbeiten. «Es ist wichtig, dass die Konsumenten sehen, mit wie viel Herzblut wir Bauern unseren Beruf ausüben.»
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Ehrendame am Seeländischen: «Ich freue mich riesig»
Doch zuvor steht Mitte Mai noch ein besonderes Highlight an: Michelle Fahrni ist Ehrendame am Seeländischen Schwingfest. «Ich freue mich riesig!», sagt sie. Ihre Lieblingsschwinger sind Moser Michael und Staudenmann Fabian – natürlich zwei Berner.
Auch über einen Sieg bei «Lernende des Jahres» wäre sie sehr glücklich: «Ich hoffe, ich kann mit meinem Porträt und Video einen Blick hinter die Kulissen des Berufs ermöglichen und freue mich natürlich über jede Stimme!» Vorerst wartet aber der nächste Arbeitstag – und ziemlich sicher auch Tansania, die wieder neugierig nachschauen wird, was Michelle Fahrni gerade macht.